Führende US-Firmen wollen ihr Gewinnwachstum sichern
Pharmakonzerne gehen auf Sparkurs

Pharmakonzerne setzen zur Steigerung ihrer Gewinne verstärkt auf Kostensenkung. Gestern gab der US-Konzern Abbott trotz einer neuerlichen Ertragssteigerung den Abbau von 700 Stellen im Fertigungsbereich bekannt. Das Sparpaket, das offenbar auch die deutschen Standorte Ludwigshafen und Wiesbaden betrifft, soll die Kosten um jährlich 200 Mill. Dollar senken.

FRANKFURT/M. Nach Pfizer und Wyeth ist Abbott damit bereits der dritte große US-Pharmakonzern, der in diesem Jahr entsprechende Schritte ankündigt. Pfizer startete im April ein Sparprogramm im Umfang von vier Mrd. Dollar. Konkurrent Wyeth kündigte vor wenigen Wochen an, den Außendienst um knapp ein Drittel zu reduzieren.

Nach Erwartung von Branchenexperten werden noch einige weitere Vertreter der Branche folgen. Vor allem der US-Konzern Merck & Co, der unter Patentabläufen und dem Vermarktungsstopp für sein Schmerzmittel Vioxx leidet, gilt als heißer Kandidat für ein größeres Kostensenkungs-Paket. „Das schwierige operative Umfeld und die bevorstehende Reform des Medicare-Systems bringt die Pharmamanager endlich dazu, ihre Kostenbasis zu restrukturieren“, heißt es in einer Studie der US-Investmentbank Morgan Stanley.

Das amerikanische Medicare-System, eine Art staatliche Krankenversicherung für ältere und behinderte Menschen, wurde vor kurzem auf die Medikamenten-Versorgung ausgedehnt. Pharmaexperten erwarten davon zwar ein gewisses Wachstum der Nachfrage, sehen andererseits aber die Gefahr, dass Preiserhöhungen künftig wesentlich schwieriger durchzusetzen sind. Zudem laufen in den nächsten Jahren einige hochkarätige Patente von umsatzstarken aus, was vor allem amerikanische Unternehmen wie Pfizer oder Merck & Co in Bedrängnis bringt.

Insgesamt ist die Geschäftsentwicklung in der Branche alles andere als katastrophal. Analysten rechnen für das zweite Quartal, wie auch für das Gesamtjahr, mit einer soliden, wenn auch nicht spektakulären, Aufwärtsentwicklung. Nach den bisherigen Schätzungen der Banken dürften Umsätze und Gewinne im Schnitt um sechs bis sieben Prozent zulegen. Allerdings verbergen sich hinter den Durchschnittswerten deutliche Unterschiede innerhalb der Branche.

Während etwa für Merck & Co und Bristol-Myers deutlich Einbußen erwartet werden, legen andere Konzerne überproportional zu. Abbott steigerte im zweiten Quartal den Umsatz um 17 Prozent auf 4,7 Mrd. Dollar und den bereinigten Nettogewinn um sieben Prozent auf 877 Mill. Dollar.

Starke Zuwächse verbuchten dabei vor allem das Rheumamedikament Humira, das der Konzern vor einigen Jahren zusammen mit dem BASF-Pharmageschäft erworben hatte, sowie das Schmerzmittel Mobic, das von der Unruhe um Konkurrenzmedikamente wie Vioxx profitierte und den Umsatz verdreifachte. Mobic stammt aus der Forschung und Produktion von Boehringer Ingelheim und dürfte daher auch dem führenden deutschen Pharmahersteller einen weiteren Aufschwung bescheren.

Genentech, der große Aufsteiger der Branche, steigerte den Umsatz im zweiten Quartal um mehr als ein Drittel und den Gewinn um 58 Prozent. Das Biotechunternehmen profitiert weiterhin vom großen Erfolg seiner Krebsmedikamente. Dieser Glanz wiederum dürfte auch auf den Mehrheitseigner, den Baseler Roche-Konzern abfärben, der am kommenden Mittwoch seine Halbjahreszahlen vorlegt. Nach Schätzung der Deutschen Bank werden Sondereffekte zwar den Nettogewinn von Roche unter Vorjahresniveau drücken. Operativ dürfte Roche aber um knapp ein Fünftel zulegen, ebenso wie Sanofi-Aventis.

Für die Schweizer Novartis, die heute ihre Halbjahreszahlen vorlegt, wird ein Gewinnplus von zehn Prozent erwartet.

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