Frist gesetzt
Endspurt bei Scottish & Newcastle

Die Fronten im Übernahmekampf um den britischen Braukonzern Scottish & Newcastle (S&N) sind verhärtet. Das Unternehmen weigert sich standhaft, mit den Bietern Carlsberg und Heineken zu verhandeln. Um die Hängepartie zu beenden, hat der Übernahme-Ausschuss der Londoner Börse den Bietern nun eine Frist bis zum 21. Januar mittags gesetzt.

LONDON. Trotz dieser Entwicklung sind die Anleger skeptisch, ob noch eine Fusion zu Stande kommen kann: Die Aktien aller drei Unternehmen fielen gestern an der Börse.

Carlsberg und Heineken haben im Oktober Interesse an S&N geäußert. Sie wollen den britischen Marktführer unter sich aufteilen. Carlsberg will vor allem die wachstumsstarke russische Braugruppe BBH kontrollieren, die der Konzern zusammen mit S&N in einem 50/50-Joint-Venture betreibt. Heineken will sich das Westeuropa-Geschäft mit Marken wie "Foster?s" und "Kronenbourg" einverleiben.

Im November erhöhte das dänisch-niederländische Konsortium sein informelles Kaufangebot von 720 auf 750 Pence je Aktie. Auf Basis der Bilanz für 2006 entspricht das dem 13,6-fachen des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Das bedeutet einen Kaufpreis von 7,3 Mrd. Pfund (10,2 Mrd. Euro), eine Prämie von rund 40 Prozent auf den Börsenwert vor Beginn der Übernahmespekulationen. Nach Einschätzung vieler Analysten ist das ein realistischer Preis. Andrew Holland von Dresdner Kleinwort etwa schätzt den Firmenwert bei einer Aufspaltung auf 761 Pence je Aktie. Ein formelles Kaufangebot von 770 Pence sollte deshalb erfolgreich sein, sagt er. S&N will jedoch davon nichts hören. Der Vorstand des Konzerns hat die Angebote des Konsortiums als unzureichend abgewiesen und lehnt jegliche Gespräche ab. Dabei schwingt auch eine große Portion Enttäuschung über den langjährigen Joint-Venture-Partner Carlsberg mit.

Der Kampf um S&N ist ein weiterer Schritt in der Konsolidierung der internationalen Brauindustrie. Am Ende werden nach Einschätzung von Brancheninsidern wie dem Europachef von SAB Miller, Alan Clark, vier oder fünf große Konzerne den Weltmarkt beherrschen. Besonders hart ist der Kampf um wachstumsstarke Märkte wie Russland, Indien oder China. Wer hier stark vertreten ist, kann die Stagnation in Westeuropa und Nordamerika ausgleichen. Auch international bekannte Biermarken sind begehrt, wie die jüngste Übernahme der niederländischen Brauerei Grolsch durch SAB Miller zeigt.

S&N hat vor diesem Hintergrund einen harten Abwehrkampf vor sich. Das britische Unternehmen hat ein Schiedsgericht angerufen, um seinerseits Carlsbergs BBH-Hälfte zu erringen. Die S&N-Führung ist zuversichtlich, den Dänen einen Bruch des Joint-Venture-Vertrages nachweisen zu können. Sie kündigte an, Anfang Januar eine ausführliche juristische Argumentation vorzulegen.

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