Fotobranche
Schlammschlacht um Cewe Color

Beim Oldenburger Fotokonzern Cewe Color stimmt die Chemie zwischen Management und US-Aktionären zwar schon länger nicht mehr. Der Machtkampf erreicht nun aber einen neuen Höhepunkt: Die Führungsriege des Unternehmens ist unter einen schweren Verdacht geraten.

OLDENBURG. Ein Insider wirft beiden vor, gemeinschaftlich eine Manipulation des Aktienkurses geplant zu haben. Dem Handelsblatt liegt eine entsprechende eidesstattliche Aussage dieses Zeugen vor. Danach haben der Vorstandsvorsitzende Rolf Hollander und sein Vorgänger, der jetzige Aufsichtsratsvorsitzende Hubert Rothärmel, am Nachmittag des 24. Januar in Oldenburg angeblich beraten, wie sie den Kurs der Aktie um mehr als zehn Prozent auf unter 30 Euro drücken könnten. Durch den Kursrutsch wollte die Cewe-Spitze offenbar die unliebsamen US-Großaktionäre des Konzerns zum Rückzug bewegen. Als Mittel zum Zweck sollte nach Angaben des Zeugen eine damals geplante, aber erst viel später realisierte Gewinnwarnung dienen.

Cewe Color wies den Vorwurf der Kursmanipulation pauschal als „absurd“ zurück, lehnte jedoch eine Stellungnahme zu den konkreten Vorwürfen ab. Vorstandschef Hollander und Aufsichtsratschef Rothärmel stellten nach einer Handelsblatt-Anfrage in dieser Sache ihrerseits beim Landgericht Oldenburg Strafanzeige gegen einen ihrer Gegner.

Der Vorwurf der versuchten Aktienkursmanipulation stellt den bisherigen Höhepunkt der Auseinandersetzung zwischen dem Cewe-Color-Management und den US-Finanzinvestoren Marcap und K Capital dar, die 20 Prozent der Aktien des Unternehmens halten. Zunächst verlangten die Großaktionäre lediglich eine andere Kapitalstruktur sowie eine Sonderdividende bei Cewe Color. Inzwischen fordern sie eine Neubesetzung von Vorstand und Aufsichtsrat.

Vorstandschef Hollander sperrte sich gegen diese Forderungen und mobilisierte die Öffentlichkeit gegen die angebliche Ausplünderung des Unternehmens. Die Belegschaft demonstrierte gegen die „Heuschrecken“, selbst der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff mischte sich öffentlich in die Auseinandersetzung ein.

Die Atmosphäre zwischen US-Aktionären und Management ist mittlerweile völlig vergiftet. Am 26. April soll die Hauptversammlung von Cewe Color über den Machtkampf entscheiden. Beide Lager verfügen bisher über ungefähr gleich viele Aktionärsstimmen. Inzwischen beteiligt sich auch der bekannte US-Investor Guy Wyser-Pratte an dem Machtkampf. Er hält 6,4 Prozent der Aktien von Cewe Color.

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