Französischer Konzern setzt Restrukturierung fort
Alstom verkauft Sparte und gewinnt Aufträge

Der angeschlagene französische Industriekonzern Alstom setzt die Restrukturierung zügig fort. Wenige Tage vor Veröffentlichung der Halbjahreszahlen trennte sich der Energie- und Transportspezialist und Hersteller des Hochgeschwindigkeitszuges TGV gestern von der Konzernsparte Alstom Power Conversion.

ku HB PARIS. Gleichzeitig brachte Alstom Marine einen Auftrag für zwei Kreuzfahrtschiffe unter Dach und Fach. „Alstom befindet sich auf dem richtigen Weg, die Krise ist überstanden“, sagte ein Pariser Analyst. „Aber wir rechnen noch mit zwei bis drei Jahren Anstrengungen.“

Alstom Power Conversion (APC) wurde an Barclays Private Equity, eine europäische Investment-Gesellschaft, verkauft. APC ist auf die Herstellung von Systemen zur Energieumwandlung wie Generatoren spezialisiert. Die Alstom-Sparte erwirtschaftete im abgelaufenen Fiskaljahr über 500 Mill. Euro Umsatz. Der Kaufpreis wurde bisher nicht bekannt, Analysten gehen von 150 bis 180 Mill. Euro aus. Die Strategie des Unternehmens soll sich durch die Übernahme nicht ändern.

Alstom Marine unterzeichnete am Montag einen Großauftrag mit der privaten italienischen Reederei MSC aus Neapel. Sie bestellte zwei Kreuzfahrtschiffe im Gesamtwert von rund einer Mrd. Euro. Die Schiffe mit jeweils 133 500 Bruttoregistertonnen, 1 650 Kabinen und 333 Metern Länge werden fast so groß sein wie die Queen Mary II. Der Luxusliner stammt ebenfalls aus der Alstom-Werft Chantier de l’Atlantique in Saint-Nazaire und ist mit 345 Metern Länge das größte Kreuzfahrtschiff der Welt. Die beiden Kreuzfahrtschiffe für MSC sollen in den Jahren 2008 und 2009 geliefert werden. Die italienische Reederei hatte in den letzten Jahren bereits vier Kreuzfahrtschiffe bei Alstom in Auftrag gegeben.

Der französische Konzern erholt sich damit von seiner Existenzkrise des vergangenen Jahres. Die Aktie stieg gestern um fast zweieinhalb Prozent auf 42,16 Euro. Grund für die Krise bei Alstom waren fehlerhafte Gasturbinen. Die Kosten für Nachbesserungen und Entschädigungszahlungen führten fast zum Zusammenbruch des Unternehmens, das heute noch 69 000 Mitarbeiter in 70 Ländern beschäftigt.

Der deutsche Siemens-Konzern meldete Interesse an der Turbinensparte des angeschlagenen Unternehmens an. Doch das Geschäft kam nicht zustande, weil die französische Regierung einen Ausverkauf der heimischen Industrie fürchtete und Widerstand leistete. Mit staatlichen Beihilfen in Milliardenhöhe verhinderte Paris die Übernahme und löste einen Streit mit der deutschen Regierung aus. Ein Rettungsplan der Europäischen Kommission für Alstom sah den Verkauf von Teilbereichen des angeschlagenen Konzerns vor.

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