Führungswechsel Opel fürchtet den harten Sanierer

Die Opel-Mitarbeiter verlieren mit Karl-Friedrich Stracke einen wichtigen Fürsprecher. Als Chef setze er auf den Dialog - bis der Mutterkonzern GM die Geduld verlor. Nun fürchten die Opelaner den großen Kahlschlag.
Update: 13.07.2012 - 14:08 Uhr 9 Kommentare
Wer kommt? Opel wartet auf einen neuen Chef. Quelle: Reuters

Wer kommt? Opel wartet auf einen neuen Chef.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfAdam hätte ein Lichtblick sein können. Der Kleinwagen in ansprechendem Design, von dem gestern erste Bilder präsentiert wurden, hätte ein Symbol für den Aufbruch werden können. Doch Adam stand gestern im Schatten einer Nachricht, die Opelaner deutschlandweit in Aufregung versetzte. Opel-Chef Stracke muss gehen, weil Mutterkonzern General Motors mal wieder die Geduld verloren hat. Mit Stracke geht der fünfte Opel-Chef in fünf Jahren. Er soll eine Sonderaufgabe bei GM übernehmen. In Russland, spekulieren einige Medien. Wie und mit wem es bei Opel weitergeht, ist noch offen.

Nur eins ist sicher: Mit Stracke verlieren die Opelaner einen ihrer wichtigsten Fürsprecher. Es war Stracke, der Ende Juni nach wochenlangen Verhandlungen einen Sanierungsplan präsentierte, der für Aufbruchsstimmung unter den Opelanern sorgen sollte: Höhere Investitionen, neue Modelle und Bestandsgarantien für die deutschen Werke - damit wollte Stracke für positive Schlagzeilen sorgen und so aus der Krise fahren. Keine 14 Tage später sind die Pläne reine Makulatur. Und das Chaos bei Opel nimmt erneut seinen Lauf.

Strackes Entlassung ist keine gute Nachricht für die Opel-Belegschaft. Mit dem Abgang von Stracke dürfte den Opelanern ein harter Sanierungskurs ins Haus stehen. Offiziell schweigt sich das Unternehmen über die Gründe für den Wechsel an der Spitze aus. Vorerst übernimmt GM-Vize Stephen Girsky. Doch die Suche nach einem Nachfolger hat begonnen.

„Die Arbeitnehmervertreter erwarten nun, dass schnellstmöglich ein geeigneter Nachfolger gefunden wird, der die Adam Opel AG führt“, ließ Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug mitteilen. Beste Chancen hat Opel-Strategiechef Thomas Sedran. Der ehemalige Unternehmensberater war erst vor wenigen Monaten in den Vorstand gewechselt. Der Druck des amerikanischen Mutterkonzerns ist groß: 2011 soll Opel einen Verlust von rund einer Milliarde Euro eingefahren haben. Weil die Absatzzahlen im ersten Halbjahr 2012 erneut katastrophal ausfallen, bliebe auch dem neuen Chef wohl keine andere Wahl, als Kapazitäten abzubauen.

Der mühsam errungene Betriebsfrieden ist in Gefahr, das aufgebaute Vertrauen zwischen Konzern und Belegschaft scheint dahin. Die Gewerkschaften bringen sich bereits für einen anstehenden Konflikt in Stellung. Es sei dringend notwendig, den Wachstumskurs umzusetzen und eine Kahlschlagpolitik zu vermeiden, warnt der Betriebsrat des Opel-Werkes Bochum. „Wir brauchen dringend eine Öffnung der außereuropäischen Märkte und eine neue Modelloffensive“, unterstreicht der Chef des Betriebsrats, Rainer Einenkel. Sonst drohe ein nicht reparabler Imageschaden für die Marke Opel.

Autoexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) mahnt darum zur Besonnenheit. "Der neue Chef muss gemeinsam mit den Gewerkschaften nach einer Lösung suchen". Durch Zusagen, die unter Stracke gemacht wurden, bleibt dem neuen Opel-Chef auch nichts anderes übrig. Vor allem müsse der neue Chef weitere Negativmeldungen vermeiden, sagt Bratzel. Besonders bei den jungen Autofahrern sei Opel seit Jahren die unbeliebteste Marke.

Um einen Kapazitätsabbau in Europa kommen die Rüsselsheimer wohl nicht umhin. "Opel muss seine Kostenstruktur dringend anpassen", sagt auch Experte Bratzel. Welchen Kurs auch immer der neue Chef einschlage: Für Opel, da ist Bratzel überzeugt, ist es die letzte Chance. "Dieser Schuss muss sitzen".

Ein Kleinstwagen als Zukunftshoffnung
mid Düsseldorf - Der Opel Adam ist ein eleganter Kleinwagen, der Anfang 2013 in den Handel kommt. Oder ist der Kleinwagen doch nur ein hedonistisches
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Der Opel Adam ist ein eleganter Kleinwagen, der Anfang 2013 in den Handel kommt. Oder ist der Kleinwagen doch nur ein hedonistisches Lifestyle-Spielzeug?

Preise nannte Opel noch nicht. Allerdings soll der Adam nach Informationen aus Unternehmenskreisen ein paar hundert Euro weniger als der vergleichbare Corsa kosten, womit der Startpreis bei rund 11.500 Euro liegen dürfte.

