Industrie

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Führungswechsel: Opel fürchtet den harten Sanierer

Die Opel-Mitarbeiter verlieren mit Karl-Friedrich Stracke einen wichtigen Fürsprecher. Als Chef setze er auf den Dialog - bis der Mutterkonzern GM die Geduld verlor. Nun fürchten die Opelaner den großen Kahlschlag.

Wer kommt? Opel wartet auf einen neuen Chef. Quelle: Reuters
Wer kommt? Opel wartet auf einen neuen Chef. Quelle: Reuters

DüsseldorfAdam hätte ein Lichtblick sein können. Der Kleinwagen in ansprechendem Design, von dem gestern erste Bilder präsentiert wurden, hätte ein Symbol für den Aufbruch werden können. Doch Adam stand gestern im Schatten einer Nachricht, die Opelaner deutschlandweit in Aufregung versetzte. Opel-Chef Stracke muss gehen, weil Mutterkonzern General Motors mal wieder die Geduld verloren hat. Mit Stracke geht der fünfte Opel-Chef in fünf Jahren. Er soll eine Sonderaufgabe bei GM übernehmen. In Russland, spekulieren einige Medien. Wie und mit wem es bei Opel weitergeht, ist noch offen.

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75 Jahre Opel-Mittelklasse Der lange Weg vom Kadett zum Astra

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Nur eins ist sicher: Mit Stracke verlieren die Opelaner einen ihrer wichtigsten Fürsprecher. Es war Stracke, der Ende Juni nach wochenlangen Verhandlungen einen Sanierungsplan präsentierte, der für Aufbruchsstimmung unter den Opelanern sorgen sollte: Höhere Investitionen, neue Modelle und Bestandsgarantien für die deutschen Werke - damit wollte Stracke für positive Schlagzeilen sorgen und so aus der Krise fahren. Keine 14 Tage später sind die Pläne reine Makulatur. Und das Chaos bei Opel nimmt erneut seinen Lauf.

Die europäischen Opel-Werke im Überblick

  • Die Ausgangslage

    Opel leidet unter sinkendem Absatz und teuren Überkapazitäten. Nun will der Autobauer in seinem Werk in Bochum keine kompletten Autos mehr bauen. Eine Übersicht über die Fertigungsstätten.

  • Bochum

    In Bochum liefen 2011 der Astra Classic und zwei Zafira-Modelle vom Band. Bis 2016 gibt es eine Bestandsgarantie. Danach soll die Autoproduktion eingestellt werden. Ein Logistikzentrum und eine Komponentenfertigung sollen dort verbleiben.

  • Rüsselsheim

    Am Stammsitz Rüsselsheim werden der Insignia sowie ein Astra-Modell (5-Türer) gefertigt. 13 800 Mitarbeiter sind am Standort beschäftigt, davon 3500 in der Produktion und 7000 im Bereich Entwicklung und Design.

  • Eisenach

    In Eisenach bauen knapp 1600 Beschäftigte den Corsa.

  • Kaiserslautern

    In Kaiserslautern bauen knapp 2700 Beschäftigte Komponenten, Motoren und Achsen.

  • Gleiwitz (Polen)

    In Gleiwitz läuft seit 2011 nur noch der Astra (bis 2010 auch der Zafira) vom Band; in Polen sind rund 3500 Menschen beschäftigt.

  • Saragossa (Spanien)

    Am Standort Saragossa fertigen rund 6100 Mitarbeiter den Corsa, den Meriva und den Combo.

  • Ellesmere Port (England)

    Etwa 2100 Mitarbeiter bauen für die Opel-Schwester Vauxhall in Ellesmere Port Astra-Modelle. Dort konnte das Management zuletzt rigide Sparmaßnahmen durchsetzen.

  • Luton (England)

    In Luton wird der Transporter Opel Vivaro von 1100 Beschäftigten gefertigt.

  • Sonstige

    Motoren und/oder Getriebe werden zudem in Szentgotthárd (Ungarn/660 Mitarbeiter) und Aspern (Österreich/1700) sowie in einem Joint Venture in Tychy (Polen) hergestellt. In Rüsselsheim und Turin hat der Hersteller Entwicklungszentren.

    Bereits geschlossen wurde das Werk Antwerpen mit zuletzt mehreren tausend Mitarbeitern.

Strackes Entlassung ist keine gute Nachricht für die Opel-Belegschaft. Mit dem Abgang von Stracke dürfte den Opelanern ein harter Sanierungskurs ins Haus stehen. Offiziell schweigt sich das Unternehmen über die Gründe für den Wechsel an der Spitze aus. Vorerst übernimmt GM-Vize Stephen Girsky. Doch die Suche nach einem Nachfolger hat begonnen.

150 Jahre Opel Nähmaschinen, Laubfrosch und Raketenantrieb

  • 150 Jahre Opel: Nähmaschinen, Laubfrosch und Raketenantrieb
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„Die Arbeitnehmervertreter erwarten nun, dass schnellstmöglich ein geeigneter Nachfolger gefunden wird, der die Adam Opel AG führt“, ließ Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug mitteilen. Beste Chancen hat Opel-Strategiechef Thomas Sedran. Der ehemalige Unternehmensberater war erst vor wenigen Monaten in den Vorstand gewechselt. Der Druck des amerikanischen Mutterkonzerns ist groß: 2011 soll Opel einen Verlust von rund einer Milliarde Euro eingefahren haben. Weil die Absatzzahlen im ersten Halbjahr 2012 erneut katastrophal ausfallen, bliebe auch dem neuen Chef wohl keine andere Wahl, als Kapazitäten abzubauen.

