Franzosen übernehmen Kontrolle über Versorger Edison – Italienische Regierung hebt Stimmrechtsbeschränkung auf
EDF ist in Italien am Ziel

Der französische Stromversorger Electricité de France (EDF) greift gemeinsam mit den Mailänder Stadtwerken AEM nach der Mehrheit an dem italienischen Stromkonzern Edison.

PARIS/MAILAND. Mit dieser Entscheidung vom Freitagabend setzte der Verwaltungsrat von EDF einen Schlusspunkt unter einen vier Jahre dauernden Streit um Italiens zweitgrößten Stromproduzenten. Zugleich nimmt EDF-Chef Pierre Gadonneix eine wichtige Hürde auf dem Weg zum geplanten Börsengang seines Konzerns im Herbst dieses Jahres.

Noch in der vergangenen Woche hatte EDF erwogen, sein Engagement in Italien zu beenden. Die Beteiligung von rund 18 Prozent an der italienischen Holding Italenergia BIS (IEB), die den Stromkonzern Edison kontrolliert, war für den französischen Noch-Monopolisten bisher strategisch wertlos. Denn die italienische Regierung hatte als Antwort auf das Engagement von EDF bei Edison die Stimmrechte des Großaktionärs per Gesetz auf zwei Prozent beschränkt. Nun will die italienische Regierung die Begrenzung der Stimmrechte aufheben und macht damit den Weg für EDF frei, die Beteiligung an Edison gemeinsam mit AEM aufzustocken.

Die Aufhebung der Stimmrechtsbegrenzung durch die italienische Regierung ist indes an ein Gegengeschäft gekoppelt. Dieses sieht vor, dass der italienische Versorger Enel sich mit 12,5 Prozent an einem neuartigen Kernreaktor beteiligen soll, der in Frankreich gebaut wird und 2012 ans Netz gehen soll. Ferner übernimmt Enel 35 Prozent am französischen Versorger Snet und bekommt von EDF Grundstücke, auf denen die Italiener eigene Kraftwerke zur Deckung von Bedarfsspitzen bauen können. Dadurch steigt Enel zum drittgrößten Stromanbieter Frankreichs auf.

EDF hat sich mit dem Deal von einer drohenden Last seines Auslandsengagements befreit. Denn der Konzern hatte den übrigen IEB-Aktionären zugesagt, ihre Anteile aufzukaufen. Diese Option wurde Anfang dieses Jahres fällig. Durch den Aufkauf wäre EDFs Anteil an Edison aber über 30 Prozent gestiegen mit der Folge, dass die Franzosen ein Übernahmeangebot hätten abgeben müssen. EDF stand damit vor der Gefahr, Milliarden für die Übernahme von Edison ausgeben zu müssen, aber wegen der Stimmrechtsbegrenzung keine Kontrolle über das Unternehmen ausüben zu können.

Seite 1:

EDF ist in Italien am Ziel

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%