Foxconn: Der Riese hinter Apple

Foxconn
Der Riese hinter Apple

Die glänzende Gerätewelt des kalifornischen Konzerns fußt auf einem Arbeiterheer in China. Dort entstehen in den Fabriken des verschwiegenen Riesen Foxconn iPads und iPhones billig und im Akkord. Eine Reportage

Shenzhen-LonghuaChinas Wirtschaftswunder spielt jeden Nachmittag exakt 40 Minuten lang Karten. Kurz nach fünf Uhr strömen Tausende junger Männer in dunkelblauen Polohemden aus dem Westtor der größten Elektrofabrik der Welt. Auf einer Brachfläche vor dem Tor hocken sie sich zum Spielen an Tischchen. Bald liegt ein Geruch von bitterem Tabak über dem Feld.

Einer von ihnen ist Zhao Xiang, 35 Jahre alt, Angestellter in der Logistikabteilung. „Um zehn vor sechs wird dieser Platz hier wieder komplett leer sein“, prophezeit er. „Bei uns greift alles exakt ineinander, Schlamperei duldet Foxconn nicht.“

Zhao arbeitet am chinesischen Standort Shenzhen-Longhua des Elektrokonzerns Foxconn. Ein Name, den kaum jemand kennt, und der für einen der geheimnisvollsten Konzerne der Welt steht. Denn der taiwanesische Mega-Konzern ist die Macht hinter der wertvollsten Marke der Welt: Apple. Die Firma aus Kalifornien lässt unter anderem das iPhone und den Tablet-Computer iPad bei Foxconn fertigen. Eine knappe Million Menschen beschäftigt der chinesische Konzern und damit in etwa so viele Mitarbeiter wie Siemens, VW und Daimler zusammen. Der Umsatz von Foxconn lag 2010 bei mehr als 100 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Großkunde Apple erlöste im selben Zeitraum nur etwa 70 Milliarden Dollar.

Wie hat es diese Firma aus China geschafft, zur wichtigsten Werkbank westlicher Kommunikationskonzerne wie Apple, Hewlett-Packard, Dell und Nintendo zu werden?

Weil sich Foxconns Großkunden mit Informationen über ihren asiatischen Partner sehr zurückhaltend zeigen und auf Verschwiegenheitsklauseln in den Verträgen berufen, ist ein Besuch vor Ort notwendig, um das Geheimnis des Konzerns zu ergründen.

Im Gespräch mit Arbeitern, Managern, Kunden und Zulieferern des Unternehmens finden sich immer wieder zwei Tatsachen, die den betriebswirtschaftlichen Erfolg von Foxconn erklären: das enorme Organisationstalent des taiwanesischen Firmengründers Terry Gou, einem heute 60-jährigen Multimilliardär, und das praktisch unerschöpfliche Reservoir an Arbeitskräften auf dem chinesischen Festland. Gou hat es geschafft, den Aufstiegswillen einer ganzen Armee chinesischer Bauernsöhne in geballte Produktionskraft umzuwandeln.

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