Fünf Fragen an Klaus Franz, Betriebsratschef von Opel
„Betriebswirtschaftlich nicht nachvollziehbar“

Mutterkonzern General Motors will in Europa trotz Absatzplus knapp 1 000 Stellen ausgliedern. Opel -Betriebsratschef Klaus Franz kritisiert das GM Management deshalb: "Ich glaube, dass ihm bei derartigen Entscheidungen die betriebswirtschaftliche Vernunft fehlt."

Herr Franz, es gibt bereits Gespräche mit dem GM -Management über einen Outsourcing-Rahmenvertrag. Wann rechnen Sie mit ersten Ergebnissen?

Ja, wir sind in der Schlussphase der Verhandlungen über Mindeststandards, die für alle Standorte gelten sollen. Oftmals gibt es keine nationale gesetzliche Grundlage für uns, die Jobs zu sichern. Der Vertrag muss deshalb gute nationale Vereinbarungen wie zum Beispiel für Bochum, wo die Jobs über zehn Jahre abgesichert sind, bestätigen und in den anderen Ländern Regelungen schaffen, die weit über das eine Jahr hinaus gehen, das die EU-Richtlinie vorsieht.

Werden die Gespräche zentral geführt?

Klar ist, dass niemand vom Europäischen GM Arbeitnehmerforum (EEF) lokale Gespräche mit dem Management führen wird, bevor wir einen für alle in Europa bindenden Vertrag abgeschlossen haben. Wichtig für uns ist ebenfalls, dass die Arbeitnehmervertretungen auch in den neuen Unternehmen vertreten sind und wir überall in Europa die gleichen Informations- und Konsultationsrechte haben. Dies ist dann auch die Grundlage dafür, dass die Arbeitsplätze erhalten werden und nicht grenzenlos dereguliert werden können.

Das GM -Management betont, dass kein neues Restrukturierungsprogramm geplant ist. Sehen Sie das auch so?

Ich will mich nicht auf semantische Wortspielereien einlassen. Oftmals ist es betriebswirtschaftlich nicht nachvollziehbar, warum es dem Management nur um die Kopfzahl geht. In vielen Fällen ist die Eigenfertigung billiger und qualitativ hochwertiger als Fremdvergabe. Ich glaube, dass das GM Management bei derartigen Entscheidungen die betriebswirtschaftliche Vernunft fehlt. Zudem sind einige Performance-Vorgaben von GM in Europa für 2008 absolut unrealistisch.

Opel wächst inzwischen vor allem in Osteuropa. Gerät das Unternehmen wegen der überwiegend in Westeuropa liegenden Produktionsstätten deshalb in eine Schieflage?

Als europäische und globale Arbeitnehmer-Vertreter haben wir eine klare Position. Dort, wo die Kunden und die Märkte sind, soll auch produziert werden und die Menschen davon partizipieren. Wir sind dagegen, dass im Osten billig produziert wird, 95 Prozent der Produktion aber in den Westen exportiert wird, um die Kaufkraft hier abzuschöpfen. Die Menschen im Osten werden so keinen Wohlstand erreichen und im Westen bangen die Menschen um ihre Arbeitsplätze. Im Moment profitieren aber noch die Opel Werke im Westen von dem hervorragenden Absatz in Russland.

Ford konnte 2007 seinen Gewinn im Gegensatz zu GM in Europa mehr als verdoppeln. Was kann GM von Ford in Europa lernen?

Ich denke Ford Europa hat mehr Eigenständigkeit und keine derart zentralistisch ausgeprägten Strukturen wie GM. Die funktionale Organisation bei Gerade Russland und China zeigen auch, dass die Entscheidung von GM, Opel als regionale Marke zu positionieren, falsch ist. Opel ist die Marke für die aufstrebenden Mittelschichten in diesen Ländern, die sich am "German Engineering" orientiert. GM hat es in den letzten Jahren leider nicht geschafft die Marke Opel als Kernmarke in Europa mit ihrer Dynamik, Flexibilität und Qualität bei den Kunden zu positionieren. Wir aber auf dem richtigen Weg. Unsere Produkte sind längst besser als oftmals der Ruf.

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