Fresenius-Gruppe
Verschachtelter Expansionskurs

Die geplante Übernahme der amerikanischen APP Pharmaceuticals beschert Fresenius neues Geschäft in einem Bereich, der bis vor kurzem noch eine untergeordnete spielte: das Geschäft mit patentfreien Medikamenten. Damit gewinnt einer der kompliziertesten deutschen Großkonzerne noch ein wenig mehr an Komplexität. Zurück geht diese auf eine Besonderheit in der Eigner-Struktur.

FRANKFURT. Das Unternehmen sei ein "global aufgestellter, diversifizierter Gesundheitskonzern", lautet die Definition, mit der Firmenchef Ulf Schneider die Bad Homburger Fresenius-Gruppe umschreibt. Seit Montag ist der Konzern noch ein Stück globaler und diversifizierter. Denn die geplante Übernahme der amerikanischen APP Pharmaceuticals beschert Fresenius zusätzliche Marktpräsenz in Nordamerika und auch neues Geschäft in einem Bereich, der bis vor kurzem noch eine untergeordnete für Fresenius spielte: das Geschäft mit patentfreien Medikamenten.

Von den 11,4 Mrd. Euro Umsatz, die Fresenius SE im vergangene Jahr machte, entfielen bislang in der Unternehmenssparte Kabi rund 400 Mill. Euro Umsatz auf intravenös zu verabreichenden Generika. Durch den APP-Kauf wird dieser Umsatz verdoppelt und Fresenius SE rückt in die Top-Liga dieser Generika-Hersteller auf. "APP ist die lang angestrebte Plattform in Nordamerika für uns, um Kabi global aufzustellen", sagte Fresenius-Chef Ulf Mark Schneider am Montag. Das Spektrum des Bad Homburger Gesundheitsriesen reicht künftig vom Krankenhaus-Engineering über Medizintechnik und Klinik-Management bis hin zu Produktion und Vertrieb von Arzneimitteln.

Einer der kompliziertesten deutschen Großkonzerne gewinnt damit nicht nur an Größe, sondern auch noch ein wenig mehr an Komplexität. Das gilt für die geschäftliche wie auch für die finanzielle Seite der Transaktion. Denn Fresenius geht auch hier unkonventionelle Wege, indem es den Aktionären von APP neben einem festen Kaufpreis von 3,7 Mrd. Dollar einen erfolgsabhängigen und handelbaren Besserungsschein (Contingent Value Right) von bis zu einer Mrd. Dollar beziehungsweise sechs Dollar je Aktie offeriert. Neben den Aktien der Fresenius SE und den Papieren der Fresenius Medical Care (FMC) wird damit gewissermaßen ein weiteres Fresenius-Wertpapier in den Handel gelangen.

Diese Komplexität in der Finanzierung geht letztlich zurück auf eine Besonderheit in der Eigner-Struktur von Fresenius: An der Spitze des Konzerns steht eine Stiftung, die von der früheren Firmeninhaberin Else Kröner gegründet wurde. Die Institution machte im Frühjahr mit Querelen zwischen der ehemaligen Geschäftsführerin Gabriele Kröner und dem Verwaltungsratsmitglied Dieter Schenk Schlagzeilen. Sie hält mit rund 60 Prozent die Stimmrechtsmehrheit an der Konzernobergesellschaft Fresenius SE und zeigt sich entschlossen, diese Position auch zu halten. Daraus wiederum resultieren gewisse Einschränkungen, was die Ausgabe neuer Aktien auf Ebene der Fresenius SE angeht.

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