Führungswechsel
„Kuka stand bei vielen auf dem Speiseplan“

Der Augsburger Roboterhersteller Kuka wurde monatelang vom Streit zwischen Großaktionär, Vorstand und Aufsichtsrat geschüttelt. Nun steht überraschend der Investmentbanker Till Reuter an der Spitze. Im Interview spricht er erstmals über Hintergründe und Pläne.
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Handelsblatt: Herr Reuter, vor ein paar Wochen waren Sie noch Vollzeitinvestmentbanker. Jetzt führen Sie Kuka, einen Roboter- und Anlagenhersteller mit über 5 000 Mitarbeitern. Wie klappt die Umstellung?

Till Reuter: Sehr gut. Ich wusste ja vor meinem Einstieg, dass Kuka ein hervorragendes Unternehmen ist - mit tollen Mitarbeitern und klasse Produkten. Nur war die Führung lange Zeit abgelenkt vom operativen Geschäft. Das ist jetzt abgestellt.

HB: An der Ablenkung waren Sie nicht ganz unschuldig. Großaktionär Grenzebach hat über Monate die Absetzung ihres Vorgängers betrieben.

Reuter: Die Familie Grenzebach hat 85 Mio. Euro in Kuka investiert. Da ist es doch nur folgerichtig, dass man sich um das Wohl des Unternehmens sorgt. Dass ich jetzt den Vorstand übernehme, war auch der Wunsch der Arbeitnehmer.

HB: Die Arbeitnehmer wollten einen Investmentbanker zum Chef?

Reuter: Sie wollten, dass wir keine Zeit verlieren. Für die langfristige Unternehmensführung sind wir in Gesprächen mit sehr guten Kandidaten, die aber nicht sofort frei sind. Kurzfristig hätten wir einen Interimsvorstand einsetzen können. Doch bis der sich eingearbeitet hat, vergehen zwei, drei Monate. Die haben wir nicht. Ich kenne Kuka als Aufsichtsrat jetzt seit April 2009, weiß also, welche Themen sofort gelöst werden müssen. Deshalb bin ich hier.

HB: Welche Themen sind das?

Reuter: Kuka hat im zweiten Quartal seine Kreditvereinbarungen gebrochen. Wir müssen uns also auf neuer Grundlage refinanzieren. Dazu habe ich seit meinem Amtsantritt vor sechs Wochen eine Kapitalerhöhung durchgeführt. Das hilft schon sehr.

HB: Auch ihr Vorgänger wollte eine Kapitalerhöhung machen. Doch Grenzebach hat ihn abblitzen lassen.

Reuter: Das ist falsch. Grenzebach hat im Februar eine Kapitalerhöhung angeboten. Im Mai noch mal. Beide Male lehnte der Vorstand ab, obwohl damit der Bruch der Kreditklauseln und damit eine Verschärfung der Krise hätte vermieden werden können. Im September haben wir dann aus der Zeitung erfahren, dass nun doch eine Kapitalerhöhung geplant ist und Grenzebach sich beteiligen soll.

HB: Und da haben Sie auf stur gestellt.

Reuter: Zunächst: Ich bin jetzt Vorstand von Kuka und nicht mehr Berater von Grenzebach. Was ich Ihnen aber sagen kann: Der frühere Vorstand hat den Aufsichtsrat und die Aktionäre nur sehr selektiv von seinen Plänen informiert.

HB: Was wollte die alte Führung, das Sie nicht wollen?

Reuter: Man war dabei, eine AG zu schaffen, die keine Bodenhaftung hatte. Die beiden Sparten Robotics und Systems wurden nach und nach entleert, indem Funktionen in die Holding hochgezogen wurden.

HB: Was ist daran verkehrt?

Reuter: Sie schaffen damit eine Situation, in der die Kundenkontakte in den zwei Sparten sind, aber die Sparten gar nicht mehr entscheiden können. Denn die Verantwortlichkeiten liegen oben in der Holding. Das gibt nur unnötige Bürokratie. Man hat auch Themen wie Einkauf und IT der beiden Sparten zusammengelegt, obwohl sie ganz verschieden sind.

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