Führungskrise bei VW
Störfeuer und demonstrative Gelassenheit

Vor zehn Tagen brach die VW-Führungskrise aus. Seit Anfang dieser Woche mühen sich Konzern, Arbeitnehmer und Großaktionär Niedersachsen um eine Rückkehr zum Alltag. Dann meldet sich plötzlich Ex-Kanzler Schröder zu Wort.
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HannoverMartin Winterkorn lacht. Knapp eine Woche nach dem Salzburger Krisentreffen mit VW-Patriarch Ferdinand Piëch geht es am Mittwoch in Hannover endlich wieder um die Lieblingsthemen des Konzernchefs: Autos, Forschung, Innovation. Mit Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) will er eine Vereinbarung für ein neues Forschungszentrum des Fraunhofer-Instituts unterzeichnen, fototauglich auf einer Motorhaube.

Doch schon vor der Ankunft von „Wiko“, wie er intern genannt wird, gibt es bei den Gästen kein anderes Thema als den Machtkampf bei Europas größtem Autobauer. Volkswagen und Winterkorn bleiben trotzdem bei ihrer Linie der demonstrativen Gelassenheit.

„Es gibt nichts Neues. Sie sehen: Ich bin relativ gelassen“, sagt Winterkorn nach einer Rede über Dichter, Denker, Forscher und Ingenieure auf die Frage von Journalisten nach der Führungskrise. Es ist sein erster öffentlicher Auftritt nach der Sondersitzung des sechsköpfigen Aufsichtsratspräsidiums am vergangenen Donnerstag in Österreich.

Winterkorns Worte sind wohlüberlegt, er weicht kaum von seinem Manuskript ab. Wie also ist der Satz zu verstehen: „Das „Auto der Zukunft“ und die „Fabrik der Zukunft“ kann niemand im Alleingang entwickeln“? Ist es vielleicht auch ein versteckter Seitenhieb auf Piëchs Alleingang beim Angriff auf Winterkorn?

Längst liegt bei VW alles auf der Goldwaage. Am Wochenende sagte Winterkorn kurzfristig seinen Auftritt bei der Automesse in China ab – wegen eines grippalen Infekts, wie sein Umfeld versichert. Doch war dies tatsächlich der einzige Auslöser? Wollte sich Deutschlands bestbezahlter Dax-Vorstandsboss nicht möglicherweise auch die dortige delikate Situation vor den Kameras und Mikrofonen ersparen?

In den Tagen zuvor, als es nach der Kritik Piëchs im „Spiegel“ um Winterkorns Auftritte bei der Hannover Messe ging, hatte sein Umkreis noch versichert, der VW-Chef werde die Termine selbstredend wie geplant wahrnehmen - schließlich habe er in all den Jahren als Vorstandsvorsitzender noch nie krankheitsbedingt irgendwo gefehlt.

Just vor Winterkorns Auftritt in Hannover gibt es dann aber doch wieder Schlagzeilen, die die demonstrativ unverkrampfte Ruhe stören. In der „Bild“-Zeitung springt Altkanzler und Ex-VW-Aufseher Gerhard Schröder dem vermeintlichen Verlierer des Machtkampfes Piëch bei.

„Das Unternehmen braucht weiterhin seine Expertise, seine Kontakte und seine strategischen Fähigkeiten“, sagt Schröder über Piëch. Der VW-Aufsichtsrat würde einen großen Fehler machen, wenn er jetzt von seinem Vorsitzenden abrücken würde.

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