Führungskrise bleibt - Übernahmeversuche möglich
Daimler-Chrysler kommt nicht zur Ruhe

In der Führungskrise bei Daimler-Chrysler ist eine schnelle Lösung derzeit nicht in Sicht. Zetsche muss Mercedes aber wohl ohne Cordes sanieren. Mit dem Teilrückzug des Großaktionärs Deutsche Bank steigt zudem die Gefahr von feindlichen Übernahmeversuchen.

HB STUTTGART. Wie am Montag aus Konzernkreisen zu erfahren war, sind fast alle Topmanager, darunter Konzernchef Jürgen Schrempp, sein designierter Nachfolger Dieter Zetsche, Aufsichtsrats-Vize Erich Klemm und auch Cordes selbst, im Urlaub. Auch gebe es keine Vorbereitungen für eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung. Die Alternative, eine telefonische oder schriftliche Absprache des 20-köpfigen Gremiums, sei ebenfalls nicht in Sicht.

Aus Wut über die Nominierung von Chrysler-Chef Zetsche bot Cordes am Donnerstag dem Aufsichtsratsvorsitzenden Hilmar Kopper seinen Rücktritt an. Dies wurde von Aufsichtsräten bestätigt. Seither jedoch schweigen Cordes und der Konzern. Hinter den Kulissen laufen aber Gespräche, um die Hängepartie zu beenden. Ein Verbleib von Cordes an der Mercedes-Spitze erscheint für Kenner des Unternehmens aber fraglich.

Es sieht also so aus, dass Dieter Zetsche als Chef des Stuttgarter Autokonzerns Daimler-Chrysler nun sowohl ohne die Deutsche Bank als Großaktionär als auch wohl ohne Mercedes-Chef Eckhard Cordes auskommen muss.

Mit dem Teilrückzug der Deutschen Bank steigt für den Konzern nach Ansicht von Branchenexperten die Gefahr feindlicher Übernahmeversuche. Schrempp sagte dem „Focus“ jedoch, der Aktienverkauf der Deutschen Bank gefährde nicht die Eigenständigkeit von Daimler-Chrysler. Einen Angriff von Finanzinvestoren, den mancher Analyst für möglich hält, erwarte er nicht: „Das ist für uns kein Thema. Daimler-Chrysler ist heute an der Börse 40 Mrd. € wert.“

Die Bank hatte die erste Gelegenheit genutzt, ihre Beteiligung an Daimler-Chrysler auf 6,9 von 10,4 % abzubauen. Sie hat mehrfach die Absicht bekräftigt, sich von ihren Industriebeteiligungen zu trennen. „Für den Konzern sind zur Zeit alle Szenarien bis hin zu einer Zerschlagung denkbar“, sagte der Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft, Willi Diez, am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Hauptaufgabe für Zetsche werde sein, die Nobelmarke Mercedes möglichst schnell zu alter Ertragskraft zu führen, um die Börsenkapitalisierung zu erhöhen.

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