Führungskrise bei VW: Winterkorn will sich nicht abdrängen lassen

Führungskrise bei VW
Winterkorn will sich nicht abdrängen lassen

Mit dem Erfolgsduo Piëch und Winterkorn ist es aus. Der Aufsichtsratsvorsitzende sei auf „Distanz“ zum Konzernchef. Doch Winterkorn will nicht aufgeben, heißt es aus dem Unternehmen. Wie soll es nun weitergehen?
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WolfsburgPlötzlich ist bei Volkswagen nichts mehr, wie es war. Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch hat den Daumen über Vorstandschef Martin Winterkorn gesenkt. Es reichte dieser Satz des VW-Patriarchen im Nachrichtenmagazin „Spiegel“: „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn.“ Das Vertrauensverhältnis dürfte somit zerrüttet sein.

Damit scheint klar, dass Winterkorn nicht - wie eigentlich lange geplant - Piëchs Nachfolger an der Aufsichtsratsspitze wird. Doch kann er sich nun überhaupt noch als Vorstandchef halten? Wie werden die Top-Positionen bei Europas größtem Autobauer künftig besetzt?

Dabei ist es entscheidend, welche Rolle der Betriebsrat sowie das Land Niedersachsen als zweitwichtigster VW-Anteilseigner spielen werden. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh hatte Winterkorn demonstrativ den Rücken gestärkt, die Arbeitnehmerseite werde keine Personaldebatten mitmachen - das Wort Osterlohs hat Gewicht. Und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) kritisierte ungewohnt scharf: „Ich bin unangenehm überrascht über die zitierten Aussagen von Herrn Professor Piëch.“

Bei der nächsten VW-Aufsichtsratssitzung Ende April dürfte es intern hoch hergehen. Und schon am 5. Mai, zur VW-Hauptversammlung vor den Aktionären in Hannover, müssen Winterkorn und Piëch gemeinsam auf die Bühne. In der jetzigen Gemengelage scheint das kaum denkbar.

Winterkorn will sich einem Insider zufolge nicht von Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch aus dem Konzern drängen lassen. „Winterkorn wird nicht aufgeben, er wird weitermachen“, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Samstag aus Unternehmenskreisen. „Winterkorn hat starke Verbündete – Niedersachsen und den Betriebsrat.“ Auch die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ meldete unter Berufung auf Unternehmenskreise, dass sich Winterkorn nicht vom Hof jagen lasse. Der VW-Chef blicke auf eine außerordentlich erfolgreiche Managerkarriere zurück. So schnell werfe er den Bettel nicht hin.

Für eine Absetzung Winterkorns bräuchte es die Mehrheit von 11 Stimmen in dem 20-köpfigen Aufsichtsratsgremium. Doch die ist nicht in Sicht, denn neben den zehn Plätzen der Arbeitnehmerseite entfallen bei den Kapitalvertretern zwei Stimmen auf Niedersachsen. Das Land ist nach dem Familienclan Porsche/Piëch größter VW-Eigner.

Was steckt nun hinter Piëchs Äußerungen? Sind es, wie der „Spiegel“ mutmaßt, sachliche Gründe – oder gibt es auch persönliche Motive für die Entfremdung? Offensichtlich ist nur: der 77-Jährige Piëch hat das Vertrauen in den zehn Jahre jüngeren Vorstandschef verloren.

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