Führungschaos
Bei Kuka kämpft jeder gegen jeden

Mitten in der größten Branchenkrise seit Jahrzehnten beschäftigt sich der Augsburger Roboterhersteller Kuka mit Selbstzerfleischung. Vorstand, Aufsichtsrat und Aktionäre leisten sich einen erbitterten Kampf um die Macht. Der neue Großaktionär Grenze den Aufsichtsratschef absetzen und den Vorstand rausschmeißen. Dabei hat der Roboterhersteller auch sonst genug Probleme.

DÜSSELDORF. Galgenhumor ist eigentlich kein guter Ratgeber in der größten Krise seit Jahrzehnten, schon gar nicht im gebeutelten Maschinenbau. Aber etwas anderes fällt Jürgen Kerner einfach nicht mehr ein, wenn er über den Roboterhersteller Kuka spricht: "Normalerweise streitet man sich im Aufsichtsrat mit der Kapitalseite eines Unternehmens", sagt der Aufseher von der IG Metall. "Aber bei Kuka kommen wir dazu gar nicht. Die streiten sich ständig mit sich selbst."

Und das schon seit Jahren fast ununterbrochen. Doch glücklich sind Gewerkschafter wie Kerner über die zerstrittene Kapitalseite bei Kuka - Umsatz: 1,3 Milliarden Euro - in Augsburg nicht. Im Gegenteil. "Ich sag's Ihnen ganz ehrlich, mich kotzt das nur noch an", sagt ein Betriebsrat. "Ich habe hier jetzt 14 Vorstände erlebt. 14!! Hört dieser Wahnsinn denn nie auf?"

Anderswo in der deutschen Wirtschaft werden Vorstände eingestellt, damit sie arbeiten. In Augsburg, so scheint es, erhalten Manager Verträge, um sie dann öffentlich zu demontieren. Träge, untätig, planlos. Das sind die Worte, mit denen der Großaktionär, die Grenzebach GmbH, gestern die Kuka-Vorstände Horst Kayser und Matthias Rapp titulierte. Mitschuldig sei auch Aufsichtsratschef Rolf Bartke, der nehme die Versäumnisse der beiden "tatenlos" hin. Die Folge: Grenzebach hat eine außerordentliche Hauptversammlung beantragt. Bartke soll abgesetzt, anschließend ein neuer Vorstand installieren werden.

Komisch nur: Vor gerade einmal drei Wochen hatte Grenzebach noch auf einer Aufsichtsratssitzung Rolf Bartke das volle Vertrauen ausgesprochen.

Gar nicht komisch, heißt es bei Grenzebach, einer Maschinenbaufirma wie Kuka. Denn das Vertrauen in Bartke sei an eine Abmachung gekoppelt gewesen: Der Aufsichtsratschef sollte den Finanzvorstand Matthias Rapp entsorgen und durch einen internen Kandidaten, Stephan Schulak, ersetzen. Dies habe Bartke auch zugesagt. Doch drei Tage später gab Kuka nicht Schulaks Beförderung bekannt, sondern dessen Abgang. Rapp blieb, bei Grenzebach schäumten sie.

Es sind solche Nickeligkeiten, die eine der Traditionsfirmen des deutschen Maschinenbaus der Lächerlichkeit preisgeben. Gegründet 1898 als Acetylenfabrik, verlegten sich Johann Josef Keller und Jakob Knappich bald auf Schweißarbeiten. Sie entwickelten etwa die erste Punktschweißzange Deutschlands. Nach 1945 baute das Unternehmen Schweißroboter für Konzerne wie Volkswagen und Daimler-Benz. Aus "Keller und Knappich Augsburg" wurde "Kuka". Bis 1980 gehörte das Unternehmen zum Imperium der Quandts, lange Jahre als Teil des Industriekonzerns IWKA.

Nach Jahren der Querelen mit Aktionären sollte es 2008 endlich ruhiger werden. Kuka-Finanzvorstand Rapp selbst war es, der bei Grenzebach vorsprach. Ob der langjährige Kunde sich wohl vorstellen könne, als Aktionär bei Kuka einzusteigen? Grenzebach konnte. Und voller Freude verkündete Kuka, man habe einen neuen "Ankeraktionär" gefunden, der langfristig am Wohl von Kuka interessiert sei.

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