Industrie
„Forschung ist die Quelle des Wohlstandes von morgen“

Handelsblatt-Gespräch mit Professor August-Wilhelm Scheer über die Probleme, die Deutschland bei der Umsetzung von Forschungsergebnissen in weltmarktfähige Produkte hat.

Handelsblatt: Herr Professor Scheer, als Wissenschaftler und Unternehmer setzen Sie sich seit Jahren dafür ein, dass Forschung und Entwicklung marktnäher ausgerichtet und effizienter werden. Wo liegen die Probleme und sehen Sie erste Erfolge Ihrer Bemühungen?

Scheer: Unternehmerisches Denken - Entrepreneur-ship - ist in Deutschland außerhalb der Wirtschaft zu wenig ausgeprägt. Auf den Punkt gebracht, fühlt sich ein deutscher Professor selten verantwortlich für das Wohlergehen der Wirtschaft. Dabei macht gerade die Möglichkeit, die Umsetzung der Forschungsergebnisse in die Praxis mitzubetreuen, die Sache interessant. Hier endlich einmal einen Schritt weiter denken zu müssen, ist kein Bedrängen der Wissenschaftler, sondern eine Chance für sie. Zumindest schrittweise ist es gelungen, dass ein Umdenken beginnt, die Zusammenhänge erkannt werden.

Welche Zusammenhänge meinen Sie?

Die komplette durchgehende Verzahnung von Grundlagenforschung und Anwendungsforschung bis zur Produktentwicklung, mit der Gründung kleiner Unternehmen bis zur internationalen Vermarktung durch Großunternehmen. Bei dieser Wertschöpfungskette ist vor allem die Hebelwirkung für die Internationalisierung der Produkte wichtig, die kleine Start-up-Unternehmen aus eigener Kraft nicht schaffen können. Gerade daran hapert es in Deutschland. Wir haben zwar eine recht gute Forschung und gute Technologien, doch wir bekommen die internationalen Markterfolge nicht hin. Unser Bundeskanzler wäre deshalb gut beraten, mehr Chefs von kleineren High-tech-Unternehmen auf Reisen beispielsweise nach China mitzunehmen und ihnen damit ein Podium für neue Kontakte zu bieten.

Worin besteht der Unterschied zur Innovationsentwicklung in den USA und was sollte sich in Deutschland ändern?

Anders als in den USA gibt es zu wenig erfolgreiche High-tech-Großunternehmen, die kleinere Partner in den Vermarktungsprozess hineinziehen. Die wenigen großen Unternehmen, die es in Deutschland überhaupt gibt, sollten sich deshalb darum kümmern, dass sich mehr kleine Firmen um sie herum ansiedeln. Eventuell kann der Staat ganz gezielt Forschungsprogramme auflegen, die für Großunternehmen interessant genug sind, um nach der staatlichen Förderung selbst weiterzumachen. Noch idealer wäre es, solche Programme mit Persönlichkeiten zu verknüpfen, die ihnen ihren guten Namen geben. Letztendlich bin ich überzeugt, dass drei weitere Großunternehmen wie SAP Deutschland in der Forschung mehr bringen würden als die ganze staatliche Forschungsförderung auf dem Gebiet der Informationstechnologie. Dann würde automatisch eine Sogwirkung entstehen.

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