0 Bewertungen
26.03.2008 
Stromkonzern

Französische EDF setzt in Spanien auf Plan B

von Holger Alich

Der französische Stromkonzern EDF steht offenbar kurz vor dem lang ersehnten Eintritt in den spanischen Energiemarkt. Für den Einstieg in den lukrativen Markt des Nachbarlandes will der Stromkonzern nun offenbar einen Umweg einschlagen – und zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

PARIS. EDF will seinem Verbündeten, dem spanischen Baukonzern ACS, eine 45-prozentige Beteiligung am Versorger Union Fenosa abkaufen, berichteten das "Wall Street Journal" und "Les Echos" übereinstimmend. Anschließend will der französische Versorger ein Übernahmegebot für die restlichen Aktien abgeben. EDF wollte die Berichte nicht kommentieren.

EDF hatte ursprünglich das Ziel, zusammen mit ACS den spanischen Versorger Iberdrola zu übernehmen. Als jedoch bekannt wurde, dass EDF und ACS entsprechende Gespräche führten, setzte Iberdrola-Chef Ignacio Sánchez Galán alle Hebel in Bewegung, den Einstieg der Franzosen zu verhindern; er schaltete unter anderem die EU-Kommission ein. Das neue Ziel von EDF, Union Fenosa, ist mit einem Umsatz von sechs Mrd. Euro zwar deutlich kleiner Iberdrola, das 17,4 Mrd. Euro umsetzt. Union Fenosa scheint aber einer Übernahme weniger feindlich gesonnen zu sein.

Der Verkauf der Union-Fenosa-Anteile bringt ACS die Mittel, selbst die Übernahme von Iberdrola zu wagen. Das Kalkül: Diese Operation wäre eine rein spanische und würde damit politisch auf weniger Widerstand stoßen. Abschließend, so der Plan, verkauft ACS die britische Iberdrola -Tochter Scottish Power an EDF, um die Iberdrola-Übernahme weiter zu refinanzieren.

Mit dieser Variante gelänge EDF nicht nur der lang ersehnte Einstieg in den spanischen Energiemarkt; mit Scottish Power könnte EDF zudem die Stellung auf dem britischen Strommarkt stärken. Der Moment dazu erscheint günstig, denn die britische Regierung erwägt, den Bau neuer Atomkraftwerke zu genehmigen.

Die Experten des Brokers CM-CIC Securities halten die Berichte für "vollkommen fundiert". Die Analysten von Cheuvreux sprechen dem Szenario zu, weniger komplex zu sein als die zunächst geplante Übernahme von Iberdrola durch ACS und EDF.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der Einstieg in den spanischen Markt.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterKöpfe

„Man muss dem Glück eine Landebahn geben.“  Artikel in Merkliste

Frank Asbeck ist der Chef von Solarworld. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht er darüber, wie er mit einer Autovermietung für Journalisten in Bosnien Geld verdiente, seine seherischen Fähigkeiten als Unternehmer und über Strom für das göttliche Bodenpersonal. Artikel


Anzeige