Fronten zwischen VW-Betriebsrat und Porsche verhärten sich
„Wiedeking hat nichts geboten“

Auf dem Aktionärstreffen von Volkswagen hat der Chef des Autobauers, Martin Winterkorn, ehrgeizige Ziele vorgegeben. Er räumte ein, beim Zusammenwachsen mit Porsche gebe es noch einige Schwierigkeiten. Immerhin haben sich Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und der Gesamtbetriebsratschef von Volkswagen, Bernd Osterloh, vor der Hauptversammlung doch noch getroffen.

mcs/mwb/HB HAMBURG. Zu Beginn der VW-Hauptversammlung demonstrierten rund 1 000 Beschäftige des Autobauers für den Erhalt ihrer Werke und für Mitbestimmung. Unter all dem Pfeifen, Tröten und Klatschen der aus allen deutschen Standorten des Konzerns herangekarrten VW-Mitarbeiter und IG-Metaller vor dem Hamburger Congress Center wäre die Nachricht vom Treffen des Volkswagen-Gesamtbetriebsratschefs mit dem Porsche-Chef fast untergegangen. Das Gespräch war von Osterloh immer wieder gefordert worden, der machtbewusste Wiedeking hatte es über Monate blockiert. Über den Verlauf des Gesprächs haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart.

Zu einer Annäherung ist es allerdings nicht gekommen. "Wiedeking hat nichts geboten", sagte Osterloh vor Beginn der Hauptversammlung dem Handelsblatt. Der Porsche-Chef habe keinen Kompromissvorschlag im Gepäck gehabt. Porsche hielt sich auf Anfrage bedeckt.

Vor den demonstrierenden VW-Beschäftigten gab sich Osterloh alles andere als versöhnlich und warf dem Großaktionär "gefährliche Allmachtsphantasien" vor. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking wolle mit der "Arroganz eines Alleinherrschers" schalten und walten, dies habe unheimliche Risiken für VW und die Beschäftigten. "Schlechter kann man eine Übernahme nicht gestalten." Der Porsche-Chef könne nicht mit Menschen umgehen, er habe "null Fingerspitzengefühl". Wiedeking agiere nach Gutsherrenart "ohne Rücksicht auf Verluste".

In dem Streit geht es um die Mitbestimmungsrechte in der neuen Porsche-Holding. Die Satzung der Holding sieht vor, dass die Arbeitnehmerseite von VW nur drei Vertreter in den Holding-Aufsichtsrat entsenden darf, genauso viele, wie die Arbeitnehmervertreter der deutlich kleineren Porsche AG. "Wir werden weiter durch alle Instanzen für unsere Rechte kämpfen", sagte Osterloh.

Die Regelung tritt dann in Kraft, wenn Porsche wie angekündigt die Beteiligung an Europas größtem Autobauer auf über 50 Prozent aufstockt. Osterloh befürchtet eine Beeinträchtigung der Mitbestimmungsrechte der VW-Arbeitnehmer. Am Dienstag sehen sich die Parteien in dieser Sache vor dem Stuttgarter Arbeitsgericht. Versuche, diese Gerichtsverhandlung durch eine Einigung noch zu verhindern, sind damit offensichtlich gescheitert.

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