Führungswechsel bei VW
Eiserner Weg

Mit Martin Winterkorn anstelle von Bernd Pischetsrieder an der Spitze kommt VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch seinem Traum einen großen Schritt näher: einem Volkswagen-Konzern in seiner Hand, der es mit dem weltbesten Autobauer Toyota aufnimmt.
  • 0

Den ersten öffentlichen Auftritt seit der Ernennung zum künftigen Vorstandsvorsitzenden von Volkswagen hatte sich Martin Winterkorn anders vorgestellt. Kurz vor der Verleihung des Goldenen Lenkrads durch "Bild am Sonntag" am vergangenen Mittwochabend musste der noch amtierende Audi-Chef zu einem Seifenkistenrennen in der Tiefgarage des Berliner Springer-Hochhauses antreten. Es ging gegen DaimlerChrysler-Lenker Dieter Zetsche, BMW-Vertriebsvorstand Michael Ganal - und vor allem gegen VW-Markenchef Wolfgang Bernhard. Die Ingenieure der vier Unternehmen hatten zehn Tage Zeit gehabt, ihren Chefs fahrbare Untersätze zu bauen.

Das Rennen lief für alle rund, nur der designierte Volkswagenchef patzte.

Ein technisches Problem mit der Lenkung ließ Winterkorn die Gewalt über seinen Renner verlieren und gegen eine Absperrung donnern.

Es dürfte wohl das letzte Duell gewesen sein, das Bernhard gegen Winterkorn gewann. Bei VW sitzt er allein am Lenkrad, Bernhard muss auf dem Beifahrersitz Platz nehmen, wenn überhaupt. Schon jetzt wird in der Branche gemunkelt, dass Bernhard bereits auf dem Absprung ist - zurück zu DaimlerChrysler, wo er den Führungsjob in Detroit bekommen könnte.

Bernhard weiß: Mit Winterkorn im Chefsessel wird Volkswagen endgültig zum Reich des amtierenden Aufsichtsratsvorsitzenden und früheren langjährigen Vorstandschef Ferdinand Piëch, dessen Familie den Sportwagenbauer Porsche inzwischen kontrolliert und auch größter Aktionär bei VW ist.

Im Bündnis mit IG Metall-Chef Jürgen Peters wird der 69-jährige Piëch künftig das Unternehmen weiter beherrschen. Fällt demnächst wie erwartet das VW-Gesetz, ist der Weg endgültig frei zum alles beherrschenden Großaktionär aufzusteigen. Piëch - der Henry Ford von Europa?

Die Tagesarbeit soll Piëch künftig sein treuer Gefolgsmann Winterkorn abnehmen. Der Ex-Audi-Chef passt in das Konzept, das Piëch und seinem Abgesandten im VW-Aufsichtsrat, Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, vorschwebt. Winterkorn wird vor allem versuchen, die Produktivität zu steigern und damit dem Vorzeigeautobauer Toyota nacheifern, dessen Produktionssystem weltweit als führend gilt.

Kommentare zu " Führungswechsel bei VW: Eiserner Weg"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%