Führung verspricht grundlegende Reformen – Hauptversammlungen entlasten Vorstand nur knapp
Shell oder die Geschichte des verlorenen Reichtums

Der Lord trägt gerne teure Anzüge, er thront über 115 000 Beschäftigten. Seine Firma gilt als eine der mächtigsten der Welt. Doch an diesem Montag gibt er den Bettler: Lord Ronald Oxburgh, Chairman von Shell Transport & Trading, bittet nicht nur, er bettelt bei seinen Aktionären gestelzt um Vergebung. Diese Pose ist dem großen, grauhaarigen Aufsichtsrat eines der finanzstärksten Konzerne der Welt eigentlich fremd. Ja, man überlege sich, die Führungsstruktur radikal zu ändern, fleht er in den Londoner Docklands.

DÜSSELDORF. Es ist der Tag der kleinen Abrechnung. In London und im niederländischen Den Haag finden parallel zwei Hauptversammlungen statt, auf denen die Führung des ins Schlingern geratenen Weltkonzerns Shell Abbitte leisten muss. Jetzt soll es keine falschen Rücksichten mehr geben. Man schließe nichts aus, meint auch Jeroen van der Veer, der amtierende Konzernchef, in Den Haag. Früher, ja früher habe man die Kommunikation vernachlässigt. „Wir können die Dinge besser machen. Nur lasst es uns nicht überstürzen“, fleht derweil der Lord.

Royal Dutch/Shell, der seltsame niederländisch-britische Doppelkonzern, ist tief gesunken. Jahrzehntelang hat das Ölimperium seine Aktionäre mit hoher Dividende beglückt und dafür mit nonchalanter Arroganz behandelt. An der Spitze leistete man sich dafür Manager wie Pierre Wack oder Arie de Geus, die als Querdenker und Buchautoren über die Branche hinaus bekannt wurden, und der Konzern selbst verpasste sich das Konzept nachhaltigen Wirtschaftens. Shell wollte sich selbst beweisen, besser als der Rest zu sein.

Derzeit ermittelt die amerikanische Börsenaufsicht SEC gegen den Energiemulti. Früheren Managern drohen diverse zivil- und strafrechtliche Prozesse. Und selbst Aktionäre wollen klagen. Ein paar Spitzenmanager mussten das Unternehmen geradezu fluchtartig verlassen, das Rating steht unter Druck und die gesamte Struktur auf dem Prüfstand. Denn jahrelang hat das Management die Ölreserven des Konzerns – und damit eines der wichtigsten Assets – viel zu hoch ausgewiesen.

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