Fortgeschrittene Verhandlungen mit GM: Daimler prüft Alleingang mit Jeep

Fortgeschrittene Verhandlungen mit GM
Daimler prüft Alleingang mit Jeep

Bei Daimler-Chrysler wird offenbar immer mehr mit einem Verkauf von Chrysler gerechnet: Wie aus Unternehmenskreisen bekannt wurde, denken die Stuttgarter darüber nach, bei einer Trennung von der US-Sparte die Geländewagenmarke Jeep im Konzern zu belassen.

BERLIN/FRANKFURT. Jeep verkaufte 2006 rund 595 000 Autos und ist neben Dodge und Chrysler eine von drei Marken der Chrysler-Gruppe. Nach Ansicht von Experten passt von den US-Marken der Geländewagenbauer am besten zur Nobelmarke Mercedes. Auch US-Konkurrent Ford habe mit Land Rover einen Offroader bei seiner Nobelmarkengruppe PAG angesiedelt, sagten Analysten. Daimler könnte zudem einen Verbund von Jeep mit den in den USA gefertigten Mercedes-Geländewagen anstreben.

Daimler-Chef Dieter Zetsche wollte sich am Mittwoch auf einer Investorenkonferenz in London nicht näher zu den Optionen für Chrysler äußern, wie ein Teilnehmer berichtete. Auch ein Daimler-Sprecher lehnte einen Kommentar ab.

Die Verhandlungen über die US-Sparte Chrysler zwischen Daimler und dem US-Konkurrenten General Motors (GM) sind unterdessen weiter gediehen als bisher gedacht. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen erwägen die Stuttgarter, eine Bezahlung in Aktien zu akzeptieren. Daimler würde demnach im Zuge eines Verkaufs von Chrysler eine Beteiligung von rund zehn Prozent am größten US-Autobauer erhalten. Im Gegenzug wäre Daimler bereit, seine angeschlagene US-Sparte mit einer zweistelligen milliardenschweren Mitgift auszustatten, hieß es. Ein GM-Sprecher lehnte einen Kommentar dazu ab.

Daimler ist aber offenbar dazu bereit, bei einem Verkauf von Chrysler Rücksicht auf die angespannte Finanzlage von GM zu nehmen. Der größte US-Autobauer hatte im vergangenen Jahr noch einen Verlust von mehr als zehn Mrd. Dollar eingefahren und kämpft auf dem Heimatmarkt – ebenso wie Chrysler – mit massiven Problemen. Will GM seine Kreditwürdigkeit nicht weiter verspielen, bleibt GM-Boss Rick Wagoner nach Meinung von Experten kaum ein anderer Weg als eine Bezahlung weitgehend in Aktien.

Zetsche hatte Mitte Februar angekündigt, zusätzlich zu einem neuen Sparprogramm alle Optionen für Chrysler zu prüfen, was auch einen Verkauf einschließt. Die US-Sparte kämpft mit Absatzproblemen, weil die Amerikaner sich von schweren Geländewagen und Pickups abwenden, und verhagelte die Konzernbilanz mit einem Milliardenverlust.

Neben GM sind laut Branchenkreisen auch Finanzinvestoren, der chinesische Autobauer FAW sowie der kanadische Autozulieferer Magna International an Chrysler interessiert. In Konzernkreisen werden aber vor allem die Gespräche mit GM als sehr ernsthaft bezeichnet. Die Arbeitnehmervertreter im Daimler-Aufsichtsrat würden sich laut Unternehmenskreisen indes vehement gegen einen Tausch von Chrysler gegen eine Minderheitsbeteiligung an GM stemmen.

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