Fotoenwickler Cewe Color
Völlig von der Rolle

Cewe Color ist die neue Arena für den Kampf eines deutschen Vorstands gegen einen US-Hedge-Fonds. Am heutigen Mittwoch geht der Fight in die nächste Runde. Gelingt dem Finanzinvestor sein Coup, könnten beim Fotoentwickler am Ende mehrere tausend Mitarbeiter ihren Job verlieren.

OLDENBURG. Den Showdown hat Rolf Hollander im letzten Moment nochmal verschoben, abwenden jedoch kann er ihn nicht. Längst ist dem Vorstandschef von Cewe Color klar: Am 26. April wird der Amerikaner David Marcus seinen Kopf fordern – und vier neue Aufsichtsräte dazu. Im Kontrollgremium des börsennotierten Fotoentwicklers hätte der gebürtige New Yorker mit dem raspelkurzen Grauhaar dann allein das Sagen. Wegen der verschachtelten Stifungskonstruktion von Cewe sitzen im Aufsichtsrat nur sechs Abgesandte der Kapitalseite, Arbeitnehmervertreter fehlen.

Unversöhnlich stehen sich Firmenchef Hollander und sein Investor Marcus seit Monaten gegenüber. Hollander sieht sich in einem Kampf gegen eine „Heuschrecke“, die Cewe Color aus Gewinnsucht ausplündern will. Der Amerikaner Marcus dagegen hält Hollanders Unternehmensführung für schlecht und drängt deshalb auf seine Ablösung. Dass dem nicht so ist, will Rolf Hollander am Mittwoch beweisen, wenn er die Jahresbilanz von Cewe Color vorstellt.

Fest steht: Gelingt dem Finanzinvestor sein Coup, könnten bei Cewe Color – wie schon bei den Wettbewerbern Agfa Photo und Kodaks Labortochter KFS – am Ende mehrere tausend Mitarbeiter ihren Job verlieren.

Und die Hedge-Fonds-Szene wäre nach Ansicht von Analysten um eine Variante reicher, wie man als Minderheitsgesellschafter ans Eingemachte eines deutschen Konzerns kommt.

Cewe Color, 1961 gegründet, entwickelt vor allem für Schlecker, dm, Media-Markt oder Porst Urlaubsbilder und Schnappschüsse von Kindergeburtstagen. Zuletzt war das SDax-Unternehmen bei seinem Börsengang vor 14 Jahren im Fokus der Öffentlichkeit. Nun ist Cewe der neue Boxring im Kampf über den Sinn und Unsinn von Hedge-Fonds-Methoden.

In der einen Ecke steht David Marcus, Gründer und Chef von M2 Capital Management aus New Jersey, das sich jüngst in Marcap umbenannt hat. Marcus ist seit anderthalb Jahren Großaktionär bei Cewe und seit wenigen Monaten Rolf Hollanders persönlicher Albtraum.

Wochenlang schon muss sich der blonde Konzernleiter mit den leicht ergrauten Schläfen gefallen lassen, dass ihn sein amerikanischer Investor madig macht, wo er nur kann. Der Cewe-Chef sei konzeptlos, er investiere in verlustreiche Zukäufe, und er verpasse lukrative Marktchancen, kritisiert Marcus. „Hollander schaut nur in die Vergangenheit“, mault der Finanzjongleur und schaut seinem Gegenüber verschwörerisch in die Augen, „nie in die Zukunft.“ Und weiter schimpft Marcus: „Alles, was Hollander einfällt, sind Fotobücher.“

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