Fotoindustrie: Kodak droht der Untergang

Fotoindustrie
Kodak droht der Untergang

Dem Traditionsunternehmen droht der Ausschluss von der New Yorker Börse. Die Aktien sind fast wertlos. Insolvenzgerüchte vergrößern die Schmach für den einst glorreichen Foto-Giganten.
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DüsseldorfDem amerikanischen Fotopionier Kodak, jahrzehntelang als Markenikone auf gleicher Augenhöhe mit Coca-Cola, McDonald’s oder Disney, droht einer der spektakulärsten Abstiege in der US-Wirtschaftsgeschichte. Wie der Konzern in Rochester/New York bestätigte, muss das Unternehmen voraussichtlich die Wall Street verlassen.

Als Grund nennt die New Yorker Börse Nyse den drastisch gesunkenen Aktienkurs von Kodak. Wegen der anhaltenden Schwierigkeiten des Konzerns befindet er sich seit 30 Tagen unter der Marke von einem Dollar. Jetzt fiel die Aktie des Unternehmens auf ein neues Rekordtief. Solche „Penny Stocks“ aber duldet die Wall Street nur für kurze Dauer. Schaffe der Fotohersteller den Wiederaufstieg nicht binnen sechs Monaten, erklärte die NYSE gegenüber Kodak, müsse sich die Traditionsfirma einen anderen Handelsplatz suchen.

Dazu aber könnte es womöglich nicht einmal mehr kommen, vermuten Pessimisten. Ende September berichtete das „Wall Street Journal“, Kodak habe eine auf Konkursberatung spezialisierte US-Kanzlei angeheuert. Binnen weniger Tage verlor die Aktie daraufhin drei Viertel ihres Werts. Auch nachdem der Fotokonzern beteuerte, er habe keine Absicht, einen Konkursantrag zu stellen, erholte sich der Kurs nur mäßig. Der Grund: Nur wenige Tage später wurde bekannt, dass Kodak einen Kredit von 160 Millionen Dollar aufnehmen wolle.

Das „Wall Street Journal“ berichtete unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen, Kodak bereite sich darauf vor, in den kommenden Wochen einen Antrag auf Gläubigerschutz zu stellen, sollte es nicht gelingen, einen Käufer für ein ganzes Bündel an Patenten zu finden.

Der Konzern konterte die erneuten Konkursgerüchte mit dem Hinweis, er habe noch Ende Juni 2011 über 957 Millionen Dollar flüssige Mittel verfügt. Dieses Polster sei bestimmt noch nicht aufgebraucht, erklärte ein Sprecher vage.

Doch daran mehren sich Zweifel. Im dritten Quartal waren die Umsätze von Kodak erneut um 17 Prozent eingebrochen – auf 1,46 Milliarden Dollar. Mit 222 Millionen Dollar fiel der operative Verlust fünfmal so hoch aus wie im gleichen Zeitraum des Vorjahrs.

Dabei war es der Kodak-Konzern selbst, der einst den eigenen Niedergang einläutete – wie auch den der ganzen Fotobranche. 1991 hatten die Amerikaner die erste Digitalkamera weltweit präsentiert. Erfunden worden war sie 16 Jahre zuvor von ihrem Angestellter Steven Sasson.

Was der weltweit größte Produzent von Fotofilmen damals kaum ahnte: Schon kurze Zeit später sollte die Neueinführung der digitalen Kameratechnik Kodaks Stammgeschäft nahezu überflüssig machen.

Doch das merkte der Markenhersteller zu spät. Weil er sein angestammtes Geschäft nicht gefährden wollte, trieb er die Digitaltechnik nur zögerlich voran. Statt selbst massiv in den Markt zu investieren, brachte Kodak die Chip-bestückten Kameras gemeinsam mit Nikon in die Läden. Mit mäßigem Erfolg. Bald schon überholten ihn Canon, Sony, Panasonic und andere Konkurrenten aus Fernost, die ihre Modelle weitaus billiger produzierten.

Gleichzeitig gerieten auch die übrigen Anbieter von Fotofilmen in die Abwärtsspirale. „Noch im Jahr 2000 schrieben wir mit Fotofilmen einen Absatzrekord“, berichtet Junji Okada, Geschäftsführer von Fujifilm Europe. Danach sei das Geschäft regelrecht eingebrochen – und das auch in Deutschland: Wurden hierzulande vor zwölf Jahren noch 191 Millionen Rollenfilme von der Herstellern verkauft, waren es 2009 nur noch 23 Millionen. Neuere Zahlen fehlen.

Besonders hart traf es den Kodak-Konkurrenten Agfa Photo. Der verlustreichen Tochter hatte sich die einstige Mutter Agfa-Gevaert im August 2004 entledigt, indem sie das Geschäft an die Finanzfirma eines ehemaligen McKinsey-Beraters abgab. Doch schon nach neun Monaten waren sowohl das Eigenkapital von 300 Millionen Euro als auch die Barreserven von 72 Millionen Euro aufgezehrt. Der Pleite folgte die Zerschlagung. 1800 Mitarbeiter wurden arbeitslos.

Weitaus geschickter reagierte der Oldenburger Fotoentwickler Cewe Color auf den Niedergang der analogen Fotografie. Aus Furcht, von der neuen Technologie überrollt zu werden, hatte Firmengründer Heinz Neumüller schon 1997 ein Versuchslabor eingerichtet, in dem bald 120 Mitarbeiter an der neuen Digitaltechnik bastelten.

Mit hohen Investitionen gelang der riskante Neustart. Statt Papierfotos zu entwickeln, wie in den Jahrzehnten zuvor, verlagerte Cewe sein Geschäft auf Fotobücher, die sich Kamerafans aus ihren digitalen Aufnahmen zusammenstellen können. Nur zehn Prozent der 450 Millionen Euro Firmenumsatz bestreitet die Firma heute noch mit althergebrachten Fotoabzügen. 2010 verdoppelte sich der Konzerngewinn auf 16 Millionen Euro.

Auch Kodak-Verfolger Fujifilm sattelte frühzeitig um. Der japanische Konzern, der seit 1934 Fotofilme produziert, verlagerte sein Geschäft schon seit Mitte der 90er-Jahre in Richtung Medizintechnik und Dokumentenverwaltung. Die Fotosparte, zu der auch Digitalkameras samt Zubehör gehören, bestritt zuletzt nur noch 14,7 Prozent des Konzernumsatzes.

Die Erfahrungen mit Foto- und Fixierchemikalien will Fujifilm ab diesem Frühjahr zudem in einem neuen Sektor nutzen: Unter der Marke „Astalift“ werden die Japaner nun eine Hautkosmetik, die ähnliche Inhaltsstoffe nutzt, auf den europäischen Markt bringen.

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