Französische Baustoffkonzerne
Saint-Gobain und Lafarge auf Sparkurs

Die Finanzkrise hat nun auch die großen französischen Baustoffkonzerne Lafarge und Compagnie de Saint-Gobain erreicht. Beide Unternehmen leiden unter dem scharfen Abschwung der Bauwirtschaft in den USA und Westeuropa. Lafarge und Saint-Gobain kündigten eine Kapitalerhöhung und die Verschärfung von Sparmaßnahmen an.

DÜSSELDORF. Nach einem weltweiten Übernahmerennen um Marktanteile sind sie inzwischen – wie auch ihre weltweiten Rivalen Holcim, Cemex und auch Heidelberg Cement – zu einer möglichst raschen Konsolidierung gezwungen, um ihre Finanzen auf Vordermann zu bringen. An der Börse gerieten die Aktien aller Zement-Konzerne am Freitag ins Minus.

Der hoch verschuldete Lafarge-Konzern will mit einem Maßnahmenpaket im Umfang von 4,5 Mrd. Euro auf die Wirtschaftsflaute reagieren. „Für 2009 lautet unser Ziel, die Verschuldung schnell zu reduzieren“, sagte Konzernchef Bruno Lafont in Paris. Um dieses Ziel zu erreichen, will Lafarge unter anderem das Kapital um 1,5 Mrd. Euro erhöhen und den eingeschlagenen Sparkurs verschärfen. Unter anderem soll die Dividende für 2008 auf zwei Euro halbiert werden.

Lafarge hatte sich an der Übernahme der ägyptischen Orascom verhoben. 2008 verdoppelten sich die Schulden fast auf 16,9 Mrd. Euro. Der Umsatz legte um acht Prozent auf mehr als 19 Mrd. Euro zu, während der Nettogewinn von 1,91 auf 1,6 Mrd. Euro schrumpfte. 2009 rechnet Lafarge mit einem Rückgang der Zementnachfrage um bis zu drei Prozent. Dadurch werde der Margendruck steigen, ein Preisverfall wird jedoch nicht erwartet. Das geplante Konjunkturprogramm werde sich ab 2010 positiv auswirken.

Saint-Gobain will das Kapital ebenfalls um 1,5 Mrd. Euro erhöhen. Eingespart werden sollen in diesem Jahr 600 Mio. Euro, unter anderem durch Stellenstreichungen. Aber auch die Dividende soll auf einen Euro halbiert werden. Alle im Jahr 2007 gemachten Pläne für 2010 seien nun obsolet, heißt es bei dem Glas- und Baustoffkonzern. Weitere Zukäufe werde es vorerst nicht geben. Saint-Gobain erwarte ein sehr schwieriges Jahr, vor allem in den ersten sechs Monaten, so das Unternehmen, das auch von der Autokrise betroffen ist: Saint-Gobain stellt rund die Hälfte der in europäischen Autos verbauten Fensterscheiben her. 2008 wurden bereits weltweit 8 000 Arbeitsplätze gestrichen und insgesamt 400 Mio. Euro eingespart. 2008 gab der Gewinn um 9,5 Prozent auf 1,9 Mrd. Euro nach. Der Umsatz stieg um 0,9 Prozent auf 43,8 Mrd. Euro.

Auch die deutsche Heidelberg Cement hatte sich für 2009 bereits zurückhaltend gezeigt und ein rückläufiges Geschäft angekündigt. Heidelcement will 240 Mio Euro sparen sowie Synergien aus der Integration der neu erworbenen Hanson nutzen.

Auf dem französischen Baumarkt ist die Stimmung inzwischen deutlich abgekühlt. Die Baubranche hofft nun auf das staatliche Konjunkturpaket, das rund 10 Mrd. Euro für Infrastrukturprojekte vorsieht. Zusätzlich will der Staat Tausende Wohnungsbauprojekte übernehmen, für die private Investoren fehlen. agr

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