Frankreichs Autohersteller: Liebe in Zeiten der Krise

Frankreichs Autohersteller
Liebe in Zeiten der Krise

Für die französischen Autohersteller war das abgelaufene Geschäftsjahr eine Katastrophe. Doch während sich Renault auf einen starken Partner verlassen kann, sucht Peugeot/Citroën noch eine starke Schulter.
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Paris/DüsseldorfAm Valentinstag fallen sie wieder in Paris ein: die glücklichen Pärchen. Sie lachen, küssen sich und flanieren über die Boulevards der französischen Hauptstadt. Nur an der Avenue de la Grande-Armée regiert weiter die Depression. Dort ist Peugeot/Citroën daheim. In der Zentrale des größten französischen Autoherstellers dürfte den meisten Angestellten das Lachen vergangen sein. PSA hat ein schlimmes Jahr hinter sich: Fünf Milliarden Euro Verlust haben die Franzosen eingefahren – das größte Minus in der Geschichte des Unternehmens. Allein im Autogeschäft mussten 4,7 Milliarden Euro abgeschrieben werden. 8000 Stellen sollen gestrichen, Werke werden geschlossen: das Unternehmen kämpft mit den eigenen Angestellten.

Der Politik und den Gewerkschaften bleibt nicht viel mehr, als frustriert zuzuschauen. Die Stellenstreichungen gelten angesichts massiver Überkapazitäten als unumgänglich. Selbst Regierungsgutachter bescheinigen PSA in den vergangenen zwei Jahrzehnten schwerwiegende strategische Fehlentscheidungen. Statt in Wachstums- und Schwellenländer zu investieren, hat die Nummer Zwei in Europa demnach lieber höhere Dividenden gezahlt und eigene Aktien aufgekauft. Falsch aufgestellt, zu klein und schlecht geführt – so lautet das vernichtende Expertenurteil.

Wenige Kilometer von Paris entfernt, in Boulogne-Billancourt, ist die Stimmung dagegen wieder etwas besser. In der Heimat des zweitgrößten französische Autokonzerns Renault regiert der Zweckoptimismus, was vor allem der 43-prozentigen Beteiligung am japanischen Autohersteller Nissan zu verdanken ist. Durch ihren robusten Absatz preisgünstiger Modelle in den Schwellenländern retten die Japaner ihrem französischen Partner die Bilanz.

Aber auch Renault verdiente 2012 mit netto 1,77 Milliarden Euro rund 15 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Auch der Umsatz ist um drei Prozent auf 41,27 Milliarden Euro gesunken. In seiner Auto-Sparte will Renault in diesem Jahr einen Gewinn verbuchen, nachdem 2012 abgesehen von Sonderposten ein Minus von 25 Millionen Euro unter dem Strich stand.

Renault leidet wie PSA unter der Absatzkrise in Westeuropa und will in Frankreich rund 8000 Arbeitsplätze abbauen. Doch in Bezug auf die Kooperationen hat der heimische Konkurrent Vorbildcharakter für PSA. Zwar ist auch bei Renault der französische Staat mit 15 Prozent der größte Aktionär. Doch die Entscheidung für die Allianz mit dem japanischen Autobauer Nissan aus dem Jahr 1999 hat sich als goldrichtig erwiesen. Dank der Stärke des japanischen Partners kam das Bündnis 2012 auf einen Rekordabsatz von 8,1 Millionen Wagen. Und Carlos Ghosn arbeitet bereits an weiteren Allianzen.

Kommentare zu " Frankreichs Autohersteller: Liebe in Zeiten der Krise"

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  • Der 205 war damals der Knaller. Warum können die sowas heute nicht mehr?

  • PSA muss sich nicht wundern, wenn sich jetzt die eigenen Mitarbeiter gegen das Unternehmen stellen. Die Krise in der Automobilbranche kam schließlich nicht von heute auf morgen, also wie kann es sein, dass mir nichts, dir nichts mal eben 8000 Stellen gestrichen werden? Hätte man da nicht rechtzeitig entgegenwirken können, Stichwort Kurzarbeit oder ähnliches?

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