Freizeitansprüche
Deutsche Industrie ist Urlaubs-Spitzenreiter

Deutschlands Industrie führt in Sachen bezahlter Urlaub Europa an. Mit einem Tag Freizeitanspruch mehr liegen die Deutschen knapp vor Dänemark. Arbeitgeber sprechen von einer deutlichen Belastung.
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FrankfurtBei den Freizeitansprüchen sind Deutschlands Industriebeschäftigte im europäischen Vergleich Spitze. Bei den Lohnnebenkosten liege Deutschlands Metall- und Elektroindustrie dagegen im EU-Vergleich im Mittelfeld - unterhalb des EU-Durchschnitts, geht aus einer am Montag veröffentlichten Studie des arbeitgebernahen Instituts der Wirtschaft (IW) hervor. Die Untersuchung hatten die bayerischen Metallarbeitgeber in Auftrag gegeben. Über die Studie hatte zuerst die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Montag) berichtet.

Der IW-Studie zufolge bekamen deutsche Industriearbeiter Lohn und Gehalt im Durchschnitt für 40 Tage im Jahr, ohne dafür zu arbeiten. 30 Tage davon entfielen auf Urlaub, durchschnittlich 10 auf gesetzliche Feiertage, heißt es in der IW-Studie. In Dänemark seien es 39, in Italien 37 vom Arbeitgeber bezahlte Urlaubs- und Feiertage.

Schlusslicht seien Industriebetriebe in Belgien mit im Schnitt nur 29 bezahlten Urlaubs- und Feiertagen. Aber selbst im vermeintlichen Niedriglohnland Tschechien erhielten Industriearbeiter der IW-Studie zufolge 36 Tage bezahlten Urlaub samt gesetzlicher Feiertage. In der Slowakei seien es 35.

Die Wissenschaftler räumen ein: Finanziell belastet würden die deutschen Industrie-Arbeitgeber dadurch aber kaum stärker als Industrieunternehmen in etlichen anderen EU-Staaten mit geringerer bezahlter Freizeit. Während in Deutschland im Schnitt 13,9 Prozent des Gesamtlohns auf die Bezahlung von Urlaus- und Feiertagen entfallen, seien es in Irland 13,4 Prozent, in Dänemark 13,2 Prozent, in Italien 12,3 Prozent, in Großbritannien 12,1 Prozent.

Vergleichsweise gut weg kommen in Deutschland Industrie-Arbeitgeber dagegen bei den Sozialaufwendungen (amtlich: Lohnnebenkosten), wie Sozialversicherungsbeiträge und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Hier rangiere Deutschland auf dem 15. Platz. Allerdings seien die Sozialleistungssysteme EU-weit nur begrenzt vergleichbar, geben die Autoren der Studie zu bedenken.

Der Nürnberger Arbeitsmarktforscher Enzo Weber warnte derweil, Arbeits- und Freizeitvergleiche auf Urlaubs- und bezahlte Feiertage zu beschränken. „In die Arbeitszeit spielt viel rein: Streiks, Krankheitstage, Überstunden, Urlaub“. Tatsächlich hätten die deutschen Industriebeschäftigten mit rund 40 Tagen sicherlich viel bezahlte Freizeit. „Das ist aber keineswegs neu. Das haben wir schon seit 20 Jahren. Insgesamt kann man nicht sagen, dass Deutschland ein Wettbewerbsproblem im Vergleich zu anderen EU-Ländern hat“, gab Weber zu bedenken.

Wer die Effizienz einer Volkswirtschaft und ihrer Beschäftigten anschaue, müsse zudem die Arbeitsproduktivität der Beschäftigten betrachten. Und die sei in den zurückliegenden Jahren stetig gestiegen - „allerdings nicht mehr so stark wie in früheren Jahren“. Inzwischen seien - auch wegen der guten Lohnabschlüsse der vergangenen beiden Jahre - die Lohnkosten stärker gestiegen als die Produktivität. „Bei der Lohnentwicklung haben wir inzwischen etwas aufgeholt“. Nun sollte Deutschland auch bei der Produktivität wieder zulegen.

Wenig Verständnis für die Klagen der Industrie in Sachen bezahlter Freizeit zeigte am Montag der Deutsche Gewerkschaftbund (DGB). Der Arbeitsmarktexperte im DGB-Bundesvorstand, Wilhelm Adamy, verwies auf Zahlen des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall. Danach sei die Produktivität zwischen 1991 und 2013 deutlich stärker gewachsen als die Lohnstückkosten.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Freizeitansprüche: Deutsche Industrie ist Urlaubs-Spitzenreiter"

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  • "Deutsche Industrie ist Urlaubs-Spitzenreiter"

    NEIN, die deutsche Industrie ist Missbrauch-Spitzenreiter !

    In Deutschland wurden sogar wieder Waldmenschen entdeckt und ich dachte, die wären seit einigen Jahrtausenden ausgestorben in unserer Region !

    Es wird versucht, das 19. Jahrhundert einzuläuten !

    Der angestrebte Wegfall von der 8 Stundentag.Begrenzung und jetzt die bezahlten Urlaubstage !?
    Soll es u.a. eine Anpassung/Annäherung der TTIP-Verhandlungen werden ???

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