Französischer Spirituosenhersteller steigt durch den Kauf zur Nummer zwei der Branche auf
Schnapskonzern Pernod Ricard schluckt Allied Domecq

Der französische Spirituosenkonzern Pernod Ricard will den britischen Wettbewerber Allied Domecq übernehmen. Die Börse feierte den geplanten Deal am Donnerstag mit einem Kurssprung der Pernod-Ricard-Aktie um mehr als sechs Prozent.

ali/dih PARIS/LONDON. Die Franzosen bieten den Allied-Eignern insgesamt 670 Pence je Aktie – zu 80 Prozent in bar, den Rest in Aktien. Damit wird der britische Konzern mit 10,7 Mrd. Euro bewertet. Durch die Übernahme, der das Allied-Management bereits zugestimmt hat, steigt Pernod Ricard zur weltweiten Nummer zwei im zersplitterten Spirituosenmarkt hinter Platzhirsch Diageo auf. Allied soll nach dem Kauf aufgeteilt werden: Rund ein Drittel des Geschäfts übernimmt der US-Konzern Fortune Brands für 4,1 Mrd. Euro. Analysten überschlugen sich mit Lob: „Ein historisches Angebot“, schrieben etwa die Experten von CA Cheuvreux.

„Das ist der Deal von dem wir immer geträumt haben, sogar noch vor der Seagram-Übernahme“, sagte Pernod-Ricard-Chef und Großaktionär Patrick Ricard vor der Presse in Paris. 2001 hatte sein Konzern Teile des kanadischen Seagram-Konzerns gekauft und war dadurch zur Nummer drei weltweit geworden.

Durch den Allied-Kauf bauen die Franzosen nun ihren Marktanteil in den USA – einem der dynamischsten Märkte der Welt – von vier auf acht Prozent aus. Zudem schließt der Konzern Lücken im Produktportfolio, zum Beispiel bei Rum und Wodka. Eine Konsolidierung der Spirituosenbranche ist laut Allied-Chef Philip Bowman unausweichlich. Er habe in den vergangenen Monaten auch andere Möglichkeiten geprüft, der Vorschlag von Pernod Ricard sei aber der beste gewesen.

Pernod will nach der Übernahme den Whisky Ballantine’s, den Gin Beefeater, den Likör Malibu, den Wodka Stolichnaya und einige Wein-Marken wie Mumm behalten. Fortune Brands soll unter anderem die Marken Canadian Club, Sauza und zusätzlich von Pernod die Marke Larios übernehmen. Auch die drei Vertriebsnetze in Spanien, Großbritannien und Deutschland (Kümmerling) gehen an die Amerikaner.

Da Pernod-Ricard nun weitere Produkte über sein bestehendes Vertriebsnetz verkaufen kann, erhofft sich der Konzern durch die Übernahme Einsparungen von 300 Mill. Euro pro Jahr – mehr als Analysten erwartet hatten. Der volle Betrag dieser Synergien soll in drei Jahren erreicht sein. Der Anteil der Kosten am Umsatz soll von 23 auf 16 Prozent sinken. Rein rechnerisch steigt durch die Übernahme der Umsatz von Pernod-Ricard von 3,5 auf 5,8 Mrd. Euro; der Betriebsgewinn von 0,75 auf 1,45 Mrd. Euro.

Um den Deal zu finanzieren, nehmen die Franzosen einen Bank-Kredit von neun Mrd. Euro auf, der aber auch zur Refinanzierung alter Schulden dient. Den Kaufpreis von 10,7 Mrd. Euro bezahlt der Konzern zu 4,6 Mrd. Euro in bar, für 4,1 Mrd. Euro übernimmt Fortune Brands Teile des Allied-Geschäfts. Darüber hinaus erhöht Pernod Ricard sein Kapital um zwei Mrd. Euro. Nach der Übernahme stellte das Management eine schnelle Entschuldung durch weitere Verkäufe in Aussicht, etwa der 23,75-Prozent-Beteiligung am Softdrink-Anbieter Britannia, Marktführer in Großbritannien.

Konzernchef Ricard rechnet damit, dass das Allied-Geschäft problemlos von den Wettbewerbsbehörden genehmigt wird. Sollten die Kartellwächter indes die Abspaltung der Kernmarke Ballantine’s fordern, „so stellt dies den ganzen Deal in Frage“, sagte er. Die Whisky-Marke sei eines der Hauptmotive für die Übernahme gewesen.

Allied Domecq legte gestern zugleich Zahlen für die erste Hälfte des Geschäftsjahres vor. Danach stagnierte der Umsatz in den sechs Monaten zu Ende Februar bei 1,7 Mrd. Pfund (2,5 Mrd. Euro), der Vorsteuergewinn stieg um sieben Prozent auf 285 Mill. Pfund. Einen bedeutenden Wachstumsbeitrag lieferten dabei die Schnellrestaurantketten.

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