Französischer Mischkonzern genießt staatliche Bestandsgarantie
Banken verschaffen Alstom nur eine kurze Atempause

Der angeschlagene französische Mischkonzern Alstom hat noch einmal Zeit gewonnen. Die Gläubigerbanken setzten die Rückzahlung von Krediten über 2,5 Mrd. Euro bis Ende September aus.

cn PARIS. Einen entsprechenden Bericht von „La Tribune“, der französischen Partnerzeitung des Handelsblatts, bestätigte der Konzern. An der Börse in Paris gewann die Alstom-Aktie gestern zwischenzeitlich fast 10 %.

Im September 2003 retteten die Banken und der französische Staat den Hersteller von Schnellzügen, Kreuzfahrtschiffen und Turbinen mit einem Rettungspaket über 3,2 Mrd. Euro vor der Pleite. Konzernchef Patrick Kron sagte zu, im Geschäftsjahr 2003/2004, das am 31. März endete, einen Betriebsgewinn von mindestens 100 Mill. Euro und einen freien Cash Flow von mindestens 1,4 Mrd. Euro zu erzielen. Mitte März warnte Kron, diese Ziele nicht erfüllen zu können. Das gab den Banken das Recht, die sofortige Rückzahlung ihrer Kredite zu fordern.

Obwohl französische Spitzenbanker Zweifel an der Überlebensfähigkeit von Alstom hegen, verschaffen sie dem Konzern mit dem einstweiligen Verzicht auf Rückzahlung eine Atempause. In Paris gilt als ausgemacht, dass der Sanierungsplan nachgebessert werden muss, um Alstom zu retten. Am Montag will Finanzminister Nicolas Sarkozy darüber mit EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti beraten. Die EU, die vergangenes Jahr ihr Veto gegen einen Einstieg des Staates bei Alstom einlegte, dürfte den vorliegenden Rettungsplan dennoch absegnen.

Seit seiner Amtsübernahme vor vier Wochen macht Sarkozy deutlich, dass er den Alstom-Fall schnell abschließen will. Eine Pleite komme nicht in Frage, sagt Sarkozy: „Wir werden Alstom nicht fallen lassen.“ Derzeit arbeitet das Finanzministerium an verschiedenen Szenarien. Eine Möglichkeit sei die Umwandlung von Verbindlichkeiten in Eigenkapital, auch ein Direkteinstieg des Staates bei Alstom werde erneut erwogen, heißt es. Drittens könnte die staatliche Nuklearholding Areva mit Alstom zwangsverheiratet werden.

Dagegen sträubt sich Areva-Chefin Anne Lauvergeon. Müsste sie Alstom retten, wären ihre Pläne für eine Teilprivatisierung von Areva noch in diesem Jahr Makulatur. Zudem hat Areva eine Partnerschaft mit Siemens, dem deutschen Konkurrenten von Alstom, der als Kaufinteressent für Teile des Mischkonzerns gilt.

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