Fronten bleiben verhärtet
„Denkpause“ im Streit um AEG-Werk notwendig

Die Fronten im Streit zwischen Gewerkschaft und Electrolux um die geplante Schließung des Nürnberger AEG-Werks bleiben verhärtet. Nun bahnt sich gar eine Ausweitung des Arbeitskampfes an.

HB NÜRNBERG. Die beiden Parteien vertagten am Mittwoch ihre Gespräche nach einer Verhandlungsrunde auf Donnerstag kommender Woche. Nach einem anderthalbstündigen Gespräch sagte der Chef der AEG Hausgeräte GmbH, Dieter Lange: „Wir brauchen beide eine Denkpause“. Der bayerische IG-Metall-Chef Werner Neugebauer zeigte sich mit ihm einer Meinung: „Es ist für beide Seiten gut, sich diese Denkpause zu nehmen.“ Der Streik laufe bis zum neuen Treffen unverändert weiter.

Electrolux-Sprecher Michael Eichel machte deutlich, dass das Unternehmen kein neues Angebot präsentieren werde. „Wir würden gern über die Details des Nürnberger Modells reden. Aber wir legen nicht jeden Tag ein neues Angebot vor“, sagte er. Gewerkschaftssprecher Reiner Peters-Ackermann erwiderte: „Weder im Volumen des Sozialtarifvertrages noch in der Frage des Standort-Erhalts und der Beschäftigungssicherung hat sich Electrolux bewegt. Es wird noch ein bisschen dauern, bis sich beide Seiten aufeinander zubewegen.“

An den Standort Rothenburg ob der Tauber begann am Mittwoch unterdessen die Urabstimmung über einen Streik. Bei der Electrolux-Ersatzteil-Sparte Distriparts Deutschland GmbH in Rothenburg arbeiten rund 200 Beschäftigte. Ein Streik dort hätte nach Angaben des Betriebsratsvorsitzenden Rainer Kretschmer zur Folge, dass binnen weniger Tage europaweit keine Ersatzteile für Electrolux-Geräte mehr zur Verfügung stünden. IG Metall- Verhandlungsführer Werner Neugebauer sagte, man halte sich für einen Arbeitskampf alle Optionen offen.

Entspannung in anderem Streit

Etwas Entspannung zeichnet sich hingegen beim Streit über die Rückkehr der Mitarbeiter der Logistik- und Ersatzteilsparte in den Metall-Tarifvertrag ab, über die die Gewerkschaft am Vormittag mit dem Europa-Manager der Schweden, Walter Koch, verhandelte. Die Gespräche am Vormittag seien in sehr konstruktiver Atmosphäre verlaufen, erklärten beide Seiten. „Der Vormittag hat sich gelohnt“, sagte Neugebauer. Über inhaltliche Vereinbarungen wurde Stillschweigen vereinbart. „Wir haben einige Standpunkte deutlich gemacht, von denen wir nicht abrücken. In anderen Fragen gibt es Gesprächsbedarf“, sagte der Electrolux-Manager.

Die gut 1700 AEG-Beschäftigten streiken gegen die geplante Schließung des Traditionsstandorts 2007 und wollen höhere Abfindungen, Qualifizierungsmaßnahmen und eine Beschäftigungsgesellschaft durchsetzen. Die Schweden wollen AEG aus Kostengründen dicht machen und die Produktion nach Polen und Italien verlagern.

Der Streik im Nürnberger AEG-Werk führt bereits zu Lieferschwierigkeiten bei Elektrogeräten der Marke. Das ergab eine dpa-Umfrage bei großen Elektro-Einzelhändlern. Technikmärkte wie Media Markt, Saturn oder MakroMarkt können danach in vielen Filialen keine AEG-Geschirrspüler, Wäschetrockner und Waschmaschinen mehr anbieten.

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