Französische Staat steigt ein
Rettungspaket bewahrt Alstom vor der Pleite

Der hochverschuldete französische Industriekonzern Alstom hat sich mit kräftiger Unterstützung der Regierung ein milliardenschweres Rettungspaket gesichert und damit eine Zahlungsunfähigkeit vorerst abgewendet. Der Finanzierungsplan umfasst Mittel in Höhe von insgesamt 3,4 Milliarden Euro.

Reuters PARIS. Er hat zur Folge, dass der Staat mit einer Beteiligung von 31,5 Prozent Großaktionär wird, wie der Hersteller von Hochgeschwindigkeitszügen, Kreuzfahrtschiffen und Gasturbinen am Mittwoch mitteilte. Die vereinbarten Gelder sollen aus neuen Kreditlinien, einer Kapitalerhöhung, einer kurzfristig zur Verfügung gestellten Finanzspritze sowie einer Wandelanleihe zufließen. Die Rettung des Traditionsunternehmens könnte nach Einschätzung von Branchenexperten allerdings scheitern, wenn die EU-Wettbewerbshüter das geplante Engagement der Regierung verbieten. Die Europäische Kommission hatte am Vortag angedeutet, dass es sich dabei um eine unrechtmäßige Staatshilfe handeln könnte.

Der Alstom-Aktienkurs verlor deutlich, was Analysten auf die zu erwartende Ertragsverwässerung für die Alt-Aktionäre durch die vorgesehene Kapitalerhöhung zurückführten. Konzernchef Patrick Kron hob die Bedeutung des Rettungsprogramms für das Überleben des Unternehmens hervor. „Wir haben den Staat vor den Folgen gewarnt, die ein Bankrott von Alstom auf Frankreichs Industrie, Arbeitsplätze und Finanzsystem haben würde“, sagte er vor Journalisten. „Ohne diesen Plan wären wir gegen die Wand gefahren.“ Die Regierung habe großes Interesse gezeigt, nationale Aushängeschilder wie die TGV-Hochgeschwindigkeitszüge und Europas führende Schiffswerft Chantiers de l'Atlantique zu erhalten. Die Regierung ist nicht nur wesentlich an den Rettungsgeldern beteiligt, sie spielte auch eine entscheidende Rolle bei der Einigung zwischen Alstom und den rund 40 Gläubigerbanken.

Regierung sieht keinen Verstoß gegen EU-Regeln

Sowohl Kron als auch Frankreichs Finanzminister Francis Mer betonten, dass der Staat nicht gegen Wettbewerbsvorschriften der Europäischen Union (EU) verstoße. „Es ist nicht verboten, dass der Staat sich engagiert, wenn es notwendig ist, ein Unternehmen zu retten“, sagte Mer. Er zweifle nicht daran, „dass wir einen vernünftigen Kompromiss finden dürften, der im Sinne aller beteiligten Interessen liegt“. In EU-Kreisen hieß es, theoretisch sollte sich die Regierung in Paris zwar nicht an der geplanten Kapitalerhöhung beteiligen, solange diese von der EU-Kommission geprüft werde. Aber weil diese Untersuchungen bis zu zwei Jahre dauern könnten, leiteten Regierungen in der Praxis bereits vor deren Abschluss Rettungsmaßnahmen für angeschlagene Unternehmen ein.

Dank des Finanzierungsplans werde Alstom die Schulden auf 3,4 Milliarden Euro von derzeit fünf Milliarden Euro reduzieren, erläuterte Finanzchef Philippe Jaffre. Außerdem könne das Unternehmen seine im ersten Halbjahr 2004 fällig werdenden Verbindlichkeiten begleichen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr bis Ende März hatte Alstom einen Netto-Rekordverlust von rund 1,4 Milliarden Euro geschrieben.

Im Einzelnen umfasst das Rettungspaket neue Kreditlinien im Volumen von 1,3 Milliarden Euro, die größtenteils die Banken zur Verfügung stellen. Weitere 900 Millionen Euro sollen über eine Pflichtwandelanleihe mit fünfjähriger Laufzeit aufgenommen werden. Zusätzlich jeweils 600 Millionen Euro bringen eine Kapitalerhöhung, an der sich der Staat zur Hälfte beteiligt, sowie kurzfristige Mittel. Letztere helfen Alstom über die Runden, bis der Konzern bis voraussichtlich Mitte September eine Geschäftssparte verkauft hat.

Aktienkurs deutlich im Minus

Zusätzlich zu den unmittelbaren Finanzhilfen erhält der französische Industrieriese Bürgschaften über 3,5 Milliarden Euro, die zu nahezu zwei Dritteln vom Staat übernommen werden. Diese Garantien sind vor allem für das zuletzt schwer beeinträchtigte Neugeschäft wichtig, da sie das Vertrauen potenzieller Kunden stärken.

Alstom-Aktien, die zuvor zwei Tage vom Handel ausgesetzt waren, verloren am Mittwoch an der Pariser Börse 2,9 Prozent auf 2,93 Euro. Analysten wiesen zur Erklärung darauf hin, dass sich das Kapital des Unternehmens im Zuge des Rettungsplans verfünffachen könnte und dies eine erhebliche Ertragsverwässerung für die Alt-Aktionäre bedeuten werde. Diese Aussicht hatte den Kurs zu Handelsbeginn noch um bis zu neun Prozent einbrechen lassen. Hoffnungen auf eine Gesundung des Konzerns sorgten dann allerdings für einer Kurserholung. In den vergangenen beiden Jahren haben die Aktien 90 Prozent ihres Wertes eingebüßt.

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