Fraunhofer Institut
Der Ursache für das Airbag-Debakel auf der Spur

Der Bericht des Münchener Fraunhofer Instituts zum massenhaften Defekt von Airbags könnte dem Autolieferanten Takata Milliarden kosten: Die Forscher nennen darin vier mögliche Ursachen.
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New YorkEs ist einer der größten Rückrufe der Welt: Der japanische Autolieferant Takata rüstete allein in den USA 34 Millionen Fahrzeuge mit defekten Airbags aus. Die lösten unter Umständen von allein aus, die Explosion sprengte Teile der Metallverkleidung und gefährdete Fahrer und Passagiere. Bislang kam es laut Takata in den USA zu 88 solcher Vorfälle, es werden sechs Tote und zahlreiche Verletzte beklagt.

Zu den Abnehmern zählten vor allem Honda, aber auch andere Hersteller wie BMW, Ford oder GM. Bislang rätselte die Autobranche: Was ist der Grund für die Selbstauslösung? Der Antwort scheint das Fraunhofer Institut für Chemische Technologie in München näher zu kommen. Laut einem Zwischenbericht, der dem US-Kongress sowie zahlreichen Autoherstellern vorliegt, könnten vier Ursachen verantwortlich sein. Das berichtet das „Wall Street Journal“.

Für Autohersteller ist das von großer Bedeutung. Es kostet 100 bis 150 Dollar, einen Airbag zu ersetzen. Die Kosten teilten sich bislang Autohersteller und Takata. Angesichts der Ergebnisse des Fraunhofers Instituts könnte sich das zulasten der Japaner ändern. Zwei Gründe könnten laut dem Report technischer Natur sein: Der Airbag-Treiber – ein rundes Metallteil, gefüllt mit bestimmten, treibenden Chemikalien – war beschädigt. Dazu befanden sich Treiber und Airbag in inkorrekten Positionen.

Die Forscher sind zudem Herstellungsfehler am Airbag auf der Spur. Als vierter Grund wird eine lange Einwirkung von Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit genannt. Der Umstand war allerdings schon länger bekannt und spielt eine Rolle bei allen Problemen: Sobald Feuchtigkeit in den Airbag drang, löste der selbst aus. Das ist bei den Airbags aller Hersteller eine Gefahr, aber bei Takata besonders gravierend: Die Firma verwendete Ammoniumnitrat, das sensibel auf Wasser reagiert. Am vergangenen Montag verkündete das Unternehmen, das Mittel in bestimmten Airbags nicht mehr zu verwenden.

Der Bericht vom Fraunhofer Institut dient als Vorlage für US-Gesetzeshüter, die den Fall untersuchen. Am gestrigen Dienstag musste Kevin Kennedy, Nordamerika-Chef von Takata, vor dem Kongress-Ausschuss für Energie und Handel den Abgeordneten Rede und Antwort stehen. „Für uns ist es nicht akzeptabel“, sagte Kennedy, „dass auch nur eines unserer Produkte nicht einwandfrei funktioniert und Menschen in Gefahr bringt.“

In seiner Rede verwies Kennedy auf die insgesamt niedrige Fehlerquote von neun aus 100.000 Installationen auf der Fahrerseite und vier aus 100.000 auf der Beifahrerseite . „Damit will ich in keiner Weise das Problem verniedlichen“, sagte Kennedy. Aber es sei nicht der Fall, dass alle zurückgerufenen Autos defekt seien. Die Einwirkung von hoher Hitze und Luftfeuchtigkeit über mehrere Jahre würde die Selbstauslösung verursachen.

Der Chef der US-Verkehrsbehörde, Mark Rosekind, sagte ebenfalls aus. Er werde weiter dafür kämpfen, die Sicherheit der Menschen zu garantieren und der „Wurzel des Übels“ auf die Spur zu kommen.

Für Takata hat die Untersuchung in jedem Fall Konsequenzen. Der Autozulieferer könnte mehrere Milliarden Dollar an Strafen, Entschädigungen und für Reparaturen zahlen. Das Unternehmen geht von 1,6 Milliarden Dollar aus, während Experten eher von vier bis fünf Milliarden Dollar sprechen.

Der Autor ist Managing-Editor des Handelsblatts in den USA. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Thomas Jahn
Handelsblatt / Korrespondent New York

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