Frühpensionierung als Lösung in Betracht gezogen
Mercedes-C-Klasse kostet Jobs

Aus unternehmensnahen Kreisen war am Mittwoch zu hören, dass der Stuttgarter Autohersteller Daimler-Chrysler mit der Einführung der neuen Mercedes C-Klasse in jedem Fall 2 000 Stellen streichen wird. Aufgrund des neuen Fertigungsverfahrens und des damit einhergehenden Produktivitätsfortschritts würden die Jobs überflässig werden, hieß es.

HB STUTTGART. Daran könne auch die vom Mercedes-Verantwortlichen Jürgen Hubbert geforderte Kostensenkung nichts ändern. Daimler-Chrysler will in Kürze über den künftigen Produktionsstandort der neuen C-Klasse entscheiden, hält die Kosten im Stammwerk Sindelfingen jedoch für zu hoch.

Nachdem erste Verhandlungen mit dem Gesamtbetriebsrat des Konzerns erfolglos geblieben waren, ging Hubbert am vergangenem Samstag in einem Zeitungsinterview in die Offensive: Er kritisierte Zuschläge und die besondere Pausenregelung im Werk Sindelfingen, wo neben dem schlechter gestellten Bremen die C-Klasse vom Band läuft. Dabei stellte der Manager auch Bestandteile des Tarifvertrags zur Disposition. Am Mittwochnachmittag traf sich der Betriebsrat des Konzerns, um über die weitere Verhandlungsposition zu beratschlagen. Aus Gewerkschaftskreisen war am Montag bereits verlautet, dass es durchaus zu Protestaktionen kommen könnte.

Beobachter halten eine einvernehmliche Lösung jedoch für wahrscheinlich - falls Hubbert der Belegschaft nicht zuviel zumutet. Möglich wäre beispielsweise, dass Zuschläge über Konten in Lebensarbeitszeit umgewandelt werden. Auch die Gewerkschaft könnte ein Aufweichen der tariflichen Regelungen toliereren, da der Flächentarifvertrag nicht in Frage gestellt sei. Tarifexperten zufolge weicht der Daimler-Chrysler-Vertrag in Sindelfingen zu hohen Anteilen ohnehin vom Tarifvertrag ab. Ähnlich große Unterschiede gebe es zwischen den Standorten in Deutschland und den jeweiligen Tarifverträgen.

Auch Hubbert hatte diese Abweichungen generell kritisiert und hervorgehoben, dass in Sindelfingen mindestens die Kosten von Bremen erreicht werden sollten. Gibt es keine Einigung und wandert die C-Klasse komplett nach Bremen, befürchten Gewerkschafter den Verlust von 3 000 bis 7



000 Arbeitsplätzen in Sindelfingen. Der ohnehin anstehende Abbau der 2 000 Arbeitsplätzen läßt sich laut Experten allerdings sozialverträglich gestalten: Weil die neue C-Klasse erst 2007 auf den Markt kommt, könne man über Frühpensionierung, Alterteilzeit und natürliche Fluktuation soziale Härtefälle vermeiden.

Dies dürfte auch eine Einigung mit dem Betriebsrat wahrscheinlicher machen. Der Zeitplan ist eng gesetzt: Binnen vier Wochen muss laut Hubbert die Entscheidung fallen.

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