Führungswechsel
Volkswagen gibt Rätsel auf

Nach dem überraschenen Führungswechsel im Volkswagen-Konzern schießen die Spekulationen über die Gründe ins Kraut. Warum muss Bernd Pischetsrieder gehen, wo die Sanierung der Kernmarke doch gerade anschlägt? Was ist mit VW-Markenchef Wolfgang Bernhard, der als Nachfolger gehandelt wurde? Und wie sieht die weitere Strategie aus? Erklärungsversuche.

HB FRANKFURT. VW hatte am Dienstagabend ohne Angabe von Gründen mitgeteilt, Pischetsrieder solle zum 1. Janur 2007 durch den Chef der erfolgreichen Konzerntochter Audi, Martin Winterkorn, ersetzt werden. „Warum geht jemand, dessen Vertrag vor gerade einmal sechs Monaten um fünf Jahre verlängert wurde?“ fragt ein VW-Experte einer Frankfurter Bank.

Im Mai dieses Jahres stand Pischetsrieder bereits einmal auf der Kippe. Öffentliche Bemerkungen Piëchs, eine Vertragsverlängerung für den Konzernchef könnte am Widerstand der Arbeitnehmerseite scheitern, wurden allgemein als Versuch gewertet, Pischetsrieder zu demontieren. Schließlich hatte der Aufsichtsrat doch einer Vertragsverlängerung um 5 Jahre bis 2012 zugestimmt.

Das Nachrichtenmagazin „Focus“ meldete in seiner Onlineausgabe unter Berufung auf Aufsichtsratskreise, das VW-Kontrollgremium unter Führung des früheren Konzernchefs Ferdinand Piech habe den Wechsel erzwungen. In der Sondersitzung am Dienstag hätten sich fünf der sechs Mitglieder des Präsidiums gegen Pischetsrieder ausgesprochen. Insbesondere die Arbeitnehmervertreter hätten gegen Pischetsrieder argumentiert, weil sie sich in den Ende September abgeschlossenen Verhandlungen über das Sanierungsprogramm für die Kernmarke VW schlecht behandelt gefühlt hätten. Allein Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) habe sich auf der Sitzung für den VW-Chef ausgesprochen.

Die Nachrichtenagentur Reuters will dagegen von „einer mit der Situation bei dem Wolfsburger Autobauer vertrauten Person aus der Branche“ erfahren haben, dass die Entscheidung zum Rückzug Pischetsrieders im Aufsichtsratspräsidium sei einstimmig gefallen. „Die Entscheidung fiel sechs zu null aus“, zitiert Reuters die Person am Mittwoch.

Pischetsrieder habe in der Sondersitzung zunächst bekräftigt, dass er als Vorstandsvorsitzender des größten europäischen Autobauers weitermachen wolle und erklärt, das Unternehmen sei auf gutem Weg. Erst als der VW-Chef gemerkt habe, dass eine klare Mehrheit gegen ihn war, habe er sich bereit erklärt, zum Jahresende zurückzutreten. Aus Rücksicht auf das Unternehmen wolle er eine öffentliche Debatte um seine Person und einen Machtkampf innerhalb des Konzerns vermeiden, heißt es bei „Focus Online“.

Die „Bild“-Zeitung berichtete von einer „stürmischen“ Sitzung und zitierte einen Insider mit den Worten „Das ist die Machtübernahme durch Piech und Porsche!“ Porsche ist größter VW-Aktionär; Piech wiederum ist an Porsche beteiligt.

Analysten der Schweizer Credit Suisse sehen mehrere strategische Differenzen zwischen Pischetsrieder und seinem Aufsichtsratschef Piech. Denkbar sei ein Zerwürfnis über die künftige Nutzfahrzeug-Strategie. Derzeit tobt ein Übernahmekampf um den schwedischen Lkw-Hersteller Scania, den MAN aufkaufen will. An beiden Unternehmen ist VW beteiligt. Pischetsrieder wollte das VW-eigene Geschäft mit schweren Lastwagen, die in Brasilien produziert werden, in ein Dreierbündnis einbringen.

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