Führungsposition ausbauen
Boeing und Lufthansa starten mit 747 durch

Der amerikanische Flugzeughersteller Boeing will seine Führungsposition gegenüber Airbus weiter ausbauen. Der gemeinsam mit der Deutschen Lufthansa entwickelte neue Langstreckenflieger B 747-800 soll die Lücke zwischen dem größten Passagierflugzeug der Welt, der A380, und den nächstgrößeren Langstreckenmaschinen schließen.

SEATTLE. „Wir erwarten noch in diesem Jahr 15 weitere Kunden und über 100 weitere Bestellungen,“ sagte Scott Carson, Vorstandschef der Zivilflugzeugsparte von Boeing in Seattle.

Erster Kunde mit 20 Bestellungen sowie Optionen für 20 weitere ist Lufthansa. „Mit der neuen B747-800 ersetzen wir einerseits die älteren B747-400 und setzen andererseits auf Expansion“, sagte Nico Buchholz, Flottenstratege der Lufthansa. Die operativen Kosten lägen zudem rund 15 Prozent unter denen des Vorgängermodells. Die Lufthansa erwartet die neuen Jumbos, die laut Liste je 280 Mill. Dollar kosten, ab Oktober 2010. Als weitere Interessenten gelten aufgrund von Reichweite und Kapazität noch British Airways sowie die expansiven Fluggesellschaften Asiens: Cathay Pacific (Hongkong), Singapore Airlines, Emirates (Dubai) und ANA (Japan).

Für die Frachtversion der B747-800 liegen Boeing bereits 70 Bestellungen vor. Abnehmer der nach dem Aus für die Frachtversion des A380 größten Frachtmaschine der Welt sind unter anderem Cargolux, Nippon Cargo, Atlas Air und Emirates Sky Cargo. Der Frachter soll ab 2009 ausgeliefert werden.

Ein Verkaufsknüller wie der etwas kleinere Dreamliner, die B787, für die bereits über 700 Bestellungen vorliegen, wird die B747 aber nicht. Luftfahrtexperte Heinrich Grossbongardt erwartet insgesamt rund 250 Bestellungen: „Die neue B747 wird kein Bestseller, aber ein wirtschaftlicher Erfolg. Sie ist deutlich umweltverträglicher und wirtschaftlicher als das Vorgängermodell und kann es nahtlos ersetzen.“

Als Weiterentwicklung gilt die B747-800 nicht als der große Wurf. In ihren technischen Daten übertrifft die B747-800 das Vorgängermodell zwar deutlich. Die um 5,6 Meter verlängerte Maschine fasst rund 50 Passagiere mehr und hat neue Tragflächen und Triebwerke. Entsprechend sind Spritverbrauch und CO2-Ausstoß pro Passagier 16 Prozent niedriger. Beim Start verursacht die B 747-800 zudem rund ein Drittel weniger Lärm. Doch der Rumpf ist nicht wie beim Dreamliner überwiegend aus Verbundstoffen gefertigt und das Design, der charakteristische Buckel, ist 40 Jahre alt. „Die B747-800 ist ein Kompromiss, in die Flotte der Lufthansa passt sie aber perfekt“, räumt Buchholz ein.

Zum anderen nähert sich der Superzyklus der Flugzeughersteller dem Ende. Sowohl Boeing als auch der deutsch-französische Konkurrent Airbus schieben Rekordauftragsbestände vor sich her. Carson, der seit 37 Jahren für Boeing tätig ist, erklärte: „Der Höhepunkt ist überschritten.“ Beim Dreamliner etwa würden die schon vorliegenden Orders und die Gespräche mit American Airlines und Delta zwar eine zweite Produktionslinie erlauben, doch zögere Boeing noch aufgrund der Zyklen der Branche.

Und auch Buchholz, der Lufthansa-Flottenstratege und einst im Verkauf von Airbus tätig, erklärte in Seattle: „Der Investitionsstau der Flugzeuggesellschaften hat sich gelöst.“ Die Entscheidung etwa, ob die Lufthansa die A350 oder die B787 bestellen werde, sei nicht mehr in diesem Jahr zu erwarten. „Es besteht kein Handlungsdruck. Wir schauen uns beide Modelle eingehend an“, sagte Buchholz. Während er jetzt hier in Seattle sei, prüfe sein Team Details in Toulouse.

Tanja Kewes
Tanja Kewes
Handelsblatt / Chefreporterin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%