Fünf Fragen an: Karlheinz Küting
„Der Begriff Gewinn verliert seinen Inhalt“

„Man kann inzwischen ernsthaft in Frage stellen, ob der Gewinnbegriff überhaupt noch einen sinnvollen Bedeutungsinhalt hat“. Karlheinz Küting, Direktor des Instituts für Wirtschaftsprüfung äußert sich gegenüber dem Handelsblatt über Steuersatzänderungen und die Auswirkungen neuer Rechnungslegungsvorschriften.

Handelsblatt: Herr Küting, zahlreiche Konzerne bilanzieren im dritten Quartal umfangreiche Korrekturen ihrer latenten Steuerpositionen im Ertragsteueraufwand. Was hat das noch mit dem operativen Geschäft zu tun?

Karlheinz Küting: Im Grunde gar nichts. Die Anpassungen ergeben sich aus den kürzlich beschlossenen Steuersatzänderungen in Deutschland und den Rechnungslegungsvorschriften. Diese zwingen dazu, die neuen Körperschaftssteuer-Sätze bei der Berechnung der aktiven und passiven latenten Steuerpositionen zu berücksichtigen.

Immerhin soll der Ausweis von latenten Steuern doch helfen, ein faires Bild von der Lage des Unternehmens zu vermitteln.

Das ist eine Idealvorstellung. Das Konzept sollte hierbei kritisch hinterfragt werden. Es handelt sich letztlich um hypothetische Steuerforderungen oder -verbindlichkeiten, die auf unsicheren Zahlen und Erwartungen basieren und - wie auch die jüngsten Anpassungen zeigen - nur wenig mit dem nachhaltig erzielten Unternehmenserfolg zu tun haben.

Was bedeutet das für die Aussagekraft der Gewinn- und Verlustrechnungen?

Die nimmt ab. Man kann inzwischen ernsthaft in Frage stellen, ob der Gewinnbegriff überhaupt noch einen sinnvollen Bedeutungsinhalt hat. Bilanzpositionen wie die der latenten Steuern tragen dazu bei.

Wird nicht wenigstens die Vergleichbarkeit der Abschlüsse verbessert?

Auch da sind Zweifel angebracht. Die Bilanzierung von latenten Steuern ist sehr komplex, von außen kaum nachvollziehbar und bietet damit womöglich zusätzlichen Spielraum für die Bilanzpolitik. Das Thema ist insofern ein weiterer Beleg dafür, dass die verbindliche Einführung von IFRS bisher wenig für die Vergleichbarkeit von Jahresabschlüssen geleistet hat. Die hat eher abgenommen. Selbst die Bezeichnungen für das Resultat der Gewinn- und Verlustrechnung werden von den deutschen Unternehmen nicht mehr einheitlich gehandhabt.

Ist denn inzwischen Besserung in Aussicht?

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