Franz-Josef Paefgen
Früherer Audi-Chef wird Chefaufseher bei ZF

Erste Entscheidung im Machtkampf bei ZF Friedrichshafen: Der frühere Audi-Chef Franz-Josef Paefgen wird Chefkontrolleur des Autozulieferers. Die Zukunft von Vorstandschef Stefan Sommer ist dagegen weiter offen.
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Friedrichshafen, StuttgartNach den Rücktritt von ZF-Aufsichtsratschef Giorgio Behr hat das Unternehmen jetzt schnell Ersatz gefunden. Als neuer Aufsichtsratschef wurde Franz-Josef Paefgen auf einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung gewählt. Der 71-jährige frühere Audi-Chef gehört dem Gremium seit 2008 an. „ZF hat die Herausforderungen der Automobilindustrie mit einer Langfrist-Strategie erfolgreich angenommen und in den vergangenen Jahren eine hervorragende Entwicklung genommen. Diesen Kurs wollen wir fortsetzen“, sagt Paefgen. Das Handelsblatt hatte bereits in der vergangenen Woche berichtet, dass Paefgen aussichtsreicher Kandidat für den Posten war.

„Die Gesellschafter begrüßen die Berufung von Dr. Paefgen mit seiner ausgewiesenen Expertise an die Spitze des Kontrollgremiums“, erklärten der Oberbürgermeister der Stadt Friedrichshafen, Andreas Brand, als Vertreter der Zeppelin-Stiftung und Joachim Meinecke als Vertreter der Ulderup-Stiftung. Paefgen war seit 1976 in verschiedenen Führungspositionen in der Automobilindustrie tätig. So gehörte er von 1995 bis 2002 dem Vorstand der Audi AG an, seit 1997 als Vorstandsvorsitzender.

Von März 2002 an war er verantwortlich für die Marke Bentley und als Generalbevollmächtigter der Volkswagen AG zudem für die Konzern-Forschung und die Motorsportaktivitäten des Volkswagen-Konzerns. Von 2003 bis 2005 leitete Paefgen die Bugatti Engineering GmbH. Ab 2007 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 2011 war er Präsident der Bugatti Automobiles S.A.S. sowie der Bugatti International S.A. „Es ist wichtig, dass jetzt wieder Ruhe einkehrt und wir uns auf das Geschäft und den anstehenden Transformationsprozess in der Automobilindustrie konzentrieren“, sagt Paefgen. „Dazu möchte ich als Aufsichtsratsvorsitzender meinen Beitrag leisten.“

Die Aufgabe dürfte schwer werden. In den vergangenen Wochen tobte ein Machtkampf zwischen Vorstandschef Stefan Sommer und dem Eigentümer über das Sagen im Konzern. Zuletzt wollte der Eigentümer das Expansionstempo von Sommer bei Zukäufen nicht mehr mitgehen. Nach Informationen des Handelsblatts wird heute auch noch über Sommers Zukunft gesprochen. Die Verhandlungen dauern an.

Hintergrund des Machtkampfs sind den Berichten zufolge Differenzen mit der Stadt Friedrichshafen, deren Oberbürgermeister Andreas Brand (parteilos) die Zeppelin-Stiftung als Haupteigentümer von ZF im Aufsichtsrat vertritt. Nach dem Willen der Stiftung soll das Unternehmen künftig 18 Prozent seines Gewinns nach Steuern an sie abführen.

Vorstandschef Stefan Sommer hatte bei ZF in der Vergangenheit eine deutliche Expansionsstrategie vorangetrieben. 2015 übernahm der Autozulieferer beispielsweise den US-Konkurrenten TRW. Der Konzern hatte dadurch seine bisher von Getrieben und Fahrwerkselementen dominierte Produktpalette unter anderem um Elektronik, Sicherheitstechnik und Sensorik erweitert.

Teilen des Aufsichtsrats gehen die Zukäufe aber womöglich zu schnell. Nach einem früheren Bericht des „Wall Street Journal“ hatte sich das Gremium beispielsweise gegen Pläne des Vorstands für eine Übernahme des Wabco-Konzerns aus Belgien ausgesprochen.

Nach dem Willen der Stiftung soll das Unternehmen zudem künftig 18 Prozent seines Gewinns nach Steuern an sie abführen. Zum Vergleich: Andere Stiftungsunternehmen wie Mahle oder Bosch haben eine Ausschüttungsquote von unter zehn Prozent. Die Stadt Friedrichshafen wiederum verweist darauf, dass es auch Stiftungen gebe, die von ihren Unternehmen mehr als 30 Prozent erwarten.

„Auch im Branchenvergleich sind Dividenden in dieser Größenordnung angemessen“, sagte Oberbürgermeister Brand. „Der weitaus größte Teil des Gewinns, 82 Prozent, bleibt im Unternehmen für Rücklagen und Eigenkapitalausstattung, für Investitionen, Finanzierungsaufgaben und Akquisitionen sowie Schuldenabbau.“

Mit Material von dpa.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent

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