Fortschreitende Konzentration: Baywa-Konzern expandiert weiter

Fortschreitende Konzentration
Baywa-Konzern expandiert weiter

Baywa legt weiter zu. Der süddeutsch Rohstoffkonzern kauft das Baustoffunternehmen Voss. Damit sind die Expansionspläne von Baywa jedoch noch lange nicht abgeschlossen. Gerade in der Baubranche zeichnen sich weitere Übernahmen ab – federführend sind dabei jedoch in jeder Region andere Unternehmen.

MÜNCHEN. Der Münchener Agrar- und Rohstoffkonzern Baywa übernimmt erneut einen mittelständischen Baustoffhändler. Rückwirkend zum 1. Januar kauft der Konzern die sieben Standorte des Familienunternehmens Voss aus Coesfeld-Lette. Den Kaufpreis nannte Baywa nicht. Die Standorte erwirtschaften mit 200 Mitarbeitern 60 Millionen Euro Jahresumsatz. Baywa halte an seiner Strategie fest, „durch die Akquisitionen mittelständischer Baustoffunternehmen in baustarken Regionen weiter zu wachsen“, sagte Hans Witzig, Generalbevollmächtigter der Bausparte.

Der Baustoffhandel bestreitet rund ein Viertel des Umsatzes des der Baywa, die 2006 7,3 Milliarden Euro erlöste. Der Rest der Umsätze stammt aus dem Handel mit Öl und Schmierstoffen sowie dem Agrargeschäft. Da die Baywa mittlerweile der größte Getreidehändler Europas ist, sind Zukäufe nur in den Sparten Energie und Baustoffhandel möglich. Vor allem in diesem Bereich will das Unternehmen bundesweit zulegen.

Mit bislang 230 Standorten ist die Baywa traditionell auf Süddeutschland konzentriert. Rivale Raab Karcher, Tochter der französischen Saint-Gobain-Gruppe, ist mit seinen 217 deutschen Filialen stark in West- und Norddeutschland vertreten. Baywa-Chef Wolfgang Deml sucht aber seit langem Kaufgelegenheiten in der Rhein-Main-Region und im Ruhrgebiet. Vor drei Jahren übernahm die Baywa die Ratinger Küppers-Gruppe, vor zwei Jahren die Mobau-Marba in Marl. Der Vertragsabschluss mit Voss sei „ein wichtiger Schritt zur angestrebten Marktführerschaft“ im Ruhrgebiet und im Münsterland, sagte Baywa-Manager Witzig.

Kaufgelegenheiten werden sich in der mittelständischen Branche auch in Zukunft reichlich bieten. Denn 15 Jahre Bauflaute in Deutschland sind nicht spurlos an den Unternehmen vorbeigegangen. Setzten die Unternehmen Anfang der neunziger Jahre noch 22, 5 Milliarden Euro um, so sind es jetzt nur noch 14 Milliarden Euro. Gab es Mitte der 90-er Jahre noch 1 771 Unternehmen, so sind es heute noch 919. Übernahmen und regionale Zusammenschlüsse sind an der Tagesordnung.

„Der Baustoffhandel hat ein Marktproblem“, urteilt Alfred Remy, Geschäftsführer des Branchenverbandes. Denn während Großunternehmen wie Hochtief oder Bilfinger Berger von der guten Industriekonjunktur und dem boomenden Auslandsgeschäft profitierten, hängt der Baustoffhandel an der siechenden privaten Baukonjunktur. Deren Talfahrt geht trotz allgemeinem Konjunkturaufschwung ungebremst weiter: Nach vorläufigen Zahlen ging der Umsatz 2007 erneut um fünf Prozent zurück. Vor allem der Wegfall der Eigenheimzulage habe ins Kontor geschlagen, klagt der Verband. Mit 180 000 Fertigstellungen ist der private Wohnungsbau im vergangenen Jahr an einem absoluten Tiefpunkt angelangt.

„Energetische Sanierung ist die große Chance der Branche“, sagt Verbandschef Remy. Denn das Geschäft mit Wärmedämmung, Isolierfenstern, Photovoltaik und Energieberatung ist das Wachstumssegment. Doch die Umstellung fällt vielen mittelständischen Unternehmen schwer. Die Umsatzrendite liegt im Schnitt bei einem Prozent und die Banken zögern mit Krediten, klagt der Verband.

Eine ungeklärte Nachfolge verschärft die Situation in vielen Betrieben. Oft suche sich die Nachfolgegeneration lohnendere Engagements, weiß Remy. So wie die Voss-Eigentümerfamilie. Diese will sich künftig stärker um ihre Immobilien kümmern und ihre Rolle als Generalbauunternehmer ausbauen, teilte das Unternehme in Coesfeld mit.

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