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Fotoindustrie: Kodak droht der Untergang

Dem Traditionsunternehmen droht der Ausschluss von der New Yorker Börse. Die Aktien sind fast wertlos. Insolvenzgerüchte vergrößern die Schmach für den einst glorreichen Foto-Giganten.

Wohl zu spät hat sich Kodak auf das digitale Fotogeschäft eingestellt. Quelle: AP
Wohl zu spät hat sich Kodak auf das digitale Fotogeschäft eingestellt. Quelle: AP

DüsseldorfDem amerikanischen Fotopionier Kodak, jahrzehntelang als Markenikone auf gleicher Augenhöhe mit Coca-Cola, McDonald’s oder Disney, droht einer der spektakulärsten Abstiege in der US-Wirtschaftsgeschichte. Wie der Konzern in Rochester/New York bestätigte, muss das Unternehmen voraussichtlich die Wall Street verlassen.

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Als Grund nennt die New Yorker Börse Nyse den drastisch gesunkenen Aktienkurs von Kodak. Wegen der anhaltenden Schwierigkeiten des Konzerns befindet er sich seit 30 Tagen unter der Marke von einem Dollar. Jetzt fiel die Aktie des Unternehmens auf ein neues Rekordtief. Solche „Penny Stocks“ aber duldet die Wall Street nur für kurze Dauer. Schaffe der Fotohersteller den Wiederaufstieg nicht binnen sechs Monaten, erklärte die NYSE gegenüber Kodak, müsse sich die Traditionsfirma einen anderen Handelsplatz suchen.

Dazu aber könnte es womöglich nicht einmal mehr kommen, vermuten Pessimisten. Ende September berichtete das „Wall Street Journal“, Kodak habe eine auf Konkursberatung spezialisierte US-Kanzlei angeheuert. Binnen weniger Tage verlor die Aktie daraufhin drei Viertel ihres Werts. Auch nachdem der Fotokonzern beteuerte, er habe keine Absicht, einen Konkursantrag zu stellen, erholte sich der Kurs nur mäßig. Der Grund: Nur wenige Tage später wurde bekannt, dass Kodak einen Kredit von 160 Millionen Dollar aufnehmen wolle.

Absteiger Kodak

  • Filmriss droht

    Niedergang, Pennystock, Insolvenzgerüchte: Kodak geht es so schlecht wie noch nie. Wie konnte es dazu kommen: 130 Jahre Unternehmensgeschichte im Zeitraffer.

  • Die Gründung

    1881 gründet der Amerikaner George Eastman zusammen mit Henry Strong die Eastman Dry Plate Company, aus der elf Jahre später Eastman Kodak hervorgeht. Zunächst stellt das Unternehmen trockene Fotoplatten her.

  • Die erste Kamera

    1888 kommt die erste Kodak-Kamera auf den Markt. Dank der 1900 eingeführten „Kodak Brownie“ wird Fotografieren massentauglich, die Kamera zum Preis von einem US-Dollar ist für jeden Hobbyfotografen erschwinglich.

  • Der Farbfilm

    1935 bringt Kodak den ersten für Hobbyfotografen geeigneten Farbfilm auf den Markt.

  • Die Digitalkamera

    1975 entwickelt der Ingenieur Steven Sasson die erste Digitalkamera für Kodak.

  • Kampf gegen Polaroid

    1986 verliert Kodak einen Rechtsstreit um die Sofortbildkamera gegen Konkurrent Polaroid. Das führt neben einer Strafe in Milliardenhöhe zu einem bedeutenden Imageverlust und gilt als Wendepunkt in der Geschichte des Foto-Riesen.

  • Rekordzahlen

    1991 erzielt das Unternehmen einen Rekordumsatz von 19,4 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig bringt Kodak mit der „DC-100“ die erste Digitalkamera in den Handel. Massentauglich ist sie nicht – das Modell kostet 25 000 Mark.

  • Konzentration auf digitalen Markt

    2004 stellt Kodak den Verkauf von Kleinbildkameras ein, um sich ganz auf den digitalen Markt zu konzentrieren.

  • Die Krise

    2011 schreibt Kodak das vierte Jahr in Folge rote Zahlen.

Das „Wall Street Journal“ berichtete unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen, Kodak bereite sich darauf vor, in den kommenden Wochen einen Antrag auf Gläubigerschutz zu stellen, sollte es nicht gelingen, einen Käufer für ein ganzes Bündel an Patenten zu finden.

Der Konzern konterte die erneuten Konkursgerüchte mit dem Hinweis, er habe noch Ende Juni 2011 über 957 Millionen Dollar flüssige Mittel verfügt. Dieses Polster sei bestimmt noch nicht aufgebraucht, erklärte ein Sprecher vage.

Doch daran mehren sich Zweifel. Im dritten Quartal waren die Umsätze von Kodak erneut um 17 Prozent eingebrochen – auf 1,46 Milliarden Dollar. Mit 222 Millionen Dollar fiel der operative Verlust fünfmal so hoch aus wie im gleichen Zeitraum des Vorjahrs.

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