Führungswechsel
Opel fürchtet den harten Sanierer

Die Opel-Mitarbeiter verlieren mit Karl-Friedrich Stracke einen wichtigen Fürsprecher. Als Chef setze er auf den Dialog - bis der Mutterkonzern GM die Geduld verlor. Nun fürchten die Opelaner den großen Kahlschlag.
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DüsseldorfAdam hätte ein Lichtblick sein können. Der Kleinwagen in ansprechendem Design, von dem gestern erste Bilder präsentiert wurden, hätte ein Symbol für den Aufbruch werden können. Doch Adam stand gestern im Schatten einer Nachricht, die Opelaner deutschlandweit in Aufregung versetzte. Opel-Chef Stracke muss gehen, weil Mutterkonzern General Motors mal wieder die Geduld verloren hat. Mit Stracke geht der fünfte Opel-Chef in fünf Jahren. Er soll eine Sonderaufgabe bei GM übernehmen. In Russland, spekulieren einige Medien. Wie und mit wem es bei Opel weitergeht, ist noch offen.

Nur eins ist sicher: Mit Stracke verlieren die Opelaner einen ihrer wichtigsten Fürsprecher. Es war Stracke, der Ende Juni nach wochenlangen Verhandlungen einen Sanierungsplan präsentierte, der für Aufbruchsstimmung unter den Opelanern sorgen sollte: Höhere Investitionen, neue Modelle und Bestandsgarantien für die deutschen Werke - damit wollte Stracke für positive Schlagzeilen sorgen und so aus der Krise fahren. Keine 14 Tage später sind die Pläne reine Makulatur. Und das Chaos bei Opel nimmt erneut seinen Lauf.

Strackes Entlassung ist keine gute Nachricht für die Opel-Belegschaft. Mit dem Abgang von Stracke dürfte den Opelanern ein harter Sanierungskurs ins Haus stehen. Offiziell schweigt sich das Unternehmen über die Gründe für den Wechsel an der Spitze aus. Vorerst übernimmt GM-Vize Stephen Girsky. Doch die Suche nach einem Nachfolger hat begonnen.

„Die Arbeitnehmervertreter erwarten nun, dass schnellstmöglich ein geeigneter Nachfolger gefunden wird, der die Adam Opel AG führt“, ließ Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug mitteilen. Beste Chancen hat Opel-Strategiechef Thomas Sedran. Der ehemalige Unternehmensberater war erst vor wenigen Monaten in den Vorstand gewechselt. Der Druck des amerikanischen Mutterkonzerns ist groß: 2011 soll Opel einen Verlust von rund einer Milliarde Euro eingefahren haben. Weil die Absatzzahlen im ersten Halbjahr 2012 erneut katastrophal ausfallen, bliebe auch dem neuen Chef wohl keine andere Wahl, als Kapazitäten abzubauen.

Der mühsam errungene Betriebsfrieden ist in Gefahr, das aufgebaute Vertrauen zwischen Konzern und Belegschaft scheint dahin. Die Gewerkschaften bringen sich bereits für einen anstehenden Konflikt in Stellung. Es sei dringend notwendig, den Wachstumskurs umzusetzen und eine Kahlschlagpolitik zu vermeiden, warnt der Betriebsrat des Opel-Werkes Bochum. „Wir brauchen dringend eine Öffnung der außereuropäischen Märkte und eine neue Modelloffensive“, unterstreicht der Chef des Betriebsrats, Rainer Einenkel. Sonst drohe ein nicht reparabler Imageschaden für die Marke Opel.

Autoexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) mahnt darum zur Besonnenheit. "Der neue Chef muss gemeinsam mit den Gewerkschaften nach einer Lösung suchen". Durch Zusagen, die unter Stracke gemacht wurden, bleibt dem neuen Opel-Chef auch nichts anderes übrig. Vor allem müsse der neue Chef weitere Negativmeldungen vermeiden, sagt Bratzel. Besonders bei den jungen Autofahrern sei Opel seit Jahren die unbeliebteste Marke.

Um einen Kapazitätsabbau in Europa kommen die Rüsselsheimer wohl nicht umhin. "Opel muss seine Kostenstruktur dringend anpassen", sagt auch Experte Bratzel. Welchen Kurs auch immer der neue Chef einschlage: Für Opel, da ist Bratzel überzeugt, ist es die letzte Chance. "Dieser Schuss muss sitzen".

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  • GM hat mit seinen deutschen defizitären Produktionsstandorten klare Pläne , die hat der Opel Deutschland Chef umzusetzen .
    Wenn er das nicht will muss er den platz für einen andern frei machen .
    Opel wird Bochum schließen und darüber hinaus wird die Produktion der nachfrage angepasst .
    Das heißt Entlassungen !

  • Fachkräfte !
    Die aber haben Opel längst verlassen , das was jetzt noch da ist fällt durch das sieb .

  • Opel ist voellig unwichtig - ausser fuer Opel natuerlich. Warum verwenden die Medien so viel Zeit damit? Porsche boomt, VW boomt, BMW boomt... - niemand braucht Opel.

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