Franzosen wollen Café-Kette Dunkin’ Donuts abgeben
Pernod gewinnt Kampf um Allied Domecq

Nach dem Rückzug eines US-Konsortiums hat der französische Spirituosenkonzern Pernod Ricard keinen Gegner mehr im Kampf um den Konkurrenten Allied Domecq. Analysten rechnen fest damit, dass es den Franzosen gelingen wird, einen Herausforderer für Weltmarktführer Diageo zu schmieden.

ali/dih PARIS/LONDON. Ein Pernod-Sprecher kündigte bereits an, dass die Allied-Tochter Dunkin’ Donuts zum Verkauf stehe. Es hätten sich schon Interessenten für die Café-Kette gemeldet, deren Wert Analysten auf rund 1,6 Mrd. Euro schätzen.

Pernod hat am 21. April ein Übernahmeangebot im Wert von aktuell 11,3 Mrd. Euro vorgelegt, dem die Allied-Führung zustimmte. Dafür holten die Franzosen das US-Unternehmen Fortune Brands mit ins Boot, das für rund 4,2 Mrd. Euro Marken und Vertriebsrechte von Allied erwerben will. Diesem Teil des Deals hat die EU-Kommission schon zugestimmt; die Entscheidung über die gesamte Transaktion wird für kommenden Freitag erwartet. Die US-Kartellbehörden dürften im Juli über die Übernahme entscheiden.

Ende April trat ein US-Konsortium aus dem Wein-Weltmarktführer Constellation Brands, dem „Jack Daniels“-Hersteller Brown-Forman und den Kapitalbeteiligungsfirmen Blackstone und Lions Capital an den Allied-Vorstand heran. Den letzteren wird vor allem Interesse am Nahrungsmittel-Geschäft von Allied nachgesagt, zu dem neben Dunkin’ Donuts auch die Eiscreme-Kette Baskin Robbins zählt. Doch der Gruppe gelang es nicht, sich auf ein formelles Angebot zu einigen. Darum zog Constellation am Freitag die Notbremse, was Brown-Forman mit Enttäuschung aufnahm. Fondsmanager zeigten sich hingegen erleichtert, dass Constellation auf den Weinmarkt konzentriert bleibt.

Der Knackpunkt im Übernahmekampf war am 6. Juni die Entscheidung von Diageo, sich auf die Seite der Franzosen zu schlagen. Zu dominant, um selber ein Angebot für Allied zu machen, nutzte der britische Konzern seine Position, um sich im Gegenzug für die Unterstützung die Irish-Whiskey-Marke Bushmills und den großen Teil des Allied-Weingeschäfts für zusammen rund 800 Millionen Euro zu sichern. De facto wird Allied nun also nach der Übernahme in vier Teile zerlegt.

Ein Sprecher von Pernod Ricard zeigte sich am Freitag erfreut: „Das ist eine gute Nachricht für uns, denn die Unsicherheit ist nun zum Teil aufgehoben.“ Doch er warnte zugleich, dass der Sieg noch nicht endgültig sei. Die Aktionäre müssten noch zustimmen. Die Hauptversammlung von Pernod Ricard ist für den 30. Juni angesetzt, die von Allied Domecq für den 4. Juli. Da beide Verwaltungsräte die Operation empfehlen, gilt ein positives Veto aber als sehr wahrscheinlich.

Analysten rechnen nicht mehr damit, dass noch ein neuer Bieter auftaucht, der die Wunschehe stören könnte. Die Pernod-Aktie stieg am Freitag um 2,7 Prozent, während Allied-Titel um 1,7 Prozent fielen. Diageo-Aktien veränderten sich kaum.

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