Französische Staatsbahn SNCF beendet Expansionspläne in Deutschland

Nachdem die SNCF ursprünglich der Deutschen Bahn im Fernverkehrsgeschäft Konkurrenz machen wollte, ist Chef Guillaume Pepy nun das Risiko für eigene Intercity-Verbindungen zu groß. Stattdessen setzt er nun auf Kooperation.
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SNCF-Zug am Pariser Gare Montparnasse: Die SNCF hat nicht mehr vor, der Deutschen Bahn Konkurrenz zu machen. Quelle: dpa

SNCF-Zug am Pariser Gare Montparnasse: Die SNCF hat nicht mehr vor, der Deutschen Bahn Konkurrenz zu machen.

(Foto: dpa)

BERLIN. Die französische Staatsbahn SNCF hat ihre Pläne für den Zugbetrieb in Deutschland aufgegeben. Sie wollte der Deutschen Bahn in deren Heimatmarkt mit Fernverkehrszügen Konkurrenz machen. Doch ist den Franzosen das wirtschaftliche Risiko zu groß, gab SNCF-Chef Guillaume Pepy auf der Bahnmesse Innotrans in Berlin zu verstehen.

Die SNCF hatte voriges Jahr Fahrplantrassen für Strecken des Intercity-Netzes beantragt. Ausgehend von Straßburg sollten mehrmals Züge über Köln sowie über Berlin nach Hamburg verkehren. Straßburg war nach Einschätzung aus Branchenkreisen bewusst als Startbahnhof gewählt worden, weil internationale Züge bei der Vergabe von Fahrplantrassen Vorrang haben.

Die SNCF werde in absehbarer Zeit das Thema nicht weiter verfolgen, sagte Pepy. Auch ein weiterer, privater Anbieter, der Fernzüge zwischen Köln und Hamburg mit umgebauten Triebwagen aus Österreich einsetzen wollte, hatte seine Pläne wieder zurückgestellt. Ursprünglich wollte er bereits in diesem Sommer starten.

SNCF will weitere Verbindungen mit der DB vermarkten

Pepy setzt bei einem weiteren Projekt auf Kooperation statt Konkurrenz mit der Deutschen Bahn: Bei der im Dezember fertigen französischen Hochgeschwindigkeitsstrecke von Straßburg ins Burgund mit Anschluss an die Linie Paris-Marseille. Er kündigte an, dass die Verbindungen von Frankfurt nach Marseille gemeinsam mit der DB vermarktet werden sollen.

Beide Unternehmen kooperieren in einem „Alleo“ genannten Programm bereits bei Schnellzug-Verbindungen von Frankfurt, Stuttgart und München nach Paris. Wie viele ICE-Verbindungen es ab Fahrplanwechsel 2011/2012 auf der neuen Strecke geben werde, sei noch nicht entschieden, sagte Pepy. Er gehe davon aus, dass man ein ausgewogenes Verhältnis von ICE- und TGV-Angeboten schaffen werde.

Bei der Deutschen Bahn in Berlin löste die Ankündigung des Franzosen Überraschung aus. Man prüfe noch diverse Optionen neben einer Ausweitung der Alleo-Kooperation, sagte ein Sprecher. Klar sei aber, dass auch die Deutsche Bahn in diesem Fall die Partnerschaft mit der SNCF suche.

Keinen Kommentar wollte SNCF-Chef Pepy zu der Frage abgeben, ob der französische Nahverkehrsbetreiber Kéolis, hinter dem die SNCF mit mehr als 40 Prozent Anteil steht, die deutschen Töchter des von der Bahn übernommenen britischen Nahverkehrsbetreiber Arriva kaufen wolle.

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