Führungswechsel
Opel-Chef Stracke steigt aus

Der Tag sollte im Zeichen des neuen Hoffnungsträgers, dem Kleinwagen Opel Adam, stehen. Doch dann überrascht der Rüsselsheimer Konzern mit der Meldung, dass Unternehmenschef Stracke geht. Das Chaos bei Opel ist perfekt.
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Frankfurt/Rüsselsheim/BerlinEigentlich sollte Karl-Friedrich Stracke heute auf der Branchenkonferenz Automobile des „Handelsblatts“ in München über die Zukunft von Opel sprechen. Doch der Opel-Chef kam nicht - und schickte Entwicklungschefin Rita Forst. Mittlerweile ist klar, warum: Der Opel-Chef ist überraschend von seiner Position als Opel-Vorstandsvorsitzender und Präsident von General Motors Europe zurückgetreten. Das teilte die Adam Opel AG am Donnerstag ohne Angabe von Gründen mit. Das Führungschaos bei Opel ist damit perfekt.

„Ich verlasse diese Position im Wissen, dass Opel/Vauxhall in eine gute Zukunft steuert - und freue mich, für GM andere Aufgaben zu übernehmen“, wurde Stracke in einer knappen Mitteilung des Unternehmens zitiert. GM-Vize Stephen Girsky, der auch dem Opel-Aufsichtsrat vorsitzt, wird die Geschäfte von GM in Europa kommissarisch leiten. Girsky ist der fünfte Manager innerhalb der vergangenen zehn Jahre, der Opel führt.

Gründe für den überraschenden Chefwechsel nannte das Unternehmen nicht. Stracke (56), der auch den Posten als Präsident von GM Europe abgab, werde Sonderaufgaben für den Autokonzern übernehmen. Worum es dabei genau geht, blieb offen. Stracke soll künftig direkt an GM-Chef Dan Akerson berichten. Stracke war erst im Januar 2012 zum Präsidenten des GM-Europageschäfts ernannt worden.

Der Verkauf des Autoherstellers ist laut einem Medienbericht seit Jahresbeginn massiv zurückgegangen. Wie die "Bild-Zeitung" unter Berufung auf Firmenkreise berichtet, sank der Absatz im ersten Halbjahr 2012 um rund acht Prozent. Ein Grund sei die Krise in Südeuropa, die zu deutlichen Verkaufseinbußen geführt habe. Das Management der Opel-Muttergesellschaft General Motors (GM) habe auch angesichts dieser Zahlen nicht mehr daran geglaubt, mit Karl-Friedrich Stracke an der Opel-Spitze die Wende zu schaffen, zitierte die Zeitung mit den Vorgängen vertraute Personen.

„Die Arbeitnehmervertreter erwarten nun, dass schnellstmöglich ein geeigneter Nachfolger gefunden wird, der die Adam Opel AG führt“, ließ Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug mitteilen. Opel-Strategiechef Thomas Sedran hat laut der „Allgemeinen Zeitung Mainz“ die besten Chancen, neuer Vorstandsvorsitzender zu werden. Der 47-Jährige werde vom GM-Management geschätzt, hieß es laut Zeitung in Unternehmenskreisen. Der Manager ist im Opel-Vorstand derzeit für den Bereich Strategie zuständig.

Ebenfalls unter Berufung auf Firmenkreise berichtet die "Bild-Zeitung" unterdessen von zwei Favoriten. Danach gelte neben Thomas Sedran auch der amtierende Opel-Produktionsvorstand Peter Thom als Kandidat für den Chefsessel. Über die Nachfolge könnte bereits zügig entscheiden werden.

Mit Girskys Benennung zum Präsidenten von GM Europe zeige der Autoriese laut Betriebsrat Schäfer-Klug, „dass das Europageschäft ein Eckpfeiler des Konzerns ist“. Es gelte nun, den Sanierungskurs bei Opel „im gegenseitigen Vertrauen fortzusetzen“, erklärte Schäfer-Klug.

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Zukunftsplan soll Bestand haben

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  • Opel hat schon lange wieder eine gute Qualität! GM ist an den schlechten Zahlen (auch) schuld. Solange GM die Daumen drauf hat und Opel ausserhalb Europas nicht exportieren darf, wird es auch nicht besser. Wir fahren seit Jahrzehnten Opel und waren immer zufrieden. Opel wird auch (von der Konkurrenz) niedergemacht. Völlig zu Unrecht! Dabei hatte Opel 09 mit dem Insigina und jetzt 2012 mit dem Ampera das "Auto des Jahres". Und wird trotzdem schlecht gemacht...und so viele plappern es nach...
    Es sieht so aus, als wolle GM gezielt Opel in den Ruin treiben. Weil an Magna verkaufen wollte man auch nicht - warum wohl? Weil sie die Opel-Technologie unter ihrem Namen an sich reißen wollen? Und Opel Europa an die Wand fahren will. Scheint von langer Hand geplant zu sein.

  • Die geringe Nachfrage nach Opel-Fahrzeugen ist nicht verwunderlich. Wer möchte schon ein Fahrzeug, womöglich noch einen Neuwagen, von einer Marke mit einem derartigen Negativ-Image kaufen. Selbst das Image der koreanischen Marken liegt mittlerweile über dem von Opel. Wie schnell es dann zu Ende gehen kann, hat das Beispiel Saab gezeigt. Ist das Vertrauen in die Zukunft eines Herstellers erstmal gründlich erschüttert, kauft da so schnell auch keiner mehr. Für Opel siehts düster aus.

  • Jeder Autokonzern will, jedes Jahr, seine Absatzzahlen steigern. Der Markt in Europa ist gesättigt!
    Nur die stärksten werden überleben. Opel gehört leider nicht dazu. In der Marktwirtschaft muss man, auch traurige, Wahrheiten akzeptieren!

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