Forschung
Gentests verändern die Pharmawelt

Die Kombination von Medikamenten und Gentests gewinnt für die Pharmabranche an Bedeutung. In erster Linie ist bisher die Forschung betroffen. Aber auch in der medizinischen Praxis wächst nach und nach die Zahl der Produkte, deren Einsatz fest an begleitende genetische Tests gekoppelt ist. Wie Konzerne die Medikamente auf einzelne Patienten zuschneiden.

FRANKFURT. Der Trend dürfte mittelfristig die Stellung von Diagnostikfirmen spürbar stärken, erwarten viele Branchenkenner. "Tendenziell werden sich damit Wettbewerb und Wertschöpfungsstrukturen in der Pharmabranche verändern", sagt Julia Schüler, Pharma- und Biotechexpertin bei Ernst & Young.

Jüngstes Beispiel für den schleichenden Wandel ist das Lungenkrebsmittel Iressa, das der Pharmakonzern Astra-Zeneca Anfang Juli abermals auf den Markt gebracht hat. Iressa war schon einmal zugelassen, wurde aber von dem britischen Konzern vor knapp vier Jahren nach enttäuschenden Test-Daten zurückgezogen. Ende Juni hat er von der europäischen Arzneimittelbehörde Emea eine neue Zulassung erhalten, diesmal speziell für die Erstbehandlung von Lungenkrebs-Patienten, bei deren Krebszellen ein Rezeptor für den Wachstumsfaktor EGF auf bestimmte Weise mutiert ist. Das trifft nur auf etwa zehn bis 15 Prozent aller Lungenkrebs-Fälle zu. Ein Gentest wird darüber entscheiden, welche Patienten das Medikament erhalten.

Ähnlich ist die Situation bei den Darmkrebsmitteln Erbitux (Merck KGaA) und Vectibix (Amgen), bei denen sich in den vergangenen beiden Jahren Vermutungen bestätigten, dass sie bei Patienten mit bestimmten genetischen Veränderungen kaum wirken, bei anderen dagegen umso besser. Ihr Einsatz wurde daher auf Krebspatienten beschränkt, bei denen ein Gen namens K-Ras in Normalform und nicht in mutierter Form vorliegt.

Die amerikanische Zulassungsbehörde FDA hat inzwischen 28 genetische Marker bestätigt, die für eine Behandlung mit Arzneimitteln und die Auswahl von Patienten relevant sind. Innerhalb eines Jahres hat sich die Zahl um zehn erhöht. Und wenn Fachleute aus der Branche recht behalten, werden im Laufe der nächsten Jahre zahlreiche weitere neue Marker erforscht, die in der einen oder anderen Form über die Medikamenten-Behandlung mit entscheiden.

Die Grundidee einer Verzahnung von Genanalyse und Arzneimitteltherapie ist keineswegs neu. Die Vision einer "personalisierten Medizin" geistert schon seit der Genomforschungs-Euphorie in den 90er-Jahren durch die Pharmalandschaft. Ausgangspunkt ist die Überlegung, dass bestimmte genetische Ausprägungen maßgeblichen Einfluss darauf ausüben, ob und wie stark ein Pharmawirkstoff bei einzelnen Personen wirkt.

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