Führungsquerelen
Umbaupläne bei EADS konkreter

Bei EADS zeichnet sich nach einem ausdauernden Machtkampf ein baldiges Ende der Führungsquerelen ab: Co-Chef Noël Forgeard und Airbus-Chef Gustav Humbert sollen abgelöst werden.

FRANKFURT. In den Machtkampf beim deutsch-französisch geführten Luft- und Raumfahrtkonzern EADS kommt Bewegung. Verhandlungskreisen zufolge haben sich der deutsche Großaktionär Daimler-Chrysler sowie die französische Seite über einschneidende Änderungen im Management geeinigt. Demnach soll der im Zentrum der Kritik stehende Co-Vorstandschef Noël Forgeard abgelöst werden – eine Aktion, die der größte EADS-Einzelaktionär Daimler-Chrysler seit Tagen vorantreibt. Auch der deutsche Airbus-Chef Gustav Humbert soll im Zuge der Krise seinen Hut nehmen.

Nach Informationen der Handelsblatt-Partnerzeitung „La Tribune“ stehen jetzt zwei Szenarien zur Diskussion: Plan eins sieht vor, dass der Chef der französischen Staatsbahn, Louis Gallois, neben Thomas Enders Co-Vorstandschef des Konzerns wird. In diesem Fall bleibt die Führungsstruktur mit einer deutsch-französischen Doppelspitze wie bisher bestehen.

Bei Plan zwei wiederum würde Gallois Chef des Aufsichtsrats, während der Deutsche Thomas Enders vom Co-Vorstandschef zum alleinigen CEO aufrückt. Bisher stemmt sich Co-Aufsichtsratschef Arnaud Lagardère noch gegen den Plan, Staatsbahn-Chef Gallois als neuen Chairman bei EADS zu präsentieren, hieß es in Verhandlungskreisen. Lagardère bevorzuge die Doppelspitze. Daimler-Chrysler hält 22,5 Prozent der Anteile, der französische Staat 15 Prozent, Lagardère 7,5 Prozent.

Unterdessen müht sich die wichtigste EADS-Tochter Airbus nach den neuen Lieferverzögerungen beim Riesenjet A380 um Schadensbegrenzung. Der Flugzeugbauer diskutiert mit dem Großkunden Emirates Airlines über eine Aufstockung der A380-Bestellungen, um sein zwölf Mrd. Euro teures Vorzeigeprojekt wieder in besseres Licht zu rücken. Entsprechende Gespräche bestätigte Airbus-Manager Habib Fakih, Leiter der Niederlassung Middle East, gegenüber der Zeitung „Gulf News“: „Emirates und Airbus verhandeln darüber, unseren A340-600-Auftrag durch zusätzliche A380 und einige neue A350 zu ersetzen“, sagte er.

Emirates ist mit ihrer Ausrichtung auf Langstrecken größter Kunde der beiden Airbus-Baureihen A340 und A380. Allein die vakante Order über 20 Maschinen vom Typ A340-600 hat laut Listenpreis ein Volumen von mehr als vier Mrd. Dollar. Emirates-Präsident Tim Clark hat in den vergangenen Monaten mehrfach betont, der vierstrahlige Jet für bis zu 380 Passagiere müsse gründlich überarbeitet werden, um wenigstens annähernd die Effizienz der neu entwickelten 787-Familie von Boeing zu erreichen. Der Airbus-Rivale hat angekündigt, der „Dreamliner“ werde 20 Prozent weniger Kerosin verbrauchen als heutige, vergleichbare Flugzeuge.

Neben den Problemen um den Riesenjet A380 gilt die Airbus-Schwäche im umsatzstärksten Marktsegment der mittelgroßen Langstreckenjets als Hauptgrund für die ausufernde Führungskrise im deutsch-französisch geführten Mutterhaus EADS. Dem langjährigen Airbus-Lenker Forgeard wirft die deutsche Seite schwerwiegende strategische Fehler vor. So muss Airbus sein Langstrecken-Projekt A350 nach massiven Kundenprotesten komplett überarbeiten und möglicherweise bis zu fünf Mrd. Euro zusätzlich in eine komplette Neuentwicklung des 787-Konkurrenten stecken. Das Problem dabei: Eine komplett neu entwickelte A350 käme frühestens 2012 auf den Markt und damit mindestens zwei Jahre später als zunächst geplant.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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