Fortschritte bei Schuldenabbau
Linde-Chef beruhigt Aktionäre

Linde-Aktionäre müssen sich nach Angaben von Konzern-Chef Reitzle keine Sorgen um ihre Dividende machen. Vor allem beim Schuldenabbau liegt der Traditionskonzern über dem Plan. Gemeinsam mit der Neuanschaffung BOC setzt sich Linde ehrgeizige Ziele.

HB MÜNCHEN. Der Industriegasekonzern Linde will nach Angaben seines Chefs seine Anteilseigner in den kommenden Jahren finanziell nicht darben lassen. „Es werden sicher nicht fünf magere Jahre für die Aktionäre werden“, sagte Wolfgang Reitzle am Montag auf der Bilanzpressekonferenz. Sein Haus sei mit der Entschuldung gut vorangekommen und habe die Last zuletzt um zwei Mrd. Euro mehr geschmälert als ursprünglich geplant. Derzeit steht Linde mit knapp zehn Mrd. Euro bei seinen Gläubigern in der Kreide. Reitzle kündigte an, an, den „Dreiklang aus Investitionen, Entschuldung und Dividende“ im Auge zu behalten.

Der seit kurzem allein auf das Industriegasegeschäft ausgerichtete Traditionskonzern erhofft sich von seiner neuen Struktur Zuwächse bei Umsatz und operativem Gewinn in diesem Jahr.

„Gemeinsam mit BOC gehen wir deutlich gestärkt an die vor uns liegenden Aufgaben“, lobte Konzernchef Wolfgang Reitzle die Übernahme des britischen Gasespezialisten, den Linde 2006 gekauft hatte. Mittelfristiges Ziel sei es, 2010 ein operatives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von mehr als drei Mrd. Euro zu erreichen. Die neue Struktur des Konzerns erschwert allerdings die Vergleichbarkeit der Umsatz- und Ergebnisprognosen zum vergangenen Jahr.

Für die Gaseindustrie erwartet der Konzern ein jährliches Marktwachstum von rund sieben Prozent. Linde will in seinem Gasegeschäft mittelfristig stärker wachsen als der Markt und das Spartenergebnis „überproportional“ erhöhen. Mit der rund zwölf Mrd. Euro teuren Übernahme von BOC war Linde zu einer der führenden Firmen der Gasebranche aufgestiegen. Es war die größte Übernahme in der 128-jährigen Geschichte des Konzerns, der einst als Gesellschaft für „Linde's Eismaschinen“ gegründet worden war.

Die historischen Wurzeln hatte Konzernchef Reitzle schon zuvor gekappt, als er die Kältetechniksparte an die US-Firma Carrier veräußerte. Seinen Gabelstaplerbereich hatte Linde an ein Konsortium um die Finanzinvestoren Kohlberg Kravis Roberts und Goldman Sachs Capital Partners für rund vier Mrd. Euro verkauft. Mit dem am Montag bekannt gegebenen Verkauf des Komponentengeschäft seiner Tochter BOC Edwards an die Beteiligungsgesellschaft CCMP Capital für 685 Mill. Euro ist der Konzernumbau nun abgeschlossen.

Linde hatte bereits Anfang März seine Geschäftszahlen zum Konzernumsatz und -ergebnis im vergangenen Jahr vorgelegt. Danach kletterte der Gewinn vor Zinsen und Steuern und Abschreibungen (Ebitda) einschließlich BOC auf 3,83 Mrd. Euro von 1,705 Mrd. Euro vor Jahresfrist. Der Konzernumsatz erhöhte sich um 30,8 Prozent auf 12,439 Mrd. Euro.

Zudem hat der Technologiekonzern Linde das Komponentengeschäft der britischen Tochter BOC Edwards an den Finanzinvestor CCMP Capital veräußert. Der Verkaufspreis betrage 685 Mill. Euro (460 Mill. Pfund), teilte das im Dax notierte Unternehmen am Montag in München mit. Zudem erhalte Linde bei einem erfolgreichen Ausstieg von CCMP - etwa durch einen Börsengang oder den Verkauf an einen strategischen Investor - weitere 65 Mill. Euro (rund 45 Mill. Pfund).

Nach der Akquisition der BOC Group und der damit verbundenen Konzentration auf das internationale Industriegase- und Anlagenbaugeschäft hatte Linde das Komponente-Geschäft (Vakuum-Pumpen und Komponenten für die Halbleiterindustrie) von BOC Edwards zum Verkauf gestellt. Mit dem Verkauf sei der Konzernumbau abgeschlossen, sagte ein Sprecher. Das Geschäft mit Flüssiggasen und Elektronikgasen werde Linde hingegen unverändert weiterführen.

Im Komponenten-Geschäft hat BOC Edwards 2006 mit über 4 000 Mitarbeitern einen Umsatz von etwas 860 Mill. Euro erzielt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%