Frankreich
Siemens droht Aus bei Areva NP

Paris plant angeblich eine Neuordnung in der französischen Nuklearwirtschaft – unter Ausschluss von Siemens. Das Gerücht, dass das deutsche Unternehmen seine Anteile am Kraftwerkshersteller Areva per Kaufoption an die Regierung Sarkozy abtreten muss, hält sich hartnäckig. Für Siemens geht es dabei um ein recht gut laufendes Geschäft.

PARIS/MÜNCHEN. Alle Beteiligten winken ab: „Veränderungen im Kapital von Areva NP stehen nicht auf der Tagesordnung“, sagte gestern ein Sprecher von Areva, dem französischen Unternehmen, das weltweit zu den führenden Herstellern von Kernkraftwerken gehört. Auch der Münchener Siemens-Konzern, mit 34 Prozent an der Kraftwerks- und Brennstofftochter von Areva beteiligt, will von einer Neuordnung unter den Anteilseignern nichts wissen.

Und doch: Seit Wochen wird darüber spekuliert, der neue französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy wolle Siemens aus Areva NP mit ihren 15 500 Mitarbeitern herausdrängen will. Es heißt, Sarkozy wolle die staatliche Kaufoption für das Areva-Aktienpaket von Siemens wahrnehmen. Eine Bestätigung dafür steht aber aus. Der Elysée-Palast reagierte bis Reaktionsschluss nicht, eine Anfrage des Handelsblatts blieb unbeantwortet.

Hinter den Kulissen mehren sich schon seit längerer Zeit die Anzeichen, dass sich in Frankreich eine Neuordnung der mächtigen Nuklearwirtschaft anbahnt. Dabei geht es um einen möglichen Zusammenschluss von Areva mit dem Baukonzern Bouygues und dem Turbinenbauer Alstom.

Alle drei Unternehmen sind offenbar daran interessiert, gemeinsam Atomkraftwerke der dritten Generation zu bauen, die so genannten Europäischen Druckwasserreaktoren (EPR). Der erste EPR auf französischem Boden soll in Flamanville am Ärmelkanal entstehen. Die Baugenehmigung dafür hat die französische Regierung unlängst erteilt.

Der mit Präsident Sarkozy eng befreundete Bauunternehmer Martin Bouygues hat sein Interesse an einem Einstieg bei Areva bereits mehrfach öffentlich bekundet. Darauf reagierte Areva zunächst reserviert. Doch mittlerweile scheint sich Areva-Chefin Anne Lauvergeon mit dem Gedanken anzufreunden. In Paris ist von einer „industriellen Kooperation“ zwischen den beiden Unternehmen die Rede, die in eine weiter gehende Partnerschaft münden könne. In diese Partnerschaft könnte Bouygues seinen Anteil von 25 Prozent am Aktienkapital von Alstom einbringen, womit die Annäherung zwischen allen drei Konzernen perfekt wäre.

Dass sich Siemens dem französischen Druck schnell beugt, ist allerdings nicht zu erwarten. Erst vor zwei Wochen betone Klaus Voges, der Chef der Kraftwerkssparte, dass der Konzern an der Beteiligung festhalten werde. Denn der Anteil hat auch strategische Bedeutung: So liefern die Deutschen die Turbinen für den konventionellen Teil von Kernkraftwerken von Areva NP.

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