Führungswechsel beim Autobauer
Aus für Bill Ford bringt Familie in die Defensive

Der Abgang von Bill Ford als Chef des zweitgrößten US-Autoherstellers Ford bedeutet für die Gründerfamilie mehr als das Ende einer Episode.

FRANKFURT. Das Scheitern des Urenkels von Firmengründer Henry Ford versperrt nach Meinung von Marktbeobachtern auf lange Zeit den Weg für Ford-Abkömmlinge an die Spitze des Autobauers. Nicht zuletzt mit Rücksicht auf den Namen Ford und die Familie habe Bill Ford viel zu zögerlich agiert und harte Einschnitte gescheut, lautet der Vorwurf. „Wir können von der Vergangenheit lernen, aber nicht von ihr leben“, hatte Bill Ford selbst einmal formuliert. Die Familienmitglieder, deren Vermögen in dem Unternehmen steckt, werden ihre Lehren aus dem Scheitern ziehen.

Schließlich war es der Ford-Clan, der Bill Ford mit seiner Macht 2001 an die Unternehmensspitze hievte. Noch immer geht in dem Konzern praktisch nichts gegen die Familie, die aber nach Aussagen aus dem Umfeld nicht immer einig ist. Die Familie besitzt zwar nur rund fünf Prozent der Aktien des Autobauers, aber 40 Prozent der Stimmrechte – zwei Familienmitglieder sitzen im Verwaltungsrat. Mit Bills Neffen Henry Ford III und dessen Cousine Elena Ford arbeiten zwar zwei Sprösslinge der Dynastie im Konzern – aber nur in der dritten Reihe.

Die Familie war auch die treibende Kraft, als der damalige Konzernchef Jacques Nasser, der sich relativ oft mit der Familie anlegte, abserviert wurde. Damit war der Weg für Bill Ford frei. Schon damals stand das Unternehmen mit dem Rücken zur Wand: Der Marktanteil in den USA sank Jahr für Jahr, Überkapazitäten ließen die Kosten explodieren. Der Verlust stieg 2001 auf knapp 5,5 Mrd. Dollar.

Bill Ford setzte zwar zum Befreiungsschlag an, schloss Fabriken und baute weltweit 35 000 Stellen ab. Doch die Maßnahmen wirkten nur kurzfristig: „Dem Markt hinterher zu sparen ist eben keine Strategie“, bemängelten Manager. Dass Ford nun mit dem Boeing-Manager Alan Mulally wieder einen Externen holt, gilt Marktbeobachtern auch als ein Zeichen dafür, dass Konzern und Familienbelange wieder stärker getrennt werden sollen. Zumindest wurde so die Aussage von Bill Ford gedeutet, dass innerhalb des Konzerns weiterhin alle Optionen geprüft würden, „aber mit Alan nun aus einer stärkeren Position heraus“.

Bill Ford war der dritte Familienspross an der Konzernspitze. Vor ihm führten nur Firmengründer Henry Ford und sein Sohn Henry Ford II das Unternehmen – immerhin 76 Jahre von 1903 bis 1979. Die fünf familienfremden Manager in der Zeit von 1979 bis 2001 hielten es im Schnitt nicht einmal fünf Jahre aus. Die starke Einmischung der Familie Ford wie bei Jacques Nasser war daran nicht unschuldig.

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