Frachtunternehmen von DHL und Lufthansa
Aerologic startet mit weniger Schub

Großer Tag für die Deutsche Post DHL und Lufthansa. Am Freitag werden Post-Chef Frank Appel und sein Lufthansa-Kollege Wolfgang Mayrhuber offiziell das Fracht-Joint-Venture Aerologic starten. Die Firma mit Sitz am Flughafen Halle/Leipzig verteilt Frachtgüter von DHL per Lufthansa-Flugzeug in alle Welt. Doch was 2007 mit viel Pomp angekündigt wurde, hebt nur mit eingeschränkter Kraft ab.

DÜSSELDORF/FRANKFURT. Die weltweite Krise hat die ehrgeizigen Pläne von Deutsche Post DHL und Lufthansa ausgebremst. Intern, so ist aus dem Umfeld der beteiligten Unternehmen zu hören, ist der ursprüngliche Plan, bereits 2010 Gewinn mit Aerologic zu machen, zu den Akten gelegt worden. Denn den Unternehmen ist das notwendige Frachtvolumen weggebrochen. DHL baut bereits massiv Personal ab und senkt die Kosten.

Offiziell halten sich beide Konzerne zu den geplanten Zahlen bedeckt. „Das Umsatzziel verschiebt sich“, heißt es lediglich bei Lufthansa Cargo. Ursprünglich sollten bis 2011 etwa 550 Mio. Euro erreicht werden, dazu bereits ab 2010 ein kleiner Gewinn. Das Frachtvolumen stehe unter Druck, sagte ein DHL-Sprecher. DHL versucht, die Auswirkungen der Krise zu mildern, indem Flüge von anderen Standorten nach Leipzig umgelenkt werden. Daher sei Leipzig weniger stark betroffen als andere Standorte.

DHL verschiebt aber den Personalaufbau am Flughafen Leipzig/Halle. Sollten zunächst 3 500 Menschen ab 2012 dort für DHL arbeiten, gilt diese Prognose heute als „gewagt“. Derzeit sind es immerhin 2 200 Mitarbeiter, die aber „flexibler“ eingesetzt werden. Sie können ihre Wochenarbeitszeit bisher freiwillig mindern. Über 100 Beschäftigte nehmen das Angebot wahr. Kurzarbeit ist noch kein Thema, sagt der Sprecher, obwohl die anvisierte Frachtmenge von 1 500 Tonnen pro Nacht nicht erreicht wird.

Gleichzeitig dünnt DHL nun nach dem Ausstieg aus dem US-Geschäft verstärkt die Belegschaften in Europa aus. So werden 450 Stellen in Brüssel gestrichen, weitere 320 Stellen fallen bei DHL Express in Irland weg. Seit Jahren defizitäre Länder wie Frankreich dürften folgen.

„Das Joint Venture startet in einer sehr schwierigen Zeit mit einer an allen Fronten und in allen Regionen einbrechenden Nachfrage“, sagt Dirk Steiger von der Beratungsfirma Aviainform in Frankfurt: „Das Ziel von Aerologic, bereits 2010 profitabel arbeiten zu können, ist angesichts des Umfelds kaum zu erreichen.“ Dennoch glaubt Steiger, dass das Joint Venture letztlich ein Erfolg werden wird, ist es doch vom Start weg einer der weltweit größten Anbieter. So fliegen die Maschinen wochentags für DHL und am Wochenende für die Lufthansa.

Hochfliegende Pläne für einen Eilzug-Anschluss an den Flughafen Frankfurt sind inzwischen allerdings auf Eis gelegt. Zwar sind nach Angaben der Bahn-Tochter Schenker aus Betreibersicht seit Mitte 2008 alle Vorbereitungen zur Betriebsaufnahme des „Air Cargo Express“ abgeschlossen. Doch es fehlt schlicht die Nachfrage. DHL allein kann den Zug mit seinen Containern nicht auslasten. „Wir sind nur Kunde“, sagte der DHL-Sprecher. Schenker kann seinen parallel laufenden Straßenverkehr nicht auf den Zug bringen, um ihn zu füllen. „Das Problem ist, dass es in der Region Leipzig-Halle kein originäres Frachtaufkommen gibt“, sagt ein Lufthansa-Sprecher. Dass die Auslieferung der acht für Ende 2010 bestellten Frachtflieger vom Typ Boeing 777 sich verspätet, ist angesichts dieser Lage kein Beinbruch, heißt es hinter vorgehaltener Hand bei der Lufthansa.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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