Französischer Parlamentsbericht fordert schnelle Konsolidierung im Marineschiffbau
Politik drängt auf Fusion von Thales und DCN

In Frankreich steigt der politische Druck für ein Zusammengehen der staatlichen Direction des Construction Navales (DCN) und Thales, um einen starken Player im Marineschiffbau zu schaffen.

ali PARIS. Der Staat sollte „beide Unternehmen zur Schaffung einer Partnerschaft ermutigen“ schreibt Jean Lemière, Parlamentsabgeordneter der regierenden UMP, in einem Bericht für die Nationalversammlung über die Zukunft des europäischen Marineschiffbaus. Der französische Staat ist zu 100 Prozent Eigner von DCN und mit 32,4 Prozent am Kapital von Thales beteiligt. In diesem Jahr würden bereits die Unternehmen und der Staat die Grundsätze für ein Zusammengehen erarbeiten, um sie im nächsten Jahr umzusetzen.

Französische und deutsche Politiker haben wiederholt gefordert, eine „EADS der Meere“ zu schaffen, in der die nationalen Marine-Werften wie DCN oder HDW aufgehen sollen. Erst Anfang der Woche bekräftigte Frankreichs Verteidigungsministerin Michèle Aillot-Marie erneut dieses Ziel.

Als Voraussetzung für die Schaffung einer maritimen EADS gilt aber das Zusammengehen der jeweiligen nationalen Player. Die angekündigte Übernahme von HDW durch Thyssen-Krupp gehe „in die richtige Richtung“, sagte denn auch die Ministerin. Nun gilt ein baldiges Zusammengehen von DCN und den martimen Aktivitäten von Thales in Frankreich als ausgemachte Sache.

Ein Sprecher von DCN erklärte, es gäbe „Diskussionen“ zwischen beiden Unternehmen, die aber noch nicht das Stadium konkreter Verhandlungen erreicht hätten. Bei Thales hielt man sich mit Kommentaren zu dem Parlamentsbericht zurück. Aus Unternehmenskreisen verlautete, man teile mit DCN die Vision, einen starken nationalen Spieler im Bereich Marineschiffbau schaffen zu wollen.

Beide Unternehmen haben Anfang Juni die Gründung eines Joint Ventures angekündigt, mit Hilfe dessen DCN und Thales beim Bau des zweiten französischen Flugzeugträgers zusammenarbeiten wollen. An diesem neuen Unternehmen ist DCN mit 65% und Thales mit 35% beteiligt.

Als erste Etappe für einen Zusammenschluss von DCN und Thales schlägt Lemière in seinem Bericht vor, den Pol „Schiffe und Systeme“ von DCN mit Sitz in Cherbourg und Lorient mit den Aktivitäten von Thales Naval France in ein neues Gemeinschaftsunternehmen zusammen zu legen. In einem zweiten Schritt könnten die Service- und Wartungseinheiten von DCN eingebracht werden. Als Langfrist-Perspektive würde ein Zusammengehen mit HDW-Thyssen-Krupp Sinn machen; diese Partnerschaft soll dann auf die italienische Fincantieri und die spanische Izar erweitert werden.

Angesichts der verschärften Konkurrenz aus den USA und Asien hält Lemière die Konsolidierung der zersplitterten europäischen Marineaktivitäten für dringend erforderlich. Im zivilen Schiffbau haben die asiatischen Staaten ihren Anteil in 15 Jahren auf 85 Prozent des Weltmarktes ausgebaut. Im militärischen Schiffbau halten die Europäer noch rund 30 Prozent Marktanteil. Doch der Druck vor allem aus den USA nimmt zu. Zum einen würden US-Werften verstärkt nach Allianzen und Kooperationen Ausschau halten. Zum anderen haben die USA das Programm zur Konstruktion eines Littoral Combat Ships (LCS) gestartet, von dem die US Navy bereits 60 Stück geordert hat. Das Schiff sei ein ernsthafter Konkurrent auf den Exportmärkten.

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