Der neue Opel ADAM: absolut einzigartig
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Von "kraftvollem, muskulösem Design" schreibt das Opel-Marketing und meint damit die ausgeprägten Sicken und Kanten an den Seitenflächen und der Motohaube des Adam.

mid Rüsselsheim - Der Innenraum des Opel Adam soll einen hochwertigen Eindruck hinterlassen. Der Hersteller bietet zahllose Individualisierungsmöglich
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Der Innenraum soll einen hochwertigen Eindruck hinterlassen. Der Hersteller bietet zahllose Individualisierungsmöglichkeiten.

mid Rüsselsheim - Opel bringt im Januar 2013 den 3,7 Meter langen Adam in den Handel. Der Dreitürer begründet eine neue Modellreihe unterhalb des Opel
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Opel bringt im Januar 2013 den 3,7 Meter langen Adam in den Handel. Der Dreitürer begründet eine neue Modellreihe unterhalb des Opel Corsa. Ausschließlich als Dreitürer lieferbar, gibt es den Wagen zunächst mit drei Benzinern, die eine Leistungsspanne von 51 kW/70 PS bis 74 kW/100 PS abdecken.

Alle Motoren sind nach Herstellerangaben mit einer Fünfgang-Automatik gekoppelt und können auf Wunsch auch mit Start-Stopp-Funktion bestellt werden. Später soll eine neue Generation kleinerer Benzindirekteinspritzer mit Turboaufladung folgen. Dieselmotoren sind vorerst nicht geplant.

mid Rüsselheim - Die Armatureneinheit des Opel Adam spielt mit Licht und Chromverzierung eigentlich in einer höheren Liga.
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Die Armatureneinheit spielt mit Licht und Chromverzierung eigentlich in einer höheren Liga.

Opel positioniert im Januar den Adam gegen Lifestyle-Modelle wie den Mini oder Fiat 500. Bei den Ausstattungsoptionen sollen Kunden eine breite Auswahl haben. Foto: Opel
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Kleiner Flitzer mit vielen Extras: Opel positioniert den Adam gegen Lifestyle-Modelle wie den Mini oder Fiat 500.

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Wie beim Audi A1 und einigen anderen Kleinwagen bieten die Hersteller mittlerweile Zweifarblackierungen an, bei denen das Dach sich deutlich vom Rest des Wagens abhebt.

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9 Kommentare zu "Führungswechsel: Opel fürchtet den harten Sanierer"

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  • GM hat mit seinen deutschen defizitären Produktionsstandorten klare Pläne , die hat der Opel Deutschland Chef umzusetzen .
    Wenn er das nicht will muss er den platz für einen andern frei machen .
    Opel wird Bochum schließen und darüber hinaus wird die Produktion der nachfrage angepasst .
    Das heißt Entlassungen !

  • Fachkräfte !
    Die aber haben Opel längst verlassen , das was jetzt noch da ist fällt durch das sieb .

  • Opel ist voellig unwichtig - ausser fuer Opel natuerlich. Warum verwenden die Medien so viel Zeit damit? Porsche boomt, VW boomt, BMW boomt... - niemand braucht Opel.

  • Wenn ich diesen Quatsch lese:
    Autoexperte Bratzel (CAM) mahnt darum zur Besonnenheit. "Der neue Chef muss gemeinsam mit den Gewerkschaften nach einer Lösung suchen".
    Wenn der neue "Chef" die Lösung erst noch suchen muss, und zusammen mit der Gewerkschaft, empfehle ich, Opel gleich einzustampfen.
    Opel ist ein klassischer Sanierungsfall, Herr Experte. Wenn der Sanierer nicht weiß, wo, wie und wann Anpassungen vorzunehmen sind, um in die Gewinnzone zu gelangen, ist er fehl am Platz. Dieses strategische Vorgehen ist Aufgabe der Unternehmensführung bzw. Anteilseigner; erforderlichenfalls mit einer Stimme mehr im Aufsichtsrat.

  • Dieses permanente Geseier über diesen Versagerladen geht mir auf den Sack, überall dieser Aufriss in den Medien... Schleckerfrauen nun auch bei Opel....Fakt ist, der Laden ist krank und und wird verschwinden, wie viele andere Autohersteller auch. Rover, Saab etc.. Es hilft auch nicht, dass da wieder Wählerstimmen heischende Schwachsinnspolitiker angehüpft kommen und einen Autobauer als systemrelevant erklären. Denn es gibt zuviele Autobauer auf der Welt...ganz einfach.

  • Opel darf nur in Europa aktiv sein ,während GM mit der Global agierenden Tochter Chevrolet massiv in den Europäischen Markt drängt und dabei fast Baugleiche Modelle günstiger anbietet.In Rüsselsheim wird ordentliche Technik entwickelt und dann von der hauseigenen Konkurrenz zu Kampfpreisen angeboten.In den von Opel bedienten Fahrzeugklassen entscheidet eben nicht unbedingt das Markenimage , sondern hauptsächlich der Kostenfaktor.So kann man ein Geschäft auch kaputtmachen.Logische Konsequenz wäre das Opel zukünftig ein anderes Emblem auf seine Fahrzeuge klebt.

  • Wer braucht schon Opel? Es bestehen nun einmal Überkapazitäten in Europa. Da helfen nur Werkschließungen.

  • Keine Sorge liebe Opel-Mitarbeiter! In Deutschland herrscht Fachkräftemangel! Laut DWI haben sie also nicht zu befürchten und finden sofort wieder einen neuen Job!

  • Eines wird immer klarer: Der Betriebsrat war in der GM-Krise einfach saublöd. Anstatt die Insolvenz als Chance zu begreifen, endlich von GM loszukommen, wurde genau das Gegenteil gemacht und nur nach Subventionen gerufen. Opel bzw. die Werke sind nicht mehr zu retten. GM betreibt Downsizing, ist hilflos und macht Opel seit Jahrzehnten willkürlich kaputt. Begreifen kann man das schon lange nicht mehr. Aber die Opel-Mitarbeiter hatten ihre Chance. Mit der Verhinderung der Insolvenz haben sie im Verbund mit idiotischer deutscher Politik genauso versagt wie das US-amerikanische Management. Goodbye Opel!

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