Führungswechsel
Wie der neue EnBW-Chef den Konzern auf Kurs bringen soll

Nach sechs Monaten des Wartens darf der neue EnBW-Chef am Montag sein Amt antreten. Die Erwartungen sind hoch. Er soll nicht nur ein Konzept zur Energiewende entwickeln, sondern gleich den ganzen Konzern neu ausrichten.
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Stuttgart, DüsseldorfVor einer Woche hat sich Frank Mastiaux endlich aus der Deckung gewagt. An einem vertraulichen Ort traf der neue Chef der Energie Baden-Württemberg (EnBW) seine vier künftigen Kollegen im Vorstand für einen ersten Austausch über die Aufgaben, die ihn beim Amtsantritt am kommenden Montag erwarten. In den vergangenen sechs Monaten saß der 48-jährige wie auf heißen Kohlen. Sein Ex-Arbeitgeber Eon hatte nach der Bekanntgabe des Wechsels Ende März aus „Compliance- und Wettbewerbsgründen“ auf sechs Monaten Karenzzeit bestanden.

Mastiaux konnte nur tatenlos zusehen, wie sich sein Vorgänger, Hans-Peter Villis, mühte, die Folgen des Atomausstiegs abzumildern, ohne die Strategie des Neuen vorwegzunehmen. Er musste zusehen, wie die EnBW durch die dubiosen Geschäfte mit dem russischen Lobbyisten Andrej Bykow in den Verdacht der Korruption geriet. Und fast täglich las er über die politische und juristische Aufarbeitung des teuren Einstiegs des Landes Baden-Württemberg unter Ex-Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) bei der EnBW.

Zumindest konnte sich Mastiaux in Ruhe ein Bild davon machen, wie groß die neue Aufgabe ist: Er soll dem von der Energiewende gebeutelten drittgrößten deutschen Energiekonzern eine neue Perspektive geben, die Finanzen in den Griff bekommen, das angekratzte Image aufpolieren und dabei gleich zwei anspruchsvolle, aber sehr unterschiedliche Eigner zufriedenstellen: Die grün-rote Landesregierung und den eher konservativen Zweckverband Oberschwäbischer Elektrizitätswerke (OEW). Beide Hauptaktionäre halten jeweils 46,5 Prozent.

Mastiaux bekommt zwar große Vorschusslorbeeren. Im Einklang mit dem OEW habe das Land „eine hervorragende Neubesetzung“ gefunden, sagte Wirtschafts- und Finanzminister Nils Schmid dem Handelsblatt.

Genauso groß sind aber auch die Ansprüche: „Wir erwarten von ihm Impulse für die Entwicklung der dezentralen Energieversorgung mit erneuerbaren Energien“, sagt der schwäbische Superminister mit Sitz im EnBW-Aufsichtsrat. Und nicht nur das. Der gebürtige Essener soll ein „Konzept für die Industrialisierung der Energiewende“ erstellen. Denn das ist der Ehrgeiz der grün-roten Regierung: Sie will Musterländle für die Energiewende werden. „Es geht nicht darum, irgendwo ein einzelnes Windrad oder Blockheizkraftwerk hinzustellen, sondern um Geschäftsmodelle, die in Serie über das ganze Land ausgerollt werden können“, schwebt Schmid vor. Mastiaux soll dabei mit Stadtwerken kooperieren. Er wird den einstigen Atomkonzern komplett neu ausrichten müssen und soll dabei seine Fähigkeiten im Veränderungsmanagement ausschöpfen.

Aber es geht nicht nur um die Energiewende. „Wichtig wird auch eine tragfähige Lösung für das schwierige Gasgeschäft“, fordert Schmid. Vorgänger Villis habe ja noch einen großen Liefervertrag geschlossen, aber das reiche noch nicht aus. Auch die Beteiligungen soll der ehemalige Eon-Manager gründlich durchforsten und das Sparprogramm noch einmal unter die Lupe nehmen.

Ein Minimalziel hat der Landesminister: „Grundsätzlich erwarten wir eine Dividende, die mindestens die Bedienung der Anleihe deckt, damit der Landeshaushalt nicht zusätzlich belastet wird.“ Das Land hatte den fünf Milliarden teuren Einstieg mit einer Anleihe finanziert, für die jährlich 110 Millionen Euro Zinsen fällig sind.

Das zeigt vor allem eines: Mastiaux muss seine Pläne wohl dosieren. Große Finanzspritzen kann er von seinen Haupteigentümern nach der bereits erfolgten Kapitalerhöhung um 822 Millionen Euro nicht erwarten. „Die Rahmenbedingungen sind gegeben. Mit diesen Mitteln muss die EnBW auskommen“, betont Schmid.

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