Das jahrelange Ringen von Opel

  • 2001

    Der erfolglose Opel-Vorstandschef Robert Hendry muss das Handtuch werfen. Sein Nachfolger Carl-Peter Forster versucht, mit dem europaweit angelegten „Restrukturierungsprogramm Olympia“ die Tochter des US-Autobauers General Motors (GM) wieder profitabel zu machen.

  • 2004

    GM legt im Oktober einen drastischen Sparplan für die europäische Tochter vor, der den Abbau von 12.000 Arbeitsplätzen vorsieht - davon bis zu 10.000 in Deutschland. Die Arbeiter im Bochumer Werk legen aus Protest spontan die Arbeit nieder.

  • 2005

    Der Betriebsrat und das Opel-Management unterschreiben einen „Zukunftsvertrag“, der die Existenz der Werke in Rüsselsheim, Bochum und Kaiserslautern bis 2010 sichern soll.

  • 2008

    Nach Absatzeinbruch und massiven Verlusten bittet Opel als erster deutscher Autohersteller den Staat um Hilfe. Eine Bürgschaft von Bund und Ländern soll das Unternehmen stützen.

  • 2009

    Um nicht in den Strudel der GM-Insolvenz zu geraten, arbeitet Opel an einem Konzept zur Trennung von dem schwer angeschlagenen Mutterkonzern. Zwei Tage vor der GM-Pleite am 1. Juni einigen sich Bund, Länder, GM und das US-Finanzministerium nach langem Poker mit dem österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna auf ein Rettungskonzept. Im November beschließt GM, Opel doch zu behalten.

  • 2010

    Der als harter Sanierer bekannte Nick Reilly wird Opel-Chef. Im Zuge seines Sanierungskurses macht Opel im Oktober das Werk im belgischen Antwerpen mit einst 2500 Beschäftigten dicht. Von den 48.000 Stellen in Europa werden insgesamt 8000 abgebaut.

  • 2011

    Der bisherige GM-Chefentwickler Karl-Friedrich Stracke löst Reilly ab, der Chef des GM-Europageschäfts wird. Im zweiten Quartal verzeichnet Opel erstmals seit Jahren wieder einen Gewinn. Im dritten Quartal rutscht der Autobauer aber zurück in die roten Zahlen.

  • 2012

    Während GM in Nordamerika einen Rekordgewinn einfährt, verbucht der Konzern in Europa einen Verlust von mehreren hundert Millionen Euro. Das Europageschäft besteht überwiegend aus Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall.

Der mühsam errungene Betriebsfrieden ist in Gefahr, das aufgebaute Vertrauen zwischen Konzern und Belegschaft scheint dahin. Die Gewerkschaften bringen sich bereits für einen anstehenden Konflikt in Stellung. Es sei dringend notwendig, den Wachstumskurs umzusetzen und eine Kahlschlagpolitik zu vermeiden, warnt der Betriebsrat des Opel-Werkes Bochum. „Wir brauchen dringend eine Öffnung der außereuropäischen Märkte und eine neue Modelloffensive“, unterstreicht der Chef des Betriebsrats, Rainer Einenkel. Sonst drohe ein nicht reparabler Imageschaden für die Marke Opel.

Opel-Modelle

Autoexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) mahnt darum zur Besonnenheit. "Der neue Chef muss gemeinsam mit den Gewerkschaften nach einer Lösung suchen". Durch Zusagen, die unter Stracke gemacht wurden, bleibt dem neuen Opel-Chef auch nichts anderes übrig. Vor allem müsse der neue Chef weitere Negativmeldungen vermeiden, sagt Bratzel. Besonders bei den jungen Autofahrern sei Opel seit Jahren die unbeliebteste Marke.

Um einen Kapazitätsabbau in Europa kommen die Rüsselsheimer wohl nicht umhin. "Opel muss seine Kostenstruktur dringend anpassen", sagt auch Experte Bratzel. Welchen Kurs auch immer der neue Chef einschlage: Für Opel, da ist Bratzel überzeugt, ist es die letzte Chance. "Dieser Schuss muss sitzen".

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Preise nannte Opel noch nicht. Allerdings soll der Adam nach Informationen aus Unternehmenskreisen ein paar hundert Euro weniger als der vergleichbare Corsa kosten, womit der Startpreis bei rund 11.500 Euro liegen dürfte.

Bild: Pressefoto

  • 13.07.2012, 16:58 UhrEnergieelite

    GM hat mit seinen deutschen defizitären Produktionsstandorten klare Pläne , die hat der Opel Deutschland Chef umzusetzen .
    Wenn er das nicht will muss er den platz für einen andern frei machen .
    Opel wird Bochum schließen und darüber hinaus wird die Produktion der nachfrage angepasst .
    Das heißt Entlassungen !

  • 13.07.2012, 16:54 UhrEnergieelite

    Fachkräfte !
    Die aber haben Opel längst verlassen , das was jetzt noch da ist fällt durch das sieb .

  • 13.07.2012, 16:11 UhrStubi

    Opel ist voellig unwichtig - ausser fuer Opel natuerlich. Warum verwenden die Medien so viel Zeit damit? Porsche boomt, VW boomt, BMW boomt... - niemand braucht Opel.

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