Frankreich
Funkstille zu Airbus

Obwohl dort gerade der Präsidentenwahlkampf und die Parteien sich zur Parlamentswahl rüsten herrscht zu Airbus Funkstille. Kein medienwirksamer Druck auf den Airbus-Mutterkonzern EADS, keine Drohung mit Auftragsentzug, kein demonstratives Bekenntnis zu Standorten.

HB PARIS. Die Zurückhaltung der Franzosen überrascht umso mehr, als Bundes- und Landesregierungen sowie Gewerkschaften in Deutschland unisono mahnen, das „Gleichgewicht“ mit Frankreich im Konzern zu wahren. Der niedersächsische Wirtschaftsminister Walter Hirche warnte gar, die Franzosen könnten „gerade im Vorfeld der Präsidentenwahl“ versuchen, Produktion von Deutschland nach Frankreich zu ziehen.

Die Deutschen hätten wohl Angst, von den Franzosen über den Tisch gezogen zu werden, heißt es in Konzernkreisen. Vor allem der Versuch des damaligen Airbus-Chefs Noël Forgeard, alleine bei EADS das Steuer zu übernehmen, und die Predigten des „Industriepatriotismus“ von Premierminister Dominique de Villepin haben Spuren hinterlassen. Wenn jetzt die Parier Regierung zu Airbus schweigt und erklärt, sie vertraue auf das EADS-Management, weckt das Misstrauen. Doch Forgeard scheiterte am Widerstand nicht nur der deutschen Seite, sondern auch des französischen EADS-Großaktionärs Lagardère.

Und von „Industriepatriotismus“ redet man in Frankreich derzeit nur noch im ironischen Ton, um sich über die Ohnmacht der Regierung zu mokieren. So steht die von Villepin großartig angekündigte Fusion von Gaz de France (GDF) mit Suez in den Sternen, weil sich private Aktionäre quer legten. Selbst die Fusion zweier Staatskonzerne wie GDF und EDF ist unmöglich, weil Brüssel dagegen ist. Und bei Airbus muss der Staat oft genug Lagardère bearbeiten, um Einfluss zu nehmen - wie Deutschland dies seit jeher informell über DaimlerChrysler tut.

„Die Franzosen sind in der Personalpolitik besser, doch die Deutschen ziehen mehr Wertschöpfung an Land“, sagt ein Insider. So haben bei der Managementreform nach dem A380-Kabeldesaster im Hamburger Airbus-Werk die Franzosen Positionen „hinzuerobert“. Wenn Airbus heute in Paris zur Pressekonferenz lädt, sitzen neben Airbus- Chef Louis Gallois nur noch Franzosen und Angelsachsen auf dem Podium. Und Gallois ist niemandem im EADS-Konzern Rechenschaft schuldig: Er ist in Personalunion Co-Chef des Mutterkonzerns.

Bei der Produktion haben über die Jahre aber vor allem die Deutschen profitiert. Hätten die Franzosen nicht ihre Erfahrungen mit der Caravelle und dem Überschalljet Concorde in die Ehe gebracht, gäbe es heute wohl keinen nennenswerten Verkehrsflugzeugbau in Deutschland. Auch die ersten Airbusse wurden in Toulouse entwickelt. Der Bau des A380 wurde von Forgeard gegen die skeptischen Deutschen durchgesetzt. Dennoch wurde die Endfertigung der A380 auf Deutschland und Frankreich verteilt, obwohl alle vorherigen Großflugzeuge in Toulouse montiert wurden.

Die Deutschen fürchten, das französische Management könne in Deutschland sparen. Echten Stellenabbau sieht das Sanierungsprogramm „Power8“ aber vor allem in der Verwaltung vor. Und die Zentrale mit knapp 5000 Stellen ist in Toulouse. Bei den Werken geht es darum, ob die Fertigung in Eigenregie betrieben oder an Partner abgegeben wird. Dabei können Arbeitsplätze auch ausgegliedert werden, ohne verloren zu gehen. Allerdings fürchten französische Gewerkschafter, dass solche Partner die Fertigung später geräuschlos ins Ausland verlagern könnten. Die CGT warnt vor einer „gigantischen transnationalen Umorganisation, wie sie schon von der Autoindustrie umgesetzt wurde“.

Genau das ist geplant: eine transnationale Umorganisation. Und das geht nicht von heute auf morgen. So könnten bei künftigen Modellen die Spanier - nicht die Franzosen - Rumpfteile fertigen, die bisher aus Deutschland kamen, weil ihre neue Kohlefasertechnik der deutschen Aluminium-Lithium-Technik überlegen ist. Beim Abbau der Doppelung in der Fertigung spricht das Management von einem „Horizont von zehn Jahren“. Die endgültige Entscheidung darüber liegt nicht bei Gallois, sondern bei den deutschen, französischen und spanischen EADS- Haupteigentümern, die in einem Aktionärspakt verbunden sind.

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