Französischer Konzern
Thales nimmt Deutschland ins Visier

Der französische Konzern Thales arbeitet an einer Neuausrichtung seines Deutschland-Geschäfts. Dafür will das Unternehmen das Geschäft mit ziviler Sicherheit kräftig ausbauen und unter anderem so den Umsatz in Deutschland in den kommenden Jahren deutlich steigern.

MÜNCHEN. "Wir werden bis Juli eine neue Strategie vorlegen", sagte der neue Thales-Deutschland-Chef Markus Hellenthal in München. Ziel sei es, den Deutschland-Umsatz in den kommenden Jahren "deutlich zu steigern", sagte Hellenthal.

Thales beschäftigt in Deutschland an 21 Standorten rund 5 000 Beschäftigte. Thales macht weltweit 12,3 Mrd. Euro Umsatz, neun Prozent seiner Konzernerlöse macht Thales in Deutschland. Nach Großbritannien ist Deutschland der zweitwichtigste Markt. Der Umsatz von 1,1 Mrd Euro im Jahre 2007 wird zum größten Teil mit Verkehrstechnik bestritten, der Rest entfällt auf die Bereiche Satellitentechnik, zivile und militärische Sicherheitssysteme. Ein Joint Venture mit dem Nürnberger Diehl-Konzern macht Thales zudem zu einem der größten Airbus-Zulieferer hier zu Lande. Als Lieferant für die deutsche Marine sind die Franzosen zudem stark im deutschen Rüstungsgeschäft aktiv. Konkurrenzverhältnisse bestehen vor allem zu Siemens, Thyssen-Krupp und der EADS.

Hellenthal hat das Deutschland-Geschäft im März übernommen, zuvor hat er für die Unternehmensberatung Accenture gearbeitet, zuletzt für die EADS. Die Neuausrichtung des Deutschlandgeschäfts soll vor allem strukturell die Thales-Bereiche in Deutschland zusammenführen. "Es ist an der Zeit, aus den fragmentierten Einzelunternehmen in Deutschland eine Firma zu machen", sagt der studierte Jurist. Thales ist in Deutschland durch die Übernahme zahlreicher Ingenieurbereiche verschwundener Großkonzerne gewachsen. Dazu zählen etwa die Standard Elektrik Lorenz (SEL) in Stuttgart oder die bankrott gegangene AEG.

Die Aufwertung der Ländergesellschaften innerhalb des Konzerns ist das erklärte Ziel von Thales-Chef Denis Ranque. Während früher die Spartenchefs von Paris aus das Geschäft dominierten, sollen künftig die Ländergesellschaften mehr Mitsprache erhalten. "Geschäftserfolg entsteht lokal", heißt die Devise.

"Wir sind mehr als ein französisches Vertriebsbüro, sagt Hellenthal. Wie wenig die deutschen Wurzeln hier zu Lande geschätzt werden, zeigte sich vor drei Jahren, als die Bundesregierung den Verkauf des Marinespezialisten Atlas an die Franzosen verhinderte. Argwohn erregte nicht zuletzt der französische Staatsanteil von 21 Prozent an Thales. Auch eine mehrfach diskutierte Fusion mit dem Luft- und Raumfahrtkonzern EADS scheiterte nicht zuletzt an deutschen Bedenken.

"Wir können auch alleine in Deutschland gut wachsen", sagt Hellenthal. Neben der Bahntechnik und dem Satellitenbau setzt Thales vor allem auf Kommunikations- und Überwachungstechnik für "sicherheitskritische Bereiche", wie Flughäfen, Bahnhöfe oder Industrieanlagen.

Auch bei dem bislang größten deutschen Sicherheitsprojekt hofft das Unternehmen noch zum Zuge zu kommen. Zwar ging der 3,4 Milliarden Euro schwere Generalauftrag für den Aufbau des digitalen Bündelfunks in Deutschland an den Konkurrenten EADS, doch Thales spekuliert auf Folgeaufträge. So gelte es, die 1 600 Leitzentralen von Polizei, Feuerwehr und Katastrophenschutz in Deutschland auf die neue Technik umzustellen. "Hier sind wir stark", sagt Hellenthal.